Rezension Ilona Hartmann – Land in Sicht

Rezension Ilona Hartmann – Land in Sicht

Autor: Ilona Hartmann
Titel: Land in Sicht
Herausgeber: Aufbau Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 21. Juli 2020
Buchlänge: 160 Seiten
ISBN: 978-3-351-05076-4
Preis: HC 18,00€ / eBook 13,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Jana hat ihren Vater nie kennengelernt. Alles, was sie über ihn weiß, ist, dass er als Kapitän auf der MS Mozart arbeitet, einem eher wenig glamourösen Kreuzfahrtschiff auf der Donau. Also bucht sie sich kurzerhand eine Woche dort ein. Ob sie sich ihm zu erkennen geben wird, weiß sie noch nicht. Mit knapp hundert Gästen im Seniorenalter und der trinkfesten Bordbesatzung beginnt die Fahrt von Passau nach Wien. Mit großer Sensibilität erzählt Ilona Hartmann die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Ein Roman voller Situationskomik und ungewöhnlicher Begegnungen, aber auch der Beginn einer zärtlichen, emotionalen Annäherung zwischen Vater und Tochter, die gerade erst lernen, was es heißt, einander Familie zu sein.

Quelle: Aufbau Verlag

 

 

 

Eigentlich lese ich kaum lustige Bücher, weil mein Humor vielleicht doch etwas zu speziell ist, als dass er in einem Roman eingefangen werden könnte.
Fragt man mich, bei welcher Geschichte ich das letzte Mal so richtig herzlich gelacht habe, muss ich wirklich meine grauen Zellen anstrengen und selbst da erinnere ich mich kaum.
Aber dann kam Land in Sicht von Ilona Hartmann und dadurch weiß ich nun, dass es sich manchmal lohnt, aus seiner Comfort Zone auszubrechen.

 

Das Leben von Jana Bühler fasst nur wenige Eckdaten: Sie ist ca. 24 Jahre alt, Adresse vergessen und auch über ihre Herkunft lässt sich nicht allzu viel sagen. Der Vater floh damals aus der Tschechoslowakei, wo er heute ist? Unterfernerliefen, sagt die Mutter und in ihrer Berliner Wohnung hält sie es schon lange nicht mehr aus. Die meisten Tage fährt sie mit dem Zug durch Europa, schläft in Hotels und ist halb da, halb am Leben.
Irgendetwas fehlt, in ihrer Identität scheint ein Loch und der Vater könnte die Lösung sein. Deshalb bucht Jana eine Schiffsreise mit der MS Mozart, die Donau entlang. Überlegt, wie sie ihren Vater, den Kapitän, dort kennenlernen kann. Und dann steht er eines Tages vor ihr wie ein abgenutztes Klischee und so ganz anders gleich, als sie sich ihn vorgestellt hat: rotes Sakko, Schuhe aus Krokodilimitat, umgeben vom Duft nach Moschus. Nur was macht man jetzt, wenn man fast die erste Hälfte seines Lebens ohneeinander verbracht hat?

 

Egal, ob Vater oder kein Vater, jeder wird die Gefühle und die Gedankenwelt der Protagonistin nachvollziehen können, wenn man sich irgendwann in seinem Leben verloren fühlt und irgendetwas vermisst, dass man vorher gar nicht gekannt hat.
Dennoch schreibt Ilona Hartmann in Land in Sicht keine Geschichte über Enttäuschungen, vielmehr ist es eine Reise, die frei ist von falschen Hoffnungen ist und die wehtut – manchmal auch vor Lachen.
Es ist ein Buch voller Unsicherheiten und Wut, sowohl auf der Seite von Jana, als auch auf der Seite ihres Vaters und dabei romantisiert die Autorin weder das Kennenlernen noch das Ende mit Gefühlsduseleien, sondern schreibt so, als hätte sich die Geschichte tatsächlich so ereignet – mitten aus dem Leben gegriffen sozusagen.

Aufgrund der Kürze der Story könnte man eigentlich schnell darauf schließen, dass sich Ilona Hartmann nicht viel Zeit nimmt für so ein schwieriges Thema und doch schafft sie es zu berühren und zu unterhalten. Zwar darf man keinen Seitenlangen psychologischen Tiefgang erwarten, aber trotzdem trifft sie mit ihrer Geschichte mitten ins Herz.
Es ist erschreckend ehrlich und so nah an der Wirklichkeit, sodass die Seiten einfach nur dahinfliegen und auch wenn man nicht will, dass das Buch jemals endet, kann man es nicht eher aus der Hand legen, bis man es ausgelesen hat.

 

Das Leben wird nirgends bewusster genossen als unter Menschen, die die meiste Zeit davon schon hinter sich haben.
(Seite 18)

 

Tatsache ist: Es gibt nicht viele Bücher, die ich an einem Stück lese, aber bei diesem hier ging es gar nicht anders. Es war spannend, weil es mich emotional so mitgenommen hat und es war schlichtweg gut geschrieben. Ich mochte die trockenen Dialoge, die Rückblicke in die eigene Kindheit und vor allem die beiden Hauptfiguren, die unfassbar echt gewirkt haben.

 

 

 

Land in Sicht von Ilona Hartmann ist ein lockeres und humorvoll geschriebenes Buch, dass meiner Meinung nach in keinem Regal fehlen sollte. Eine etwas andere Geschichte, die mich durch ihre Ehrlichkeit berührt hat.
Von mir gibt’s eine Leseempfehlung!

 

 

♥ Vielen Dank an den Aufbau Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Ilona Hartmann ist freie Autorin und Texterin. Geboren 1990 bei Stuttgart zog sie direkt nach dem Abitur erst nach Leipzig und dann nach Berlin, vor allem aber ins Internet, wo sie bis heute lebt. “Land in Sicht” ist ihr erster Roman. Texte von ihr finden sich regelmäßig auf ZEIT Online, in Der Freitag und auf Twitter. Instagram @ilona_hartmann Twitter @zirkuspony

Quelle: Aufbau Verlag

 

 

 

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