Rezension James Baldwin – Nach der Flut das Feuer

Rezension James Baldwin – Nach der Flut das Feuer

Autor: James Baldwin
Titel: Nach der Flut das Feuer
Herausgeber: dtv Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 31. Januar 2019
Buchlänge: 128 Seiten
Titel der Originalausgabe: The Fire Next Time
ISBN: 978-3-423-28181-2
Preis: HC 18,00€ / eBook 9,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Dies ist das Buch, das James Baldwin weltweit berühmt machte und auf das alle zeitgenössischen Bücher zum Thema Rassismus zurückgehen. Baldwin war zehn Jahre alt, als er zum ersten Mal Opfer weißer Polizeigewalt wurde. 30 Jahre später, 1963, brach ›Nach der Flut das Feuer‹ (›The Fire Next Time‹) wie ein Inferno über die amerikanische Gesellschaft herein – und wurde sofort zum Bestseller. Baldwin rief dazu auf, dem rassistischen Albtraum, der die Weißen ebenso plage wie die Schwarzen, gemeinsam ein Ende zu setzen. Ein Ruf, der heute wieder sein ganzes provokatives Potenzial entlädt: »Die Welt ist nicht länger weiß, und sie wird nie mehr weiß sein.«

Quelle: dtv Verlag 

 

 

 

Rassismus, Ausgrenzung und Übergriffe auf Menschen anderer Hautfarbe, Herkunft oder Religion sind im Moment wieder aktueller in unseren Köpfen denn je, als am 25. Mai 2020 der 46-jährige Afroamerikaner George Perry Floyd durch seine gewaltsame Festnahme in Minneapolis ums Leben gekommen ist. Dabei sorgte dieser Vorfall nicht nur deswegen für weltweites Aufsehen, weil kurz darauf ein Video von dieser unfassbaren Tat im Internet veröffentlicht wurde, sondern löste auch großflächige Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in den Vereinigten Staaten sowie anderen Teilen der Welt aus.
Instagram war voll von schwarzen Vierecken, weil Menschen ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung zum Ausdruck bringen wollten und der Hashtag #blacklivesmatter überflutete nicht nur die gängigen Social-Media-Plattformen, sondern war auch überall auf Plakaten und im TV zu sehen.
Dass aber Proteste und Anteilnahme allein nicht reichen, sondern dringend auch die eigene Weiterbildung in Form von Büchern und Dokumentationen erfordern, ist ebenfalls in vielen Köpfen angekommen und dabei hat der dtv Verlag einen wunderbaren Beitrag geleistet, indem dieser das Buch Nach der Flut von James Baldwin für einen kurzen Zeitraum kostenlos als eBook zur Verfügung stellte. Ein Buch, das James Baldwin weltweit berühmt machte und auf das alle zeitgenössischen Bücher zum Thema Rassismus zurückgehen.

 

Rassen sind konstruiert worden, um Menschen zu klassifizieren, zu hierarchisieren und zu unterdrücken. […] Hautfarbe ist keine menschliche oder persönliche Realität; sie ist eine politische Realität.
(Seite 11)

 

Nach der Flut enthält neben einem eindringlichen Vor- und Nachwort von Jana Pareigis auch den Brief Mein Kerker bebte, den Baldwin zum hundertsten Jahrestag der Sklavenbefreiung an seinen Neffen adressiert hat. Darin erinnert er den Jungen an die Bedeutung von „race“ in der amerikanischen Gesellschaft und wie die politische Differenzierung Schwarze brutal unterdrückt:

 

Du wurdest geboren, wo Du geboren wurdest, mit Zukunftsaussichten, die Deine Aussichten waren, weil Du schwarz bist – aus keinem anderen Grund.
(Seite 30)

 

Und das Thema der Hautfarbe prägt auch den zweiten Aufsatz Vor dem Kreuz. Darin befasst sich der Autor mit seiner Entwicklung in der christlichen Gemeinde und seinem Werdegang eines leidenschaftlichen jungen Pastors, bis hin zu den damit verbundenen Enttäuschungen, die ihn schließlich dazu brachten, sich vollständig von der Kirche zurückzuziehen, weil sie seinem Verständnis von Menschlichkeit nicht nahekam.

Dabei prangert er nicht nur die Weißen an, sondern schildert seine eigenen Erfahrungen in Bezug auf Anpassung, Diskriminierung, Zurückweisung und dem Bewusstwerden, an welcher Stelle man in der Welt steht.
In Wörtern wie Akzeptanz und Integration liege das Verbrechen.
Baldwin schreibt:

 

Die schreckliche Wahrheit ist, mein Junge: Du musst sie akzeptieren. Das ist mein voller Ernst. Du musst sie akzeptieren, und zwar mit Liebe. Eine andere Hoffnung gibt es nicht für diese unschuldigen Menschen. Sie sind noch immer in einer Geschichte gefangen, die sie nicht verstehen; und solange sie die nicht verstehen, können sie auch nicht davon befreit werden.
(Seite 31)

 

Doch schreibt er auch für mich? Für uns?
Ja, das tut er, auch wenn er eher über mich und uns schreibt. Er ermöglicht uns privilegierten Lesern eine Erfahrung, die weder angenehm noch tröstend ist, in der aber nichts als die Wahrheit steckt.

 

 

Nach der Flut das Feuer ist aktueller denn je, nicht nur in den USA.
Es ist ein Essay, das mich tief beeindruckt und mich dazu gebracht hat, mich selbst in die Waagschale zu werfen – sprachlich sehr eindrücklich und aufwühlend.
Darum bekommt es auch eine klare Leseempfehlung von mir!

 

 

♥ Vielen Dank an den dtv Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor
James Baldwin (1924-1987), in New York geboren, war und ist vieles: ein verehrter, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und eine Ikone der Gleichberechtigung aller Menschen, ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Herkunftsmilieus. Er war der erste schwarze Künstler auf einem Cover des ›Time Magazine‹. Baldwin starb 1987 in Südfrankreich.

Quelle: dtv Verlag

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