Rezension Richard Russo – Sh*itshow

Rezension Richard Russo – Sh*itshow

Autor: Richard Russo
Titel: Sh*itshow
Herausgeber: Dumont Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 16. Juli 2020
Buchlänge: 80 Seiten
Titel der Originalausgabe:  Sh*itshow
ISBN: 978-3-8321-8144-4
Preis: HC 10,00€ / eBook 4,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

David und Ellie, zwei gutsituierte, in der Großstadt lebende, pensionierte Akademiker sind zufrieden mit ihrem Leben. Bis zu dem Tag, an dem Donald Trump zum Präsidenten gewählt wird. Plötzlich wird ihnen alles fremd: ihr Land, ihr Leben, sie sich selbst. Ihre Tochter, die längst im liberalen Kalifornien lebt, kann ihnen nicht helfen. Und dann ist da noch dieser Freund, von dem sie glauben, dass er nur so tut, als hätte er Hillary gewählt …
Spätestens als Ellie eines Tages Fäkalien im eigenen Pool entdeckt, findet die ›Sh*tshow‹ nicht mehr nur im metaphorischen Sinne statt. Aber dieser spektakulär niederträchtige Akt des Vandalismus ist nur das erste in ei-ner Kette politischer und privater Ereignisse, die sich verheerend auf die eigentlich so behagliche Existenz des Paares auswirken.
Richard Russo hat eine eindringliche Parabel geschrieben, in der er von den tiefen, oft unmerklichen Rissen zwischen Freunden, Nachbarn, Familien und selbst Liebenden erzählt, die im Zuge gewichtiger gesellschaftlicher Veränderungen entstehen: Das Politische ist oft privater, als wir meinen.

Quelle: Dumont Verlag

 

 

 

Ein Mann der Tat und Diese gottverdammten Träume – beide Titel stammen aus der Feder von Richard Russo und beide Titel habe ich bereits in der Vergangenheit auch schon mit Begeisterung verschlungen.
Und nachdem mich der Dumont Verlag dieses Jahr sogar mit dem Erscheinen von Jenseits der Erwartungen von ihm beglückt hat, setzt er jetzt noch einen drauf und schiebt das schmale Bändchen Sh*itshow fast direkt hinterher.
Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass der darin enthaltene Text nicht wirklich einen vollständigen Roman bildet, sondern eher eine Erzählung gleicht, aber das tut einem guten Buch ja schließlich keinen Abbruch -zumindest dann nicht, wenn es von Richard Russo kommt!

Als Donald Trump Präsident der USA wird, bricht für das pensionierte Akademiker-Ehepaar Ellie und David eine kleine Welt zusammen, denn beide haben sich klar für Hillary ausgesprochen und bis zum Ende gehofft. Als Elli dann auch noch kurze Zeit später Fäkalien im heimischen Pool vorfindet und langjährige Freunde offenbaren, den orangefarbenen Mann höchstpersönlich gewählt zu haben, gerät ihr Leben vollkommen aus den Fugen und die Sh*itshow findet nicht länger nur im metaphorischem Sinne statt.

 

“In einer Demokratie“, sagte ihr Mann, “bekommen die Menschen immer genau das, was sie verdient haben.“
(Seite 13)

 

Eigentlich ist Richard Russo für mich ein Autor, der vor allem durch seine perfekten und tiefgründigen Charakterzeichnungen besticht, aber dass er auch anders kann, beweist er durchaus eindrucksvoll und bitterböse in seinem neuesten Buch Sh*itshow. Denn hier charakterisiert er seine Figuren nur kurz, um der Kernaussage genug Raum zur Entfaltung zu lassen.
So vergleicht er beispielsweise ein von Fäkalien beschmutztes Haus mit dem Land, in dem jemand wie Donald Trump Präsident werden konnte oder zeigt, wie weltpolitische Ereignisse private Leben verändern oder gar zerstören können.

Auf nicht mal ganz 80 Seiten stehen Menschen so vor den Trümmern ihrer Existenz und am Scheideweg ihrer Ehe und soll ich euch was verraten: Ich hatte meinen ganz eigenen Spaß dabei, sie auf diesem kurzen Weg zu begleiten.
Zwar zwicken die Sätze und tun hin und wieder auch mal richtig weh, aber genau so muss ein Buch in diesem Format auch geschrieben sein, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen – und das hat Richard Russo mit Sh*itshow definitiv bei mir geschafft.

 

 

 

Ein kurzweiliges Buch über ein Ehepaar, dessen Leben sich mit der Präsidentschaft des orangefarbenen Mannes deutlich verschlechtert hat.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

 

 

♥ Vielen Dank an den Dumont Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor
Richard Russo, geboren 1949 in Johnstown, New York, studierte Philosophie und Creative Writing und lehrte an verschiedenen amerikanischen Universitäten. Für ›Diese gottverdammten Träume‹ (DuMont 2016) erhielt er 2002 den Pulitzer-Preis. Bei DuMont erschienen außerdem ›Diese alte Sehnsucht‹ (2010), ›Ein grundzufriedener Mann‹ und ›Ein Mann der Tat‹ (beide 2017), der Erzählband ›Immergleiche Wege‹ (2018) sowie zuletzt ›Jenseits der Erwartungen‹ (2020).

Quelle: Dumont Verlag

 

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