Rezension Margaret Atwood – Katzenauge

Rezension Margaret Atwood – Katzenauge

Autor: Margaret Atwood
Titel: Katzenauge
Herausgeber: Piper Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 03. April 2017
Buchlänge: 512 Seiten
Titel der Originalausgabe:  Cat`s Eye
ISBN: 978-3-492-31117-5
Preis: Broschiert 12,00€ / eBook 9,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

„Katzenauge“, einer der erfolgreichsten Romane von Margaret Atwood, erzählt von der schillernden Gefühlswelt kleiner Mädchen. Die erwachsene Elaine erinnert sich an ihre Freundschaft mit Cordelia, die, grausam und schlagfertig, der Quälgeist ihrer jungen Jahre war. Ein großer Roman über die Kindheit und die von Hassliebe geprägte Beziehung zweier Frauen.

Quelle: Piper Verlag

 

 

Nach insgesamt 5 Büchern von Margaret Atwood im letzten halben Jahr kann ich durchaus behaupten, dass sie eine Schriftstellerin ist, die unglaublich vielseitig schreibt und dementsprechend auch sehr abwechslungsreiche Charaktere erschafft. Kein Schicksal ihrer erdachten Protagonisten gleicht dem anderen und doch sind sie allesamt immer wieder in einer Welt gefangen, die grausam zu ihnen ist oder war.
So auch bei Elaine, die in Katzenauge wohl die tragende Rolle spielt, wobei es hier diesmal die vermeintlichen Freunde sind, die ihr das Leben als Kind und Jugendliche zur Hölle machen. 

 

Der Schmerz war etwas Definitives, an das ich denken konnte, etwas Unmittelbares. Er war etwas, an dem ich mich festhalten konnte.
(Seite 143)

 

Elaine reist aufgrund einer geplanten Ausstellung ihrer Gemälde nach Toronto und somit in die Stadt ihrer Kindheit – dorthin, wo sie im Alter von 8 Jahren mit ihren Eltern und dem Bruder Stephen sesshaft geworden ist. Doch dieser Ort birgt keine guten Erinnerungen an diese Zeit, denn in Rückblenden erleben wir, wie Elaine von ihren Mitschülern und vor allem von ihrer damaligen Freundin Cordelia psychisch gequält wurde und auch heute noch spürt Elaine diese Erniedrigungen deutlich. 

Gerade die erste Hälfte des Buches hat mich tief beeindruckt, denn auch meine eigene Kindheit war nicht wirklich frei von Mobbingangriffen meiner Mitschüler. Zwar hatten mich damals nicht meine Freunde auf dem Kieker, denn die haben im Gegenzug zu Elaines Clique immer zu mir gehalten, sondern ältere Mitschüler, aber ich konnte mich dadurch sehr gut in die Gefühlslage der Hauptprotagonistin hineinversetzen – und solche einschneidenden Dinge vergisst man nie, selbst wenn man bereits Erwachsen ist und eigene Kinder hat.
In ihrer unvergleichlichen Sprache erzählt Margaret Atwood glaubwürdig fesselnd von der bedrückenden Kindheit eines kleinen, traurigen Mädchens und viele Szenen, gerade wenn es um die Selbstverletzungsneigungen und die Ängste von Elaine ging, brachen mir das Herz. Auch die Auswirkungen auf ihr Erwachsenenleben und das ihrer eigenen Kinder haben mich sehr berührt, weil es einfach wahr ist. Weil man diese Erinnerungen ein Leben lang mit sich herumschleppt. 

Dann allerdings kam ein Bruch und ich hatte plötzlich das Gefühl, dass sich die Autorin zum Ende hin immer mehr in ihren Erzählungen verliert und verzettelt. Klar schreibt die Autorin schon immer sehr ausschweifend und detailliert, aber dieses Mal habe ich aufgrund dessen oft den Faden verloren und musste manche Abschnitte öfter lesen, um nicht den Faden zu verlieren. Mir kam es so vor, als ob die Geschichte viel größer ausgelegt war, jedoch am Ende die Pointe vergessen wurde. 

Sprachlich sicher wieder ein großer Wurf, inhaltlich aber weniger befriedigend als die Bücher, die ich vorher von ihr gelesen habe. 

 

 

Katzenauge war für mich wieder ein typischer Atwood und doch auch nicht. Er ist zwar psychologisch durchdacht und in sich stimmig, aber leider konnte mich der Inhalt nicht so fesseln.
So blieb die Sogwirkung, die andere Bücher der Autorin bisher auf mich ausgewirkt haben, auf der Strecke.
Ein gutes Buch, nur haben mir die anderen im Vergleich dazu deutlich besser gefallen. 

 

 

♥ Vielen Dank an den Piper Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin 
Margaret Atwood, geboren 1939 in Ottawa, gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit. Ihr „Report der Magd“ wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation. Bis heute stellt sie immer wieder ihr waches politisches Gespür unter Beweis, ihre Hellhörigkeit für gefährliche Entwicklungen und Strömungen. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Man Booker Prize, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Pen-Pinter-Preis und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Margaret Atwood lebt in Toronto.

Quelle: Piper Verlag 

 

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