Rezension Angie Kim – Miracle Creek

Rezension Angie Kim – Miracle Creek

Autor: Angie Kim
Titel: Miracle Creek
Herausgeber: Hanser Literaturverlage
Datum der Erstveröffentlichung: 09. März 2020
Buchlänge: 512 Seiten
Titel der Originalausgabe:  Miracle Creek
ISBN: 978-3446266308
Preis: HC 22,00€ / eBook 16,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

In der Kleinstadt Miracle Creek in Virginia geht ein Sauerstofftank in Flammen auf. Zwei Menschen sterben – Kitt, die eine Familie mit fünf Kindern zurücklässt, und Henry, ein achtjähriger Junge. Im Prozess wegen Brandstiftung und Mord sitzt Henrys Mutter Elizabeth auf der Anklagebank. Und die Beweise sind erdrückend. Hat sie ihren eigenen Sohn ermordet? Während ihre Freunde, Verwandten und Bekannten gegen sie aussagen, wird klar: In Miracle Creek hat jeder etwas zu verbergen.

Quelle: Hanser Verlag

 

 

Habt ihr es auch schon mal erlebt, dass eine Kleinigkeit, ein unbedarftes Handeln eurerseits, Wellen geschlagen hat, mit denen ihr gar nicht gerechnet habt? Schnell will man es rückgängig machen, aber dieser klitzekleine Funke hat bereits eine Kettenreaktion in Gang gebracht, die sich unmöglich stoppen lässt und dann… ja dann lügt man vielleicht, weil es die einzige Möglichkeit scheint, die Wogen zu glätten. Aber Lügen können oft mit einem Streichholz verglichen werden, denn ein kleines Reiben über die Zündfläche kann es bereits in Flammen setzen und diese gehen über auf alles Brennbare in seiner Nähe – weiten sich aus, obwohl der Ursprung nur eine winzige Aktion war.
Und ein Streichholz ist es auch, was im Roman Miracle Creek eine Katastrophe auslöst.

Die amerikanische Kleinstadt Miracle Creek ist eigentlich ein sprichwörtlich gewöhnliches Durchschnittskaff, in dem nicht wirklich etwas passiert – bis plötzlich alles anders ist und das Gericht über einen Fall entscheiden muss, dessen Ausgang zu Beginn eindeutiger nicht sein kann.
Elizabeth Ward wird angeklagt bei einer Hyperbaren Oxygenierung, also einer Sauerstoffbehandlung erkrankter Personen bei Überdruck in einer abgeschlossenen Kammer, Feuer gelegt zu haben, um ihren autistischen Sohn loszuwerden. Dabei kam jedoch eine weitere Person ums Leben, die sich während des Feuers ebenfalls in der Kammer befand. Schon lange trug sie den Gedanken die Therapie abzubrechen und auch des Öfteren zweifelte sie an ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter. Für die Öffentlichkeit steht fest: Elizabeth ist schuldig, doch sagt das auch die Beweislage?

Definitiv nein, denn das mit der Wahrheit ist eine komplizierte Sache und auch in ihrem Roman Miracle Creek zeigt uns Angie Kim, dass längst nicht alles so ist, wie es scheint.
Bereits der Prolog, in dem wir hautnah an der Katastrophe teilhaben dürfen, lässt darauf schließen, dass die Autorin hier eine Geschichte geschrieben hat, die unter die Haut geht und auch der Hauptteil, bei der wir vorranging der Gerichtsverhandlung folgen, ist an spannender Spurensuche kaum zu überbieten.

 

Als Zeuge aufzutreten, war wie Theater spielen. Auf einer Bühne stehen, sämtliche Blicke auf sich gerichtet, und versuchen, sich an den Text zu erinnern, den jemand anders verfasst hatte.
(Seite 231)

 

Von Beginn an sitzt Elizabeth auf der Anklagebank, die sich mit ihrer Rolle als Schuldige scheinbar längst abgefunden hat. Staatsanwälte, Geschworene, Richter und die Verteidigung sind bereit, ihr Urteil über sie zu fällen, sogar eine Hinrichtung steht im Raum.
Doch dann findet Elizabeths Anwältin Ungereimtheiten und gibt damit den Anstoß, der die verschiedenen Lagen der Lügen Stück für Stück abträgt, wobei immer mehr Zeugen und ehemalige Patienten von Pak und seiner Familie in den Zeugenstand gerufen werden.
Wie in einer Rückwärts-Kamerafahrt gelangen wir langsam vom Brand zum Streichholz, und was sich hierbei auftut, habe ich, gerade zu Beginn, überhaupt nicht kommen sehen.
Jede Figur hat ihre Geheimnisse und Vorurteile. Jeder trägt ein Stück Untreue und Missgunst in sich und jeder wirkt plötzlich verdächtig.
In den vier Gerichtstagen treffen wir auf Widersprüche, die aus der Sicht verschiedener Charaktere wiedergegeben werden und alle behandeln sie ein wichtiges Thema wie der Suche nach sich selbst, Integration in ein fremdes Land oder der Rolle als Mutter eines behinderten Kindes.

 

Es war so einfach gewesen, nichts zu tun und nichts zu sagen. Und als der Augenblick verstrichen war, war es zu spät gewesen. Das war das Problem mit Lügen: Man liefert sich ihnen komplett aus.
(Seite 326)

 

Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen! Von den glaubhaften und meisterhaft gut gezeichneten Protagonisten, bis hin zum Spinnennetz der Lügen. Alles hat sich perfekt ergänzt, gesteigert und auch aufgelöst und meiner Meinung nach kann man ein Buch mit solch einem Inhalt, nicht besser schreiben. Es ist eine Mischung aus Familiendrama und Gerichtsthriller, das eindringlich die möglichen Konsequenzen von fehlender Kommunikation beleuchtet und es ist ein Jahreshighlight, das ich definitiv so schnell nicht mehr vergessen werde.

 

 

Miracle Creek gewährt seinen Lesern einen tiefen Blick in einen Strudel aus Unwahrheiten und Lügen, der sich spannend und psychologisch liest.
Für mich einzigartig in der Thematik und ein Roman, der lange in Erinnerung bleibt.

 

 

♥ Vielen Dank an den Hanser Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Angie Kim wurde in Südkorea geboren und kam als Teenager nach Baltimore. Sie studierte Jura in Stanford und Harvard und arbeitete als Anwältin. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Virginia. Einer ihrer Söhne war jahrelang in Sauerstofftherapie. Miracle Creek ist ihr erster Roman.

Quelle: Hanser Literaturverlage  https://www.hanser-literaturverlage.de/autor/angie-kim/

 

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