Rezension Charlotte McConaghy – Zugvögel

Rezension Charlotte McConaghy – Zugvögel

Autor: Charlotte McConaghy
Titel: Zugvögel
Herausgeber: S. Fischer Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 26. August 2020
Buchlänge: 400 Seiten
Titel der Originalausgabe: Migrations
ISBN: 978-3-10-397470-6
Preis: HC 22,00€ / eBook 18,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Franny hat ihr ganzes Leben am Meer verbracht, die wilden Strömungen und gefiederten Gefährten den Menschen vorgezogen. Als die Vögel zu verschwinden beginnen, beschließt die Ornithologin den letzten Küstenseeschwalben zu folgen. Inmitten der exzentrischen Crew eines der letzten Fischerboote macht sie sich auf den Weg in die Antarktis. Schutzlos ist die junge Frau den Naturgewalten des Atlantiks ausgeliefert, allein die Vögel sind ihr Kompass. Doch wohin die Tiere sie auch führen, vor ihrer Vergangenheit kann Franny nicht fliehen. Ihr folgt das Geheimnis eines Verbrechens, die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe. Und schon bald entwickelt sich die Reise zu einem lebensbedrohlichen Abenteuer.

Quelle: S. Fischer Verlag

 

 

 

In einer meiner letzten Rezensionen habe ich von Büchern gesprochen, die es lohnt, gelesen zu werden. Weil sie anders sind und jede Minute deines Lebens wert sind.
Zugvögel von Charlotte McConaghy gehört definitiv in diese Kategorie.
Buchtipp, Leseempfehlung, Highlight, Überraschung – all diese Worte reichen gar nicht aus, um zu beschreiben, was ich für diese Geschichte empfinde und doch muss ich nun versuchen mit meinen Worten eine Besprechung zu schreiben um euch klar zu machen, warum ihr es unbedingt lesen müsst.
Also fangen wir an!

 

Eine Welt ohne Tiere, weder an Land noch in der Luft oder im Wasser. Das ist die Realität, mit der sich Franny konfrontiert sieht, denn die Menschheit hat durch ihren Einfluss fast alle Tierarten in freier Wildbahn ausgerottet. Einzig und allein ein Schwarm Küstenseeschwalben lebt noch in Grönland und steht kurz davor zu seiner letzten Reise gen Süden aufzubrechen. Franny setzt alles daran, diesen Vögeln zu folgen. Mit dem Versprechen die letzten Fische im Ozean ausfindig zu machen, darf sie schließlich an Bord eines Fischerboots kommen und damit beginnt ihr große Abenteuer, bei dem es um viel mehr geht als nur wilde Vögel. Denn sie begibt sich damit auch auf die Suche nach der Sinnhaftigkeit ihres eigenen Lebens.

 

Ich bin nur die zweitgrößte Liebe deines Lebens. Aber welcher Trottel wäre denn eifersüchtig auf das Meer?
(Seite 300)

 

Wie gesagt, es fällt mir schwer die richtigen Worte zu finden, die diesem Roman gerecht werden und das ist kein Gefühl, dass ich bisher auch nur ansatzweise hatte.
Normal fällt es mir leicht meine Gedanken in die Tasten zu hauen, aber Zugvögel ist keine normale Geschichte. Sie ist außergewöhnlich. Außergewöhnlich emotional und außergewöhnlich geschrieben.
Ich kann an einer Hand abzählen, welche Bücher mich bisher zum Weinen gebracht haben und wenn, dann kam diese Emotion bewusst. Ich wusste immer kurz vorher, dass es gleich soweit sein wird, aber Zugvögel hat einen Moment, einen Satz, der mir den Boden unter den Füssen weggezogen und mich in einen kümmerlichen Haufen aus Tränen verwandelt hat.

Wie die Küstenschwalben bin ich durch die Seiten des Romans geflogen und in ein Meer aus Worten eingetaucht, die ich noch ganz lange in mir tragen werde.
Stück für Stück wird eine Geschichte aus unterschiedlichen Zeitebenen erzählt, deren Ausmaß man erst ganz am Ende erfassen kann. Ein Ende, dass einen sprachlos und doch hoffungsvoll zurücklässt.

 

Ich kann nicht gegen meine Überzeugung an, dass kein Tier jemals im Käfig leben sollte. Dieses Schicksal haben nur Menschen verdient.
(Seite 324)

 

Aber es steckt noch so viel mehr in diesem Buch. Es erzählt von den Folgen des Klimawandels, der uns irgendwann alle treffen wird. Über das Artensterben, das bereits begonnen hat und unser Leben elementar verändert. Über Familie, die Verbundenheit zu seinem Partner und das tiefe Gefühl der Zugehörigkeit. Es ist eine Geschichte über Freiheit, dystopisch angehaucht und doch so real. Über die Ruhelosigkeit und die Ruhe, die manchmal nötig ist, um durchatmen zu können und über das Gewähren lassen und über Liebe.

Auch wenn Charlotte McConaghys Worte manchmal hart sind kühl sind und sich der Umgebung perfekt anpassen, blieb das warme Gefühl in der Bauchgegend stehts bei mir. Ähnlich wie Protagonistin Franny. Sie ist gleichzeitig unfassbar stark und dabei so zerbrechlich wie die Küstenschwalben. Sie legen den weitesten Weg zurück und sind doch den Stürmen über dem Meer schutzlos ausgeliefert.
Ausgeliefert – das ist das Wort, mit dem ich diese Rezension gerne schließen würde.
Denn ich war und bin diesem Debütroman Ausgeliefert und das mit meinem ganzen Körper.

 

 

 

Zugvögel von Charlotte McConaghys eins der schönsten und berührendsten Bücher, die ich je in meinem Leben gelesen habe – auf mehr als eine Art!

Tut euch selbst den Gefallen und lest es – von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!

 

 

♥ Vielen Dank an den S. Fischer Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Charlotte McConaghy, Jahrgang 1988, hat irische Wurzeln und wuchs in Australien auf. Ihre Passion für die Natur und Tierwelt und ihre Erschütterung über die Auswirkungen des Klimawandels inspirierten sie zu »Zugvögel«, ihrem literarischen Debütroman, mit dem sie den internationalen Durchbruch erreichte. Sie hat einen Abschluss als Drehbuchautorin der Australian Film Television and Radio School. McConaghy lebt heute in Sydney.

Quelle: S. Fischer Verlag

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