Rezension Peter Keglevic – Wolfsegg

Rezension Peter Keglevic – Wolfsegg

Autor: Peter Keglevic
Titel: Wolfsegg
Herausgeber: Penguin Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 19. August 2019
Buchlänge: 320 Seiten
ISBN: 978-3-328-60098-5
Preis: HC 20,00€ / eBook 15,99€
Erwerben

 

♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Ein enges Tal irgendwo in den Bergen: Die 15-jährige Agnes, die so gern ein »Autoschrauber« hätte werden wollen, muss erfahren, wie brutal das Leben sein kann. Wenn die eigene Familie verachtet wird. Wenn jeder jeden kennt und mit jedem eine Geschichte hat. Da stehen dem Missbrauch die Türen weit offen, da wird vertuscht und betrogen, denunziert und getötet, ohne dass der Himmel ein Einsehen hätte. Als der Vater totgeschlagen und die Mutter elendig verreckt ist, hat Agnes nur noch einen Gedanken: Sie muss die »Kleinen«, Bruder und Schwester, vor dem Heim retten, in dem sie einst gelitten hat.

Quelle: Penguin Verlag

 

 

 

Ich hatte ja keine Ahnung, auf was ich mich da einlasse, als ich vor kurzem zu Peter Keglevics Roman Wolfsegg griff. Ich hatte ja keine Ahnung, was für Gefühle der Beklemmung und der Hilflosigkeit er in mir auslösen würde und wie sehr ich eigentlich dazu im Stande bin, mit Personen zu leiden, die ich nicht einmal persönlich kenne.
Ich hab selten ein Buch gelesen, das mich während Lesen so sprachlos gemacht hat und mich danach ebenso zurücklies, aber allein daran könnt ihr schon erkennen, dass es sich definitiv in meine Jahreshighlights einreihen wird.

In einem Alpental lebt die 15-jährige Agnes mit ihren Eltern und ihren zwei jüngeren Geschwistern auf einem abgelegenen kleinen Hof. Der Vater ist Wildhüter und oft tagelang unterwegs, die Mutter unheilbar krank, sodass Agnes schon früh eine große Verantwortung für den Haushalt und ihre Geschwister übernehmen muss.
Nach ihrem Schulabschluss beginnt sie eine Ausbildung im örtlichen Baumarkt, wobei ihr neuer Chef nie verwunden hat, dass Agnes Mutter sich damals für den Vater entschied – seitdem tut dieser alles, um die Familie in Verruf zu bringen. Er versucht, Agnes sexuell zu missbrauchen, und als sie sich erfolgreich wehrt, beschuldigt er sie des Diebstahls. Als Agnes Vater jedoch während eines Gottesdienstes versucht, seine Tochter von diesen Gerüchten zu befreien, nimmt das Drama seinen Lauf. Eine vom Hass und Alkohol aufgebrachte Männergruppe jagt ihn in die Berge und erschießt ihn – ein Unfall, wie es später heißen soll. Fast zeitgleich stirbt die Mutter und Agnes weiß nur eins: Niemals dürfen ihre Geschwister in das Kinderheim, in dem sie eine Zeit lang leben musste, weil sie dort unfassbar Schreckliches erfahren hat. Freunde oder Verwandte gibt es nicht. Vom Vater hat sie alles gelernt, was es zum Überleben braucht und von ihm weiß sie auch von einer versteckten Hütte hoch im Gebirge, von der niemand sonst Kenntnis hat. Dorthin flieht sie mit den Geschwistern, für die sie nun allein Sorge trägt. Doch die Vergangenheit holt Agnes immer wieder ein.

 

Zugegeben, Wolfsegg ist, wie ihr vielleicht schon erraten habt, kein Gute-Laune-Roman, den man eben mal schnell gelesen hat und danach mindestens genau so schnell wieder vergisst.
Er ist brutal, ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen, kein Thriller, sondern eher ein Familiendrama und durch seine Ehrlichkeit alles andere als lustig.
Denn rau und ohne Rücksicht auf Verluste, peitscht der Autor sowohl seine Figuren als auch die Ereignisse von einem Elend ins Nächste und hält sich dabei nicht an Kleinigkeiten auf, sondern schreibt hart und schnörkellos bis zum Ende.
Dabei bin ich aber nicht in eine Emotionslosigkeit den Charakteren gegenüber verfallen, sondern habe sowohl die psychischen als auch die physischen Verletzungen in meinem eigenen Kopf weitergesponnen. Alles was nicht gesagt wurde, übernahm mein Kopfkino für mich, alles was nicht im Buch stand, konnte ich mir dennoch denken.

Peter Keglevic gelingt es hervorragend, die klaustrophobische, hinterwäldlerische, freundlose und erdrückende Atmosphäre einzufangen, in der seine Protagonisten leben und leiden und auch wenn genau diese altertümlich anmutende Konstellation der sozialen und ökonomischen Lebensbedingungen dem ein oder anderen etwas altbacken und unrealistisch vorkommen mögen, hat genau das für mich die Erzählung perfekt abgerundet.
Ein Buch, dass sich definitiv zu lesen lohnt!

 

 

 

Peter Keglevic erzählt in einer reichen und doch einfachen Sprache eine großartige, gewaltige Geschichte, deren Sog man sich nicht entziehen kann und die noch lange in einem nachhallt. Sehr empfehlenswert und deshalb gibt es auch eine klare Leseempfehlung für Leser ab 16 Jahren.

 

 

♥ Vielen Dank an den Penguin Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor
Peter Keglevic, geboren 1950 in Salzburg und gelernter Buchhändler, ist ein erfolgreicher TV-Regisseur, ausgezeichnet u.a. mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis. Seit über 20 Jahren hat er für »Laufen für den Führer« und die Lebensgeschichte von Harry Freudenthal recherchiert. »Ich war Hitlers Trauzeuge« ist sein erster Roman.

Quelle: Penguin Verlag  https://www.randomhouse.de/Autor/Peter-Keglevic/p105430.rhd

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.