Rezension Lesley Kara – Das Gerücht

Rezension Lesley Kara – Das Gerücht

Autor: Lesley Kara
Titel: Das Gerücht
Herausgeber: dtv Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 21. Februar 2020
Buchlänge: 400 Seiten
Titel der Originalausgabe: The Rumour
ISBN: 978-3-423-26242-2
Preis: Broschiert 15,90€ / eBook 12,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Joanna zieht mit ihrem Sohn Alfie von London in eine Kleinstadt am Meer. Zunächst ist es die pure Idylle – dann hört sie, dass die Kindermörderin Sally McGowan, die als Zehnjährige einen Spielkameraden umbrachte, unter anderem Namen in der Stadt leben soll. Vor Jahrzehnten machte der Fall Schlagzeilen, inzwischen ist Sally längst aus dem Gefängnis entlassen worden. Unbedacht erzählt Joanna anderen Müttern von dem Gerücht und ihrem Verdacht, wer die Mörderin von damals sein könnte. Sie ahnt nicht, was für eine verheerende Spirale von Ereignissen sie damit in Gang setzt. Und wie sehr sie selbst in diese Geschichte verstrickt ist.

Quelle: dtv Verlag

 

 

 

Gerüchte – ich denke jeder kennt sie, jeder hat schon einmal eins gehört und vielleicht sogar auch selbst schon das ein oder andere weitergetragen.
Doch was, wenn sich diese klitzekleinen Worte plötzlich verselbstständigen und sich überall verbreiten? Was, wenn aus einer unvorsichtigen Bemerkung plötzlich die Wahrheit gemacht wird? Kann man so etwas dann noch kontrollieren, zurücknehmen oder gar aus der Welt schaffen?
Ich bin irgendwo einmal über einen Artikel gestolpert der besagt, dass ein Mensch ca. drei Mal ein Gerücht hören muss, bis er es für die Wahrheit hält und muss ganz ehrlich gestehen, dass es mir selbst oft so geht, dass ich Dingen rein von Hörensagen glauben schenke, wenn mir oft genug davon erzählt wird. Da kann man sich schon mal Gedanken darüber machen, ob man selbst viel zu naiv ist und zu wenig recherchiert, oder ob das einfach damit zusammenhängt, dass man vielleicht noch nie negative Erfahrungen mit Gerüchten gemacht hat.
Wie dem auch sei, Lesley Kara hat vor kurzem ihren Debütroman Das Gerücht veröffentlicht und aus sicherer Quelle kann ich euch vorab schon mal so viel verraten: Lest ihn – es lohnt sich!

Um näher bei ihrer Mutter zu sein und ihrem Sohn Alfie eine unbeschwerte und behütete Kindheit zu ermöglichen, zieht Joanna von London nach Flinstead, einer Kleinstadt am Meer. Doch die Idylle bekommt Risse, als Joanna das Gerücht hört, dass die berüchtigte Kindermörderin Sally McGowan ebenfalls in dieser Küstenstadt lebt– natürlich unter einer neuen Identität, die ihr das Zeugenschutzprogramm zugeteilt hat. Denn Zeitungen zufolge soll Sally im Alter von zehn Jahren einen Spielkameraden getötet haben, dafür eingesperrt und psychologisch betreut worden sein, nun aber resozialisiert in “Freiheit“ leben.
Unbedacht erzählt Joanna dieses Gerücht weiter und löst damit eine Kette an Ereignissen aus, die auch ihre eigene Familie in höchste Gefahr bringt.

In unserer Stadt lebt eine Mörderin.
Dieser Satz sticht sofort hervor, wenn man auf die Rückseite des Debütromans Das Gerücht von Lesley Kara blickt und damit scheint von vorne herein klar zu sein: Wenn so eine Behauptung erst einmal die Runde macht, ist es vorbei mit jeglicher Kleinstadtidylle. Selbst ich würde einen andern Blick auf Personen werfen, die mir schon immer irgendwie suspekt waren und Dinge in Verhaltensmuster hineininterpretieren, die mir vorher vielleicht gar nicht aufgefallen sind.
Und mit dieser höchst interessanten Ausgangslage starten wir als Leser also als stumme Beobachter in diesen Roman und ich war von Beginn davon begeistert.
Das Konzept ist zwar einfach, aber doch raffiniert, viele Bausteine genau dort, wo sie hingehören und die Protagonisten herrlich erfrischend und unterhaltend. Sie lassen sich nicht in genretypische Pappförmchen pressen, sondern glänzen durch ihren Background, der natürlichen und glaubwürdigen Art und vor allem durch ihr nachvollziehbares Handeln.
Auch der rote Faden, in diesem Fall das Gerücht, zieht sich perfekt durch die Seiten. Die Autorin stellt sehr glaubhaft dar, wie solch eine Entwicklung sein kann und spielt dabei sowohl mit den Ängsten ihrer Charaktere, als auch mit denen der Leser. Durch die Erzählform bekommt das Buch sogar noch etwas mehr Tiefe, als es ohnehin schon hat, denn die gewählte Ich-Perspektive führt dazu, dass man sich noch besser in Joanna hineinversetzten kann und spürt ihre Panik beinahe am eigenen Leib. Das hat zur Folge, dass man auch als Leser verzweifelt versucht hinter die Identität von Sally McGowan zu kommen um die Bedrohung endlich verstummen zu lassen, zeitgleich denkt man sich aber auch: Ist das hier wirklich alles echt, oder spielt die Psyche Joanna einfach gerade nur fiese Streiche?

Das Buch ist eigentlich relativ ruhig, reißt einen aber dennoch mit. Es begeistert eher durch die unterschwellige Bedrohung und die stetig steigende Spannung, als durch actiongeladene Kampfszenen – und so hätte es meiner Meinung nach auch bleiben dürfen.
Jedoch überschlagen sich am Ende die Ereignisse, als es zur Identitätsfrage von Sally kommt und das ist auch mein einziger Kritikpunkt. Mir war genau das nämlich zu viel, denn die letzten Seiten und die letzten paar Worte hätten mir vollkommen ausgereicht. Trotzdem schmälert das meine Punktevergabe nicht – bestens unterhalten wurde ich allemal!

 

 

 

Pageturner, Spannungsroman, grandioses Debüt, Monatshighlight, Leseempfehlung.
All das und noch so viel mehr, beschreibt das Erstlingswerk von Lesley Kara wohl ziemlich treffend.
Über die Macht der Worte, mit all den Konsequenzen – darum geht es in Das Gerücht und ich kann euch diese, in Taschenbuchformat erhältlichen, nur ans Herz legen.

 

 

♥ Vielen Dank an den dtv Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Lesley Kara hat als Krankenschwester und Sekretärin gearbeitet, Englisch studiert, eine Zusatzausbildung zur Lehrerin gemacht und als Dozentin und Managerin im Bereich Further Education gearbeitet. Sie lebt in einer englischen Kleinstadt an der Küste von Essex.

Quelle: dtv Verlag

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