Rezension Friedemann Karig – Dschungel

Rezension Friedemann Karig – Dschungel

Autor: Friedemann Karig
Titel: Dschungel
Herausgeber: Ullstein Verlag 
Datum der Erstveröffentlichung: 02. Mai 2019
Buchlänge: 384 Seiten
ISBN: 9783550200137
Preis: HC 22,00€ / eBook 18,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Er muss ihn finden. Seinen besten Freund, der schon immer auf der Jagd nach dem Extremen war – nie wird er vergessen, wie euphorisiert Felix neben ihm vor dem felsigen Abgrund stand, unter ihnen ragten die Klippen hervor wie aufgeklappte Messer. Doch selbst Felix sieht es nicht ähnlich, auf einer Reise in Asien spurlos zu verschwinden. Für den Erzähler steht fest: Nur er kann das rätselhafte Abtauchen aufklären. Dafür setzt er sogar seine große Liebe aufs Spiel. Schließlich verbindet ihn mit Felix eine besondere Freundschaft. Und ein Geheimnis, das sie ebenso eint wie trennt. Immer tiefer dringt der Erzähler auf seiner Suche in das wilde Kambodscha vor, in dieses nie genesene Land ohne Gedächtnis, immer verzweifelter durchforstet er seine Erinnerungen nach einem Hinweis, was passiert sein könnte. Bis er begreift, dass er den Freund nur retten kann, wenn er mit ihm verschwindet.

Quelle: Ullstein Verlag

 

 

Stell dir vor, dein bester Freund seit Kindertagen bricht allein auf eine Reise nach Kambodscha auf und verschwindet dabei spurlos. Anfangs haltet ihr noch Kontakt, wisst, dass er gut angekommen ist, aber schon nach wenigen Wochen meldet er sich nicht mehr.
Seine Mutter bittet euch ihn zu finden – tot oder lebendig – Hauptsache nicht mehr mit der Unwissenheit leben müssen, die sie seit seinem Verschwinden plagt.
Würdet ihr gehen, ins Ungewisse reisen, ohne vielversprechende Anhaltspunkte? Würdet ihr ihn suchen, egal was es euch abverlangt?

Meine Antwort wäre definitiv ein klares JA! Auch wenn ich nichts anders wüsste, als seinen letzten Aufenthaltsort, würde ich ohne zu zögern dort hinfliegen und ihn suchen. Denn Freundschaften, richtige, tief verwurzelte Freundschaften, zählen zu den wichtigsten Dingen in meinem Leben und genau diese möchte ich auch niemals missen. 

Felix ist verschwunden – irgendwo in Kambodscha. Obwohl sein bester Freund schon immer eine gewisse Vorliebe für impulsive Aktionen hatte, ist der Erzähler der Überzeugung, dass dieses Mal irgendetwas nicht stimmt, denn sich so lange nicht zu melden, passt nicht einmal zu Felix. Und da auch die Behörden nicht weiterhelfen können, reist unser Protagonist ihm nach, folgt seinen Spuren über Traumstrände, einsame Inseln bis in den hiesigen Dschungel. Dabei setzt er nicht nur seinen neuen Job, sondern sogar seine große Liebe aufs Spiel immer in der Gewissheit, dass nur er in finden kann. Aber diese Suche bringt nicht nur Einblicke in ihre gemeinsame Vergangenheit hervor, vielmehr lüftet sie auch tief vergrabene Geheimnisse. Warum nur hat sich Felix ins Nirgendwo geflüchtet?

 

Viel dunkler als das Loch, das jemand hinterlässt, ist das, womit wir es füllen.
(Seite 57)

 

In einzelnen Episoden durchbrechen Erinnerung die Reise des Erzählers nach Kambodscha. Mal ist er mit Felix im heimischen Supermarkt unterwegs und stielt Eistee aus dem Tetra Pack, mal steht er mit Felix auf einer Klippe am Meer, wobei dieser in bittet, ihn einfach hinunterzustoßen.
Diese Erzählweise gibt dem Roman gleich zu Beginn eine gewisse Vielschichtigkeit, denn sowohl der Erzähler, als auch Felix selbst, machen in diesen Abschnitten einige Entwicklungen durch. Gleichzeitig werden in dieser Freundschaft auch traumatische Ereignisse sichtbar, die Hinweise darauf zu geben scheinen, warum es zum Ausgangspunkt dieser Geschichte kam. Sie dienen quasi als Schlüsselszenen, die sich zwar Anfangs etwas in die Länge ziehen, mit fortschreitender Seitenzahl aber immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Friedemann Karigs Debütroman Dschungel bietet keinen durchgehenden Spannungsbogen im eigentlichen Sinne, hat mich aber durch seinen gelegentlich gestreuten Cliffhanger von Beginn an gefesselt. Auch ertappte ich mich oft dabei, wie gut ich mich in den verlassenen Freund hineinversetzten konnte. Die Sehnsucht, die er empfand, wenn er an die gemeinsame Vergangenheit zurückdenkt, bis hin zu den Selbstgesprächen, die er in seiner Verzweiflung führt, das alles kam mir unheimlich glaubwürdig und real vor. Diese beiden Personen verbindet eine Tiefe Männerfreundschaft und das wird einem als Leser über die Länge des Romans immer klarer, aber es steckt auch viel Gift in ihr, die sich gelegentlich in einer offenen Rivalität äußert. 

Zwar gibt es auch unpathetische Kritik an Tourismus, Umweltzerstörung und dem heutigen Lebensstil mancher Menschen, jedoch will Dschungel in erster Line eins: unterhalten.
Ich selbst habe den Roman schnell gelesen, binnen zwei Tagen war ich durch, und auch wenn das Ende etwas zu aufgesetzt wirkte, empfand ich die Geschichte als stimmig und rund.
Ich bin jetzt schon gespannt,  was wohl noch so von diesem Autor erscheinen wird.

 

 

Dschungel von Friedemann Karig ist eine Abenteuergeschichte, die sich auch kritisch mit dem Tourismus unserer heutigen Zeit auseinandersetzt. Das Setting, ein tief verletztes Land, das seine Geschichte bis heute nicht richtig aufgearbeitet hat, könnte nicht passender gewählt sein, zumal auch die Protagonisten mit ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen haben.
Dafür gibt es eine verdiente und klare Leseempfehlung von mir!

 

 

♥ Vielen Dank an den Ullstein Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

Über den Autor
Friedemann Karig, geboren 1982, studierte Medienwissenschaften, Politik, Soziologie und VWL und schreibt unter anderem für Süddeutsche Zeitung, SZ-Magazin, Die Zeit und jetzt. Er  moderierte das für den Grimme-Preis nominierte Format „Jäger&Sammler“ von „funk“, dem jungen Online-Angebot von ARD&ZDF. „Dschungel“ ist sein literarisches Debüt, zuvor erschien 2017 sein Buch „Wie wir lieben. Vom Ende der Monogamie“. Karig lebt in Berlin und München.

Quelle: Ullstein Verlag  

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