Rezension Christelle Dabos – Die Spiegelreisende: Im Sturm des Echos

Rezension Christelle Dabos – Die Spiegelreisende: Im Sturm des Echos

Autor: Christelle Dabos
Titel: Die Spiegelreisende: Im Sturm des Echos
Herausgeber: Suhrkamp / Insel Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 22. Juni 2020
Buchlänge: 613 Seiten
Titel der Originalausgabe: La Passe-miroir
ISBN: 978-3-458-17858-3
Preis: HC 18,00€ / eBook 15,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Risse überziehen die Welt der Archen. Einer jagt den nächsten, die Abgründe werden immer größer. Babel, Pol, Anima – keine der Archen bleibt verschont. Die Bewohner müssen ungläubig mitansehen, wie ihre Welt nach und nach auseinanderbricht. Um die unaufhaltsame Zerstörung der Archen zu stoppen, muss so schnell wie möglich der Schuldige gefunden werden. Muss »der Andere« gefunden werden. Aber wie? Wo doch niemand auch nur weiß, wie er aussieht?

Ophelia und Thorn sind so vereint wie nie. Zusammen begeben sie sich auf unbekannte Wege, wo sie die Echos der Vergangenheit und der Gegenwart zum Schlüssel all der Rätsel führen werden. Das ungeheuerliche Finale der Saga der Spiegelreisenden.

Quelle: Suhrkamp / Insel Verlag 

 

 

 

Ein wenig Wehmütig war ich ja schon, als ich die ersten Seiten von Die Spiegelreisende: Im Sturm des Echos gelesen hatte – denn wie ihr vielleicht wisst, endet hiermit auch die Tetralogie von Christelle Dabos. Über ein Jahr liegt nun hinter mir, in dem ich mit den Charakteren gelitten, gekämpft und geliebt habe und selbst wenn diese Zeitspanne jetzt nicht wirklich nach einer Ewigkeit klingt, kommt es mir doch so vor, als kenne ich diese Welt schon viel länger.
Ähnlich wie bei Harry Potter fühlt sich diese Reihe einfach wie nach Hause kommen an und so ist es auch kein Wunder, dass mich bereits nach einer Woche das Heimweh plagt, weil es nun unwiederbringlich vorbei ist. Doch wie schon bei Harry, habe ich zum Glück jederzeit die Möglichkeit zu den Polen zurückzukehren und das werde ich mir definitiv im nächsten Jahr nicht nehmen lassen.

Während die Welt der 21 Archen von immer mehr Rissen bedroht wird und sogar ganze Teile von ihnen im Nichts verschwinden, versuchen Ophelia und Thorn noch immer herauszubekommen, wer hinter Gott und dem Anderen steckt – und vor allem suchen sie nach der Lösung, wie sie ihnen das Handwerk legen können.
Doch je näher sie dieser Wahrheit kommen, desto mehr Gegner stellen sich ihnen dabei in den Weg. Verbündete erwecken plötzlich Misstrauen und die Gefühlswelt der beiden scheint komplett aus den Fugen zu geraten. Eins steht fest: Das Ende ist nah, nur wird es auch ein Happy End geben?

 

Du erwähntest mein Bestreben, euch zu befreien, dich und die Welt. Ich strebe nach gar nichts. Ich brauche, dass du mich brauchst, so einfach ist das. Und mir ist vollkommen klar, dass ich in diesem Interessenkonflikt dazu verdammt bin, der Verlierer zu sein.
(Seite 437)

 

Drei prall gefüllte Bände lang hat Christelle Dabos bei mir nun schon unzählige Fragen aufgeworfen und mit jedem Teil dieser Reihe wurden es gefühlt mehr. Nicht nur, dass diese Bücher unglaublich komplex sind, sie bieten auch eine Menge Gefühlschaos und Hoffnung. Hoffnung, dass alles gut wird. Dass jeder Charakter sein bestmögliches Ende bekommt – vor allem aber Ophelia und Thron. Ich glaube, ich spreche für viele, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ein gemeinsames Haus, in dem der Kamin brennt und während das Kopfkino langsam die finalen Töne abspielt, alles mit einem Kuss der beiden endet, während sie sich die ewige Liebe schwören.
Aber ob wir das auch bekommen, steht leider, ohne spoilern zu wollen, für jeden selbst ersichtlich auf den letzten Seiten.

Nun aber weg von Ende, weg von der traurigen Tatsache, dass das wohl meine letzte Rezension über die Spiegelreisende sein wird, denn es gab schließlich noch so viel mehr zu erleben!
Auch in Band 4 bilden die einzigartigen und facettenreichen Charaktere natürlich wieder das Herzstück der Geschichte und ihre Entwicklung konnte mich sogar das ein oder andere Mal überraschen. Zwar kamen dabei manch altbekannte und intensiv geliebte Figuren wie Berenilde, Roseline, Archibald oder Reineke ziemlich kurz, gaben dafür aber anderen Schlüsselfiguren die Möglichkeit sich zu entfalten.
Das Setting sowie die Ideenvielfalt sucht auch hier wieder seinesgleichen. Wenn ich mir vorstelle, dass diese Story von einem einzigen Kopf erdacht wurde, muss ich einfach meinen imaginären Hut ziehen und mich ehrfürchtig verneigen.
Egal wie wild die Fahrt auch war, Christelle Dabos hat nie den Faden verloren, den sie um die Pole spann und auch wenn ich persönlich ziemlich oft dem Wahnsinn nahe war, hat sie mich wieder sanft auf den Boden zurückgeholt und Erklärungen dafür geliefert, warum das Runde manchmal eben doch ins Eckige passt.
Allen voran Ophelia, die sich mittlerweile zu so etwas wie meiner Galionsfigur der weiblichen Protagonisten entwickelt hat, ist nun zu einer mutigen und durchsetzungsstarken jungen Frau geworden, von der sich so manche Autoren eine Scheibe abschneiden können (gerne aber auch zwei). Sie hat gelernt für sich und ihre Liebsten zu kämpfen, Gefühle, die so oft belächelt wurden, zuzulassen und für das einzutreten, was wichtig ist. Ich vermisse sie schon jetzt.

Doch auch wenn ich es nicht will, habe ich einen kleinen Kritikpunkt, der mich bis heute nicht wirklich mit der Geschichte abschließen lässt, und zwar das Ende. Keine Angst, ich werde nicht ins Detail gehen, was mich daran so verzweifeln lässt, aber viele, die bereits wissen, wie es ausgeht, werden verstehen was ich meine, wenn ich die Frage nach einem Epilog stelle – denn dieser hätte mir vielleicht die Chance gegeben, mich wirklich zu verabschieden.

Und jetzt stehen die Zeichen auf Abschied und ich muss mich dafür entschuldigen, dass ich nicht die richtigen Worte finden kann, die meine Liebe zu dieser Reihe ausdrücken. Es geht nicht, denn sie sind noch nicht erfunden. Aber jeder, der anspruchsvolle Fantasy liebt und Wert auf Charaktere legt, sollte diese Bücher lesen. Vielleicht findet ihr ja dann die Worte, die mir fehlen.

 

 

 

Eine ewig magische Geschichte mit einzigartigen und außergewöhnlichen Protagonisten in einer atemberaubenden Welt. Für mich ist diese Tetralogie schon jetzt ein Klassiker!

 

 

♥ Vielen Dank an den Suhrkamp/ Insel Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Christelle Dabos wurde 1980 an der Côte d’azur geboren. Nach ihrem Studium zog sie nach Belgien und arbeitete als Bibliothekarin. als sie 2007 an Krebs erkrankte, begann sie zu schreiben. zunächst veröff entlichte sie auszüge aus Die Spiegelreisende im Internet. Nachdem sie den Jugendbuchwettbewerb von Gallimard Jeunesse gewann, wurde der erste Band der Serie, Die Verlobten des Winters, publiziert und entwickelte sich rasch zu einem Bestseller. Die ersten drei Bände sind auch in Deutschland Bestseller geworden.
Quelle: Suhrkamp / Insel Verlag

 

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