Rezension Matthias Politycki – Das kann uns keiner nehmen

Rezension Matthias Politycki – Das kann uns keiner nehmen

Autor: Matthias Politycki
Titel: Das kann uns keiner nehmen
Herausgeber: Hoffmann und Campe  http://www.hoffmann-und-campe.de/
Datum der Erstveröffentlichung: 04. März 2020
Buchlänge: 304 Seiten
ISBN: 978-3-455-00924-8
Preis: HC 22,00€ / eBook 16,99€
Erwerben http://www.hoffmann-und-campe.de/buch-info/das-kann-uns-keiner-nehmen-ebook-12147/#Buch

 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Am Gipfel des Kilimandscharo: Hans, ein so zurückhaltender wie weltoffener Hamburger, ist endlich da, wo er schon ein halbes Leben lang hinwollte. Hier, auf dem Dach von Afrika, will er endlich mit seiner Vergangenheit ins Reine kommen. Doch am Grunde des Kraters steht bereits ein Zelt, und in diesem Zelt hockt der Tscharli, ein Ur-Bayer – respektlos, ohne Benimm und mit unerträglichen Ansichten. In der Nacht bricht ein Schneesturm herein und schweißt die beiden wider Willen zusammen. Es beginnt eine gemeinsame Reise, unglaublich rasant und authentisch erzählt, wie das nur Politycki kann, gespickt mit absurden und aberwitzigen Abenteuern. Als sich die beiden schließlich die Geschichte ihrer großen Liebe anvertrauen, erkennen sie, dass sie mit dem Leben noch eine Rechnung offen haben. Doch der Tod fährt in Afrika immer mit, und nur einer der beiden wird die Heimreise antreten.

Quelle: Hoffmann und Campe  

 

 

Wer von euch für die nächsten Wochen eine Reise geplant hat, dem wurde wohl aufgrund der aktuellen Corona-Situation ein Strich durch die Rechnung gemacht, denn unser Urlaub wird sich für eine noch unbekannte Zeitspanne auf Balkonien reduzieren müssen. Wer dort sowieso lieber seine freien Tage verbringt, für den dürfte das kaum eine Einschränkung sein, aber für eine Person wie mich, die ständig Hummeln im Hinter hat und es liebt, fremde Orte zu erkunden, ist es eine kleine Katastrophe, zumal mein Fernweh dadurch noch heftiger wird. Was mir jetzt bleibt sind Reiseberichte aus zweiter Hand durch TV und Bücher und Das kann uns keiner nehmen von Matthias Politycki ist ein Beispiel dafür, dass genau das auch erst einmal genügen kann. 

Hans hat sich vorgenommen mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen und seine damalige, abgebrochene Tour zu Ende zu bringen. Und jetzt steht er hier, in Afrika, am Gipfel des Kilimandscharo und hat es fast geschafft. Sein Vorhaben scheint in greifbarer Nähe, als sich ihm ein Hindernis in Form des Ur-Bayer Tscharli in den Weg stellt oder vielmehr quasselt. Und als ob dieser nervtötende Typ nicht schon reichen würde, zieht auch noch ein Schneesturm auf. Doch diese Nacht verändert alles, schweißt die beiden wider Willen zusammen und bildet erst den Anfang einer gemeinsamen Reise durch Teile Afrikas, bei der sowohl Hans, als auch Tscharli endlich die Chance erhalten, ihre offenen Rechnungen mit der Vergangenheit zu begleichen.
Zaghaft enthüllt zuerst Tscharli dem Hansi nach und nach die Liebes- und Sterbegeschichte seiner großen Liebe Kiki, während Hansi ihm im Gegenzug von Mara, seiner einstigen großen Liebe und Begleiterin auf seiner ersten Kilimandscharo-Reise erzählt, die ihn rettete – und anschließend verließ. Beide haben Verluste zu beklagen und jeder geht anders damit um, doch am Ende hoffen sie gemeinsam auf eines: Glücklich zu sein. 

Matthias Polityckis neuer Roman ist zunächst einmal ein ungemein persönliches Buch, da er darin Erlebnisse seiner ersten Afrika-Reise von 1993 verarbeitet, bei der er um ein Haar umgekommen wäre. Aber nicht nur das macht diese Geschichte für mich greifbar und unglaublich real, sondern auch die Tatsache, dass der Autor für die gewaltige Vielfalt an Themen, Eindrücken und Landschaftsbeschreibungen keine 300 Seiten benötigt um das Buch vollkommen zu machen.
Er schreibt in einem fließenden, klaren und hervorragend lesbaren Stil, der einen von Beginn an packt und nicht mehr loslässt, bis man weiß, was hinter dem oft ungehobelten und naja teilweise peinlichen Verhalten von Tscharli wirklich steckt. Es macht Spaß die beiden näher kennenzulernen und auch wenn es kein Buch über eine typische Männerfreundschaft ist, wie ich anfangs angenommen habe, war es genau das, was mich so unglaublich an die Seiten gefesselt hat. 

Außerdem bietet Das kann uns keiner nehmen eine großartige Gelegenheit, trotz verordnetem Hausarrest, eine Reise ins ferne Tansania zu lesen und doch mit beiden Beinen im Hier und Jetzt verwurzelt zu bleiben. Am Ende dieser Reise ist man als Leser nicht nur um ein Abenteuer reicher, sondern hat den Tscharli fest ins Herz geschlossen. Lecko mio!, würde dieser wohl dazu sagen. 

 

 

Das kann uns keiner nehmen bietet eine intensive Story, die, je länger man dabei bleibt, immer mehr fesselt. Über allem liegt eine Tragikomik, die ich sehr genossen habe und deshalb kann ich das Buch auch definitiv weiterempfehlen!

 

 

♥ Vielen Dank an den Hoffmann und Campe Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor
Matthias Politycki schreibt, seitdem er 16 ist und wurde schon mit seinem opulenten Romandebüt als “Formfex im Sprachfels” (Die Welt) gefeiert. Sein Werk besteht heute aus über 30 Büchern, darunter mehrere Romane, Erzähl- und Gedichtbände sowie vielbeachtete Sachbücher und Reisereportagen. Er gilt als großer Stilist und ist einer der vielseitigsten Schriftsteller der deutschen Gegenwartsliteratur. Sein Weiberroman, eine Hommage an die siebziger und achtziger Jahre, ist eines der zentralen Werke der literarischen Postmoderne; als “einer der schönsten Schelmenromane unserer Zeit” (Radio Bremen) wurde seine Kreuzfahrtsatire In 180 Tagen um die Welt zum Bestseller. Sieben Jahre nach seinem als “wahrer Monolith” (Stern) gerühmten Roman Samarkand Samarkand erscheint 2020 ein neuer großer Roman, für den er um ein Haar in Afrika gestorben wäre. Gerettet hat ihn die Liebe einer Frau.

Quelle: Hoffmann und Campe 

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