Rezension Ottessa Moshfegh – Der Tod in ihren Händen

Rezension Ottessa Moshfegh – Der Tod in ihren Händen

Autor: Ottessa Moshfegh
Titel: Der Tod in ihren Händen
Herausgeber: Hanser Literaturverlag 
Datum der Erstveröffentlichung: 25. Januar 2021
Buchlänge: 256 Seiten
Titel der Originalausgabe: Death in her hands
ISBN: 978-3-446-26940-8
Preis: HC 22,00€ / eBook 16,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Bei Sonnenaufgang läuft Vesta mit ihrem Hund eine Runde durch den Wald – die tägliche Routine einer einsamen alten Frau –, als sie einen Zettel findet: „Ihr Name war Magda. Niemand wird je erfahren, wer sie getötet hat. Hier ist ihre Leiche.“
Obwohl von der jede Spur fehlt, lässt Vesta der Gedanke an einen Mord nicht mehr los. Wer war Magda? Und wer könnte ihr Mörder sein? Die Aufklärung dieser Fragen wird zu Vestas Mission. Doch je tiefer sie sich in den Fall verstrickt, desto deutlicher treten ihre eigenen Abgründe hervor.
Ottessa Moshfegh, eine der aufregendsten Autorinnen unserer Zeit, schreibt in ihrem neuen Roman über Einsamkeit – und darüber, wie einfach es ist, nicht nur die anderen, sondern auch sich selbst zu belügen.

Quelle: Hanser Literaturverlage

 

 

 

Kennt ihr den Moment, wenn aus einem verwirrten Was habe ich da gerade eigentlich gelesen? Ein Was habe ich da eigentlich gerade gelesen! wird?
Wenn eine Geschichte erst in der Bauchgegend angekommen sein muss, um sich ein Ausrufezeichen zu verdienen?
So ging es mir nämlich mit Der Tod in ihren Händen, mein erstes Buch von Ottessa Moshfegh, als zwei Tage nach dem Beenden plötzlich das Verstehen folgte.

 

Die 72 Jahre alte Professorenwitwe Vesta Guhl lebt nach dem Tod ihres Mannes Walter in einer alten, abgeschiedenen Hütte in einem kleinen Dorf namens Levant an der Ostküste von Maine.
Bei einem Waldspaziergang mit ihrem Hund Charlie findet sie einen Zettel mit folgendem Inhalt, der sie in große Unruhe versetzt:
„Sie hieß Magda. Niemand wird je erfahren, wer sie ermordet hat. Ich war es nicht. Hier ist ihre Leiche.“
Aber sie findet weder eine Leiche noch Blutspuren oder sonst irgendwelche Indizien für einen Mord, stattdessen füllt ihr Gehirn diese Leerstellen mit einer Fantasiegeschichte. Das geht sogar so weit, dass Vesta für Magda eine Hintergrundgeschichte samt Liebhaber und Familie imaginiert und eben auch verschiedene Verdächtige für die Tat. Rat sucht sie auch im Internet, wo sie sich ganz nebenbei einen Tarnanzug bestellt.
Und der Leser steht nun vor der Herausforderung, ob man der alten Dame, die anfangs noch ziemlich rüstig erscheint, Glauben schenken soll.

 

Was man wohl zuerst wahrnimmt ist die Tatsache, dass Vesta, trotz ihrer nach außen gezeigten Stärke, eine zutiefst einsame Frau ist, die irgendwie versucht aus ihrem Leben zu fliehen. Sie hat sich bewusst von der Gesellschaft verabschiedet, dafür kreisen Ihre einsamen Gedanken jedoch viel zu häufig um ihren verstorbenen Ehemann, der sie damals nicht nur unterdrückt, sondern auch betrogen hat. Und um diesen Gedankenkarussell zu entfliehen steigert sie sich immer weiter in Magdas Geschichte hinein, bis sich auf verstörende Art und Weise die Wirklichkeit und ihre Wahrnehmung mit dem Wahn und der Erinnerung verflechtet.

Man ahnt, dass psychologisch gesehen, mit Vesta irgendwas im Argen liegt und weiß nicht so richtig, wie man die Geschichte begreifen soll. Andererseits konstruiert sie einen glaubwürdigen Kriminalfall, der mehr und mehr ihr Leben bestimmt und ihren Geist übernimmt.
Die Atmosphäre ist wahnhaft und doch real. Man erwischt sich sehr oft bei der Frage, ob Vestas Begegnungen mit Nachbarn und Fremden nun wirklich stattfinden oder alle nur erdacht sind – gibt es überhaupt eine verlässliche Wahrheit?
Stück für Stück wird man tiefer in die Seiten gezogen und erlebt schlussendlich auch eine Verwandlung: Die anfänglich noch liebenswürdige alte Dame, die ihren Hund über alles zu lieben scheint, wird zu einer Figur, die von Wut und Hass getrieben wird. Durch die erfahrenen Demütigungen entwickelt sie sich zu einer vergifteten Person und auch wenn das Ende relativ vorhersehbar ist, hat mich die ganze Geschichte über die 256 Seiten komplett gefesselt.
Und selbst jetzt, nach fast einer Woche, steht mein Kopfkino noch nicht still.

 

 

Fordernd, anstrengend aber durch und durch lesenswert.
Der Tod in ihren Händen von Ottessa Moshfegh zu lesen, war eine ganz neue Erfahrung für mich und ich will definitiv mehr von dieser Autorin.
Deswegen gibt es auch eine klar Empfehlung meinerseits.

 

♥ Vielen Dank an den Hanser Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Ottessa Moshfegh wurde in Boston geboren und ist kroatisch-persischer Abstammung. Für ihre Romane wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem PEN/Hemingway Award. Zuletzt erschienen von ihr die Erzählungen “Heimweh nach einer anderen Welt” (2020) und “Mein Jahr der Ruhe und Entspannung” (2018). Ottessa Moshfegh lebt in Los Angeles. Der Tod in ihren Händen ist ihr erster Roman bei Hanser Berlin.

Quelle: Hanser Literaturverlage

 

 

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