Rezension Maria Peters – Die Dirigentin

Rezension Maria Peters – Die Dirigentin

Autor: Maria Peters
Titel: Die Dirigentin
Herausgeber: Atlantik Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 05. August 2020
Buchlänge: 336 Seiten
ISBN: 978-3-455-00960-6
Preis: HC 22,00€ / eBook 16,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

New York, 1926: Für Antonia Brico gibt es nur die Musik. Unermüdlich übt sie an dem alten Klavier, das ihr Vater, ein Müllmann, auf der Straße gefunden hat. Ihr großer Traum: Dirigentin zu werden. Doch noch nie hat eine Frau in dieser Rolle auf der Bühne stehen dürfen. Als sie sich als junge Frau zu einem Konzert ihres Idols Willem Mengelberg schleicht, und sich auf einem Klappstuhl in den Mittelgang setzt, wird sie herausgeworfen und verliert dabei auch noch ihren Job im Konzerthaus. Sie steht vor dem Nichts. Doch sie gibt nicht auf und reist nach Europa, um für ihren Traum zu kämpfen. Sie verlässt sogar ihre große Liebe Frank, um nicht in dessen Schatten zu stehen. Unermüdlich klopft sie an die Türen der großen Musiker. Karl Muck, der legendäre Dirigent in Berlin, zerreißt vor ihren Augen ihr Empfehlungsschreiben. Antonia sieht letztlich nur einen Weg: Ein Orchester nur mit Frauen, von ihr selbst dirigiert. Mit dem Eröffnungskonzert ist klar: Es wird Antonia befreien – und die Musikwelt für immer verändern.

Quelle: Atlantik Verlag

 

 

 

Eigentlich beschäftige ich mich nicht wirklich viel mit klassischer Musik. Weder kenne ich besonders viele Kompositionen von Ludwig van Beethoven noch von Richard Wagner und schon der Versuch eine Handvoll von ihnen aufzuzählen, bereitet mir Kopfzerbrechen.
Was also genau soll ich mit einem Buch, dessen Komponenten genau davon handeln?
Diese Gedanken ging mir durch den Kopf, als ich das erste Mal den Klappentext zu Die Dirigentin durchgelesen habe: Wie soll eine Geschichte eine unmusikalischen Person wie mich unterhalten, wenn ich nicht mal den Hauch einer Idee habe, was eine Dirigentin genau macht, außer wahllos den Taktstock zu schwingen?
Ach ja, Urteile über dieses Buch habe ich wirklich schnell gefällt, aber zum Glück ging es ebenso schnell sie wieder los zu werden, denn wenn ich ganz ehrlich bin, hat mich lange kein Buch mehr ab der ersten Seite so gefesselt, wie es Maria Peters mit ihrer Geschichte geschafft hat.

 

Wilhelmina Wolthuis, kurz Willy, ist 24 Jahre alt und arbeitet im Jahr 1926 neben ihrem täglichen Job im Büro zusätzlich am Abend als Platzanweiserin in New York. Ihren Lohn muss die junge Frau, die noch bei ihren Eltern wohnt, zu Hause abgeben, denn das Geld ist knapp. Aber sie ist genügsam, ihr ganzer Stolz ein gebrauchtes Klavier, dass ihr Vater ihr zum 10ten Geburtstag geschenkt hat. In der Zukunft sieht sie sich selbst einmal ein Orchester dirigieren, auch wenn der Weg dahin alles andere als einfach wird. Willy jedoch ist ehrgeizig und als sie eines Tages zur richtigen Zeit, am richtigen Ort auftaucht, scheint sie ihrem Traum ein Stück näher zu kommen. Durch ihre neu gewonnenen Freundschaften öffnen sich ihr plötzlich Türen – doch eine Frau in einem von Männer dominierten Beruf wird weder gern gesehen, noch einfach so akzeptiert.

 

Maria Peters schreibt in ihrem Roman Die Dirigentin über die historische Figur Antonia Brico, die als Willy Wolthuis heranwächst und einen steinigen Weg meistert, der sie zur ersten Dirigentin eines weltberühmten Orchesters macht.
Zwar handelt es sich hierbei nicht um eine detailgetreue Biografie von Antonia, denn hier und da hat sich die Autorin ein paar künstlerische Freiheiten in Bezug auf die tatsächlichen Fakten genommen, aber ich glaube erst dadurch konnte dieser besondere Roman entstehen, der mir einige Stunden pures Lesevergnügen bereitet hat.
In den einzelnen Kapiteln wechselt sich die Hauptprotagonistin mit Frank und Robin als Erzählstimme ab – zwei Männer, die Antonia immer wieder ein Stück weit ihres Lebens begleiten. Ihre Perspektive bietet nochmal einen anderen und durchaus interessanten Blickwinkel auf ihr Leben, aber auch auf ihre Karriere und ihre Hürden, die sie immer wieder meistern musste.

 

Weißt du, wir werden nackt geboren, und der Rest ist Verkleidung.
(Seite 45)

 

Doch wie besonders ihre Geschichte eigentlich war, zeigt sich, wenn man auf das große Ganze blickt: Lange wurde es Frauen nämlich schier unmöglich gemacht, in der klassischen und von Männern dominierten Musikwelt Fuß zu fassen. Mal wurde ihr Wunsch nach dem Besuch einer entsprechenden Schule kategorisch abgelehnt, mal wurden sie auf einer solchen gnadenlos ignoriert. Als lächerlich galt Antonias Wunsch Dirigentin zu werden, gab es ja noch nicht einmal ein richtiges Wort für ihren Berufswusch. Doch sie lässt sich nicht beirren und zeigt, dass sie den Ehrgeiz hat, alles dafür zu geben – auch wenn es sie einsam macht.

Für mich ein wichtiges Buch zur Gleichberechtigung der Geschlechter in der Kultursparte und ein Roman, den ich nicht so schnell vergessen werde.

 

 

 

Die Dirigentin ist ein Buch über eine Frau, die allen Widrigkeiten zum Trotz unbeirrbar ihren Weg gegangen ist. In meinen Augen hat dieser Roman viel mehr Aufmerksamkeit verdient und ich hoffe, dass sich noch einige Leser auf diesen Roman einlassen werden.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

 

♥ Vielen Dank an den Atlantik Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

 

 

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