Rezension Shivaun Plozza – Mein geliehenes Herz

Rezension Shivaun Plozza – Mein geliehenes Herz

Autor: Shivaun Plozza
Titel: Mein geliehenes Herz
Herausgeber: Carlsen Verlag 
Datum der Erstveröffentlichung: 05. März 2020
Buchlänge: 368 Seiten
Titel der Originalausgabe: Tin Heart
ISBN: 978-3551584120
Preis: HC 18,00€ / eBook 9,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt ♥

 

 

Marlowe hat ein neues Herz bekommen und eigentlich sollte jetzt alles gut sein. Doch die Frage, wem sie das zu verdanken hat, lässt sie nicht los. Und so macht Marlowe sich auf die Suche nach der Familie ihres Spenders und findet schließlich seine Schwester. Die beiden freunden sich an, doch Marlowe verschweigt, wer sie wirklich ist. Je länger sie schweigt, desto schwieriger wird es, die Wahrheit zu sagen. Und dann ist da noch Leo von nebenan, der ihr Herz aus einem ganz anderen Grund zum Stolpern bringt.

Eine gelungene Organtransplantation nach einer schweren Krankheit heißt noch lange nicht, dass danach alles gut ist. Wer bin ich jetzt? Was will ich vom Leben, wenn ich endlich wieder normal leben kann? Wie gehe ich mit Eltern, Geschwistern und Freunden um und wie mit dem Wissen bzw. dem Nichtwissen, wer mein Spender ist oder war?
Lauter Fragen, die den Blick auf das Leben verändern und denen in diesem ebenso berührenden wie witzigen Roman für Jugendliche ausreichend Raum gegeben wird. Und eine Liebesgeschichte zum Dahinschmelzen fehlt auch nicht.

Quelle: Carlsen Verlag   

 

 

Herzensangelegenheit, Herzensmensch, Herzrasen, Herzblatt, Herzklopfen.
Das Wort Herz steht oft im Zusammenhang mit ganz besonderen Dingen. Schönen Dingen, die dich strahlen lassen und glücklich machen, aber leider kann dieses Wort durchaus auch negativ behaftet sein, wenn es beispielsweise mit Herzschmerz, Herzlos oder Herzfehler in Verbindungen gebracht wird.
So oft verwende ich diese Worte ohne groß darüber nachzudenken, doch wenn ich euch sage, dass diese Geschichte hier wirklich ein Herzensbuch ist, dann weil genau das Wort hier eine ganz besondere Bedeutung. 

Nach einer erfolgreichen Herztransplantation beginnt für die 18-jährige Marlowe ein neuer Lebensabschnitt. Endlich darf ihren einen ganz durchschnittlichen Alltag genießen, ihren Schulabschluss nachholen, Hobbies haben und sich über Hausaufgaben aufregen, denn noch vor ein paar Monaten war das undenkbar für sie und ihre Familie – aber manchmal der Schritt in die Normalität schwieriger als gedacht. Und was ist überhaupt normal? Marlowes kleiner Bruder, der täglich mit den ausgefallensten Kostümen zur Schule geht? Ihre Mutter, die direkt neben einer Metzgerei einen veganen Bioladen eröffnet und regelmäßig nebenan zu Protesten aufruft? Der Sohn des Metzgers, der sich daraufhin mit Schweinefäkalien revanchiert?
Letztendlich kann sich Marlowe mit fast allem abfinden, nur nicht damit, dass die Spenderfamilie, denen sie ihr neues Herz zu verdanken hat, keinen Kontakt zu ihr möchte. Und so stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen an um endlich eine Antwort auf ihre Frage zu erhalten: Wem habe ich mein Leben zu verdanken – denn sie hat das Gefühl, sich erst dann wieder richtig zu kennen, wenn sie mehr über das Herz von Luis, ihrem Spender, weiß. 

Wie würde ich reagieren? Wäre ich einfach nur unendlich dankbar für meine neue Chance, mein Leben zu leben, auch wenn das bedeutet, nie zu erfahren, wem ich das alles zu verdanken habe, oder wäre ich wie Marlowe? Neugierig und nicht aufzuhalten, ja fast ein bisschen Rücksichtslos, nur um endlich Gewissheit zu haben, selbst wenn ich damit gegen alle Regeln verstoße?
Diese Frage hat mich persönlich am meisten beschäftigt, während ich Mein geliehenes Herz gelesen habe und ganz ehrlich? Selbst am Ende war ich noch immer zwiegespalten.
Aber wie auch immer deine Entscheidung hier lauten würde, Marlowe hat ihre längst getroffen und durch Shivaun Plozza wird das Thema Organspende wirklich eindrücklich und feinfühlig aufgegriffen, auch wenn manche Verhaltensweisen der Protagonistin zwischendurch nicht ganz nachvollziehen konnte.
Sicherlich verstehe ich Marlows Verlangen, mehr über Luis und seine Hintergründe zu erfahren, aber ich respektiere auch den Wunsch seiner Familie, die eben keinen Kontakt möchte. Ihr Verlust war schmerzlich genug, aber Marlows Schmerz sitzt ebenfalls sehr tief. Diese innere Zerrissenheit war es auch, die das Buch so authentisch gemacht hat. Es gibt hier kein richtig und kein falsch, nur eine Herzensangelegenheit. Ein Herz, das einfach nur Gewissheit will.
Und wo wir gerade bei Herzen sind, darf natürlich auch eine zarte Liebesgeschichte in einem Jugendbuch nicht fehlen. Die fällt allerdings ziemlich gering aus, was jedoch für mich sehr angemessen war. Selbstverständlich gerät man hierbei auch mal ins Schwärmen, ohne jedoch den Fokus auf die Ernsthaftigkeit zu verlieren.  

 

 

Ein sehr gelungenes und berührendes Jugendbuch über den Verlust und dem Weiterleben danach. 
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

 

 

♥ Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin 
Shivaun Plozza schreibt Jugendbücher, Kurzgeschichten und Essays. Schon ihr erstes Buch wurde für den Australian Children’s Book Award nominiert. Mein geliehenes Herz ist ihr erstes Buch auf Deutsch. Shivaun Plozza lebt und arbeitet in Melbourne, Australien.

Quelle: Carlsen Verlag 

 

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