Rezension Zaia Alexander – Erdbebenwetter

Rezension Zaia Alexander – Erdbebenwetter

Autor: Zaia Alexander
Titel: Erdbebenwetter
Herausgeber: Klett-Cotta Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 22. August 2020
Buchlänge: 320 Seiten
Titel der Originalausgabe:
ISBN: 978-3-608-50459-0
Preis: HC 22,00€ / eBook 17,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Kojoten ziehen hungrig durch die Wohnviertel, in den Nachrichten warnen sie vor Schießereien und blinder Verkehrswut. Mit der Hitze kommt eine unheimliche Stille. Erdbebenwetter. Das Leben in L.A. gleicht in diesem Roman nicht dem Hollywood, das uns die großen Studios in ihren Filmen vorgaukeln. Und auch Lous Alltag ist nicht aus dem Stoff der Traumfabrik. Ihr Leben scheint in einer Endlosschleife hängengeblieben zu sein, als sie bei einer Filmpremiere einen alten Freund wiedertrifft, der mittlerweile ein erfolgreicher Regisseur ist. Er nimmt sie mit zu einem Kurs in einem Tanzstudio in Santa Monica und führt sie in die Welt der Hexer ein. Damit gewinnt ihr Leben eine elektrisierende Intensität. Das allzu Bekannte wird außergewöhnlich, der Alltag rückt in ein neues Licht. Lou erkennt, dass es Ausfahrten und Schlupflöcher im vermeintlich festgelegten Koordinatensystem des Lebens gibt. Ein poetischer, kraftvoller, kosmopolitischer Roman, der Grenzen überschreitet, Hierarchien zwischen Tier und Mensch und Kindern und Eltern ins Wanken bringt und L.A. als jenes flirrende Geheimnis in der Wüste zeigt, das die Stadt bis heute ist.

Quelle: Klett-Cotta

 

 

 

In einigen Rezension zu diesem Buch heißt es, dass Zaia Alexander mit Erdbebenwetter einen modernen Hexenroman geschrieben hat und da ich seit meiner Jugend genau solche Geschichten liebe, musste ich mich natürlich selbst davon überzeugen, was es mit dieser Behauptung auf sich hat.
Um eins vorweg zu nehmen: Hexen habe ich nicht wirklich gefunden, dafür aber viel Liebe zum Detail und einige verschlungene Pfade.

 

Gegenwart: Lou studiert Filmwissenschaft und lebt mit Tochter Lola und Katze Sophie in Los Angeles. So wie das verwandtschaftliche Verhältnis von Lola und Lou selbst gewählt ist, hat auch die Katze Sophie ihre Versorger selbst gewählt und seither kümmern sich die beiden hingebungsvoll um die zugelaufene Streunerin. Bis immer öfter hungrige Kojoten durch das Wohnviertel ziehen.

Ein paar Jahre zuvor: Als Lou auf einer Filmpremiere ihren damaligen Schulfreund Josh wieder trifft, klingt seine Frage zunächst ganz harmlos: Hast du Lust ein paar Hexer kennenzulernen?
Da Lou momentan eh nicht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, willigt sie ein – doch das hat Folgen.
Schnell findet sie sich in einem Kreis aus rätselhaften Menschen wieder, die sich um einen Mentor scharen, aber wer jetzt magische Rituale und Beschwörungen bei Vollmond erwartet, liegt leider ganz schön daneben. Denn alles, was die Hexer machen, sind Bewegungsübungen, die stark an Pilates erinnern.
Lou gerät trotzdem schnell in den Sog der Gruppe und ist bereit, auf Anweisung des Mentors ihr altes Leben hinter sich zu lassen, inklusive eines neuen Namens. Und damit wird aus Bekanntem Außergewöhnliches und der Alltag erscheint plötzlich magisch.

 

Er hatte mich eingeladen, die Welt so zu sehen, wie er sie sah, als etwas Außergewöhnliches, Unvorhersehbares und Flüchtiges – etwas, das ich nie für selbstverständlich hätte halten dürfen.
(Seite 226)

 

Zaia Alexander erzählt in ihrem Debütroman Erdbebenwetter eine außergewöhnlich geheimnisvolle Geschichte, deren Übergänge zwischen normal, dystopisch und wahnhaft fließend wechseln.
Fast könnte man den Inhalt mit einem Drehbuch von David Lynch verwechseln, denn seine flirrenden Bilder wirken ähnlich auf mich, wie der faszinierende Veränderungsprozess von Lou.
Es ist ein Buch, das in den verschiedensten Schattierungen daherkommt und trotz der alltäglichen Begebenheiten einfach surreal erscheint, fast, als wäre es irgendwo von Himmel gefallen und keiner weiß letztendlich, wo genau es herkommt.
Die Geschichte lässt sich schwer greifen und doch merkt man, dass die Autorin genau weiß, was sie tut. Sie fabuliert und schildert, mischt reale Szenen mit fantastischen und trifft mit ihrem abgeklärt rätselhaften Schreibstil den Nagel auf den Kopf.
Mal fühlt es sich richtig an, dann wieder komplett daneben und auch wenn meine Beschreibung für euch sicherlich verwirrend klingt, ist es doch die einzige Art und Weise, wie ich dieses Buch beschreiben kann.

Im Endeffekt beschreibt die Geschichte Lous Suche nach Halt und Zugehörigkeit. Es geht um den Wunsch Hierarchien zu durchbrechen und um geplatzte Träume. Der Langeweile zu entkommen und ein Zuhause zu finden. Und dann kommen nachts die Kojoten und reißen alles auseinander.

 

 

 

Erdbebenwetter bietet sehr viele Facetten – aber ein Hexenroman ist es nicht.
Es geht um einen faszinierenden Veränderungsprozess und darum, wie man im Alltäglichen das Magische entdeckt.
So außergewöhnlich, wie ein Film von David Lynch und doch so gewöhnlich wie weiße Socken.

Meine Erwartungen hat es nicht erfüllt, dafür aber komplett übertroffen.

 

 

♥ Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Zaia Alexander lebt in Potsdam und Los Angeles. Sie promovierte in Germanistik an der UCLA, war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Getty Research Institute und Programmdirektorin der Villa Aurora in Pacific Palisades/Los Angeles. 2008 erhielt sie die Lannan Residency in Marfa, Texas. Erdbebenwetter ist ihr erster Roman.

Quelle: Klett-Cotta

 

 

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