Rezension Madeline Miller – Das Lied des Achill

Rezension Madeline Miller – Das Lied des Achill

Autor: Madeline Miller
Titel: Das Lied des Achill
Herausgeber: Eisele Verlag 
Datum der Erstveröffentlichung: 28. Februar 2020
Buchlänge: 416 Seiten
Titel der Originalausgabe: The Song of Achilles
ISBN: 9783961610822
Preis: Broschiert 16,99€ / eBook 14,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Achill, Sohn der Meeresgöttin Thetis und des König Peleus, ist stark, anmutig und schön — niemand, dem er begegnet, kann seinem Zauber widerstehen. Patroklos ist ein unbeholfener junger Prinz, der nach einem schockierenden Akt der Gewalt aus seinem Heimatland verbannt wurde. Ein Zufall führt die beiden schon als Kinder zusammen, und je mehr Zeit sie gemeinsam verbringen, desto enger wird das Band zwischen ihnen. Nach ihrer Ausbildung in der Kriegs- und Heilkunst durch den Zentauren Chiron erfahren sie vom Raub der Helena. Alle Helden Griechenlands sind aufgerufen, gegen die Spartaner in den Kampf zu ziehen, um die griechische Königin zurückzuerobern. Mit dem einzigen Ziel, ein ruhmreicher Krieger zu werden, zieht Achill in den Kampf um Troja. Getrieben aus Sorge um seinen Freund, weicht Patroklos ihm nicht von der Seite. Noch ahnen beide nicht, dass das Schicksal ihre Liebe herausfordern und ihnen ein schreckliches Opfer abverlangen wird.

Quelle: Eisele Verlag

 

 

Nachdem im vergangenen Jahr das Buch Ich bin Circe von Madeline Miller zum Überraschungserfolg wurde, hat sich der Eisele Verlag zum Glück dazu entschlossen, auch den Vorgänger nachzureichen, welcher das 2011 erschienene Debüt der Autorin darstellt. Und durch die vielen positiven Meinungen zu Das Lied des Achill musste ich diesen Roman natürlich haben, zumal ich mich die griechische Mythologie eh schon seit Jahren fasziniert. 

Patroklos ist ein junger, schüchterner Prinz, der, eh schon als Außenseiter abgestempelt, an seinem eigenen Hof in Ungnade gefallen ist. Von seinem Vater nach Phthia verbannt, wird er in die Obhut von König Peleus und dessen Sohn Achill gegeben.
Achill ist bereits eine lebende Legende, ein wunderschöner Halbgott, dessen Mutter die Seegöttin Thetis ist und laut Ihrer Weissagung nach einmal der größte Krieger aller Zeiten wird – und ausgerechnet er freundet sich mit dem stillen Patroklos an.
Zusammen wachsen sie heran, verbunden durch eine innige Liebe, auf die jedoch ein Schatten fällt, denn als die Krieger Griechenlands sich nach Troja begeben, führt auch Achills Schicksal die beiden dorthin. Der dortige Prinz Paris hat nämlich die schöne Helena entführt und nun liegt Achills Bestimmung allein in den Händen der Götter. 

 

Eine Gewissheit stieg in mir auf und setzte sich in der Brust fest. Ich werde ihn nie verlassen. So wird es bleiben, immer, so lange er es will.
(Seite 120)

 

Wer den Titel sieht, denkt zunächst bestimmt die Geschichte bereits zu kennen, denn egal ob durch den Epos der Ilias oder durch Film und Fernsehen – Achilles und Patroklos Geschichte ist den meisten ein Begriff.
Doch Madeline Miller gelingt es, die Karten neu zu mischen. Dabei bleibt sie zwar den großen Ereignissen rund um den trojanischen Krieg treu, erschafft aber dennoch eine völlig neue Ausgangssituation:
Zwei Krieger werden zu Liebenden, was gleichzeitig auch den gesamten roten Faden zu dem Roman bildet. Patroklos ist ein Verlierer, der nicht wirklich an sich selbst glaubt, bis er auf Achilles trifft, der wiederrum nicht nur ein gefeierter Wunderknabe, sondern auch ein Halbgott ist, hervorragend in jeder Disziplin und auch der Träger sehr hoher Erwartungen. Beide finden ineinander, was in ihrem Leben fehlt und ich als Leser habe genau das auch von der allerersten Seite an gefühlt und geglaubt.
Da ist Patroklos Verlangen, welches sich nach der Stärke und der Nähe von Achilles sehnt, wobei er anfangs noch versucht genau das zu unterdrücken. Aber als die beiden in einer wunderschönen Liebesnacht endlich körperlich zueinander finden, ist ihr Bund komplett und Patroklos ist klar: Uns kann nur der Tod trennen – und das ohne kitschig anzumuten. 

Der Schreibstil von Madeline Miller ist ehrlich, faszinierend und poetisch zugleich und beschreibt die Reise eines Jungen, der zu sich selbst finden muss. Eine Reise, die er nur durch die Liebe seines Lebens überhaupt antreten kann und doch muss er diese gleichzeitig mit der Welt und der Meeresgöttin Thetis teilen, die mit dieser Liaison überhaupt nicht einverstanden ist.
Hierbei ist es der Autorin gelungen, das alte Homer-Epos zu entstauben um eine wundervolle Neuinterpretation herauszubringen, die mich tief bewegt hat. 
Achilles noch Patroklos sind keine Helden, auch wenn Ersterer unter diesem Beinamen nach Troja reist. Beide sind fehlerhaft. Beide sind nicht vollkommen. Weder Patroklos Passivität noch Achilles Arroganz empfindet man normalerweise als sympathisch – aber im Zusammenspiel leuchten sie als eine Person und das heller als so manch ein Stern. 

Für mich ein absolut gelungenes Buch und ich freue mich jetzt schon auf Ich bin Circe, das ich hoffentlich sehr bald im Anschluss lesen werde.   

 

 

Das Lied des Achill ist eine fesselnde und lebendige Geschichte, in der alt bekannten Helden von blutleeren Lexikon-Gestalten der Antike zu Menschen aus Fleisch und Blut werden, die Schmerzen, Leid und Liebe durchleben.
Absolute Leseempfehlung von mir!

 

 

♥ Vielen Dank an den Eisele Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin 
Madeline Miller, 1978 in Boston geboren, wuchs in New York und Philadelphia auf, studierte Altphilologie und unterrichtete in Cambridge Latein und Griechisch. Für ihren Debütroman Das Lied des Achill wurde sie 2012 mit dem Orange Prize for Fiction ausgezeichnet; er wurde in 25 Sprachen übersetzt.  In Ich bin Circe – ihr zweiter Roman und ebenso wie Das Lied des Achill ein internationaler Bestseller – erzählt sie Circes Geschichte aus der Odyssee noch einmal neu – als die einer weiblichen Selbstermächtigung. Madeline Miller lebt in der Nähe von Philadelphia, Pennsylvania.

Quelle: Eisele Verlag 

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