Rezension Patricia Highsmith – Der süße Wahn

Rezension Patricia Highsmith – Der süße Wahn

Autor: Patricia Highsmith
Titel: Der süße Wahn
Herausgeber: Diogenes Verlag 
Datum der Erstveröffentlichung: 01. Juli 2005
Buchlänge: 448 Seiten
Titel der Originalausgabe: This sweet sickness
ISBN: 978-3-257-23407-7
Preis: TB 13,00€ / eBook 10,99€
Erwerben

 

 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Seit der Heirat seiner ehemaligen Freundin Annabelle führt der Chemiker David Kelsey ein Doppelleben. Unter falschem Namen hat er sich ein Haus gemietet, in dem er ohne Wissen seiner Freunde die Wochenenden verbringt. Hier hat er sich eine Traumwelt aufgebaut, in der er sich einbildet, mit Annabelle zusammenzuleben. Eines Tages erscheint Annabelles Mann im Wochenendhaus, um Kelsey zur Rede zu stellen.

Quelle: Diogenes Verlag

 

 

Die Autorin Patricia Highsmith ist mir zwar schon länger ein Begriff, aber trotzdem habe ich es lange vor mir hergeschoben, auch endlich einmal zu einem Buch von ihr zu greifen. Warum das so war, kann ich gar nicht mehr genau benennen, aber zum Glück laufen Romane einem ja nicht weg und so hab ich es mir dieses Jahr zur Aufgabe gemacht, endlich Werke von Autoren zu lesen, denen ich bis dato noch gar keine Aufmerksamkeit geschenkt habe.
Und siehe da, schon jetzt bereue ich es, denn Der süße Wahn hat mir so außerordentlich gut gefallen, dass ich mich im Nachhinein ärgere, so lange damit gewartet zu haben. 

 

Es war Eifersucht, die David nicht schlafen ließ, ihn aus dem zerwühlten Bett in der dunklen, stillen Pension hinaus auf die Straße trieb.
(Seite 9)

Der junge Mann David lebt zwei Leben zugleich.
Während er unter der Woche den braven Arbeiter einer billigen Pension mimt, fährt er am Wochenende unter falschem Namen in sein hübsches Häuschen, das er für zwei eingerichtet hat und wartet dort auf seine Frau, die er liebt. Doch Annabelle kommt nicht, nie, denn sie hat einen anderen geheiratet.
David sieht darin aber nicht das geringste Problem, er ist sogar der Überzeugung, dass er seine große Liebe nur davon überzeugen muss endlich zu ihren wahren Gefühlen zu stehen. Und so kommt es schließlich zu einem Kampf zwischen den Ehemann und Träumer – bis einer tot am Boden liegt. 

Selbst wenn man von vorne herein vermutet, dass man es hier mit einem waschechten Psychopaten in Form von David Kelsey zu tun hat, findet man ihn irgendwie sympathisch. Denn wer war nicht schon einmal unglücklich verliebt und hat sich insgeheim gewünscht, die Person seiner Träume läge des Nachts neben ihm?
Klar, so weit wie David mit dem Haushauskauf würde ich zwar nicht unbedingt gehen, aber trotzdem konnte ich seine Gedankengänge bis zu einem gewissen Punkt durchaus nachvollziehen und eigentlich wünscht man sich für ihn nichts weiter, als dass er sich in eine andere verliebt und so seinem Annabelle-Wahn entkommt – aber das tut er nicht. Stattdessen verliebt sich eine andere in ihn, und das bekommt weder ihm, noch ihr, besonders gut. 

Ich glaube behaupten zu können, dass keiner die Ödnis eines Lebens so beklemmend und anschaulich beschreiben kann, wie es Patricia Highsmith vermag. Denn auch wenn das Buch an sich keine atemberaubende Spannung bietet, kann man doch nicht anders, als Seite um Seite zu verschlingen, um zu erfahren, wie es mit ihren Charakteren weitergeht.
Vor allem David verstrickt sich nach dem Zusammentreffen mit Annabelles Ehemann in einem völlig wahnwitzigen Konstrukt aus Lügen, welches er nicht wirklich lange aufrechterhalten kann und so kommt schließlich auch eines zum anderen. 
Es ist eine Achterbahn der Gefühle, die die Autorin für ihren Protagonisten hier bereit hält und noch bevor David überhaupt begreift, was um ihn herum so alles falsch läuft, versteht der Leser längst, dass nicht alles, was aus Liebe geschieht, von vornherein in Ordnung ist. 

 

 

Der süße Wahn ist ein scharfsinniger und gut durchdachter Krimi einer unerwiderten Liebe über einen Mann, der bis zum bitteren Ende nicht aufhört zu glauben, geliebt zu werden.
Mich hat die Geschichte vollkommen überzeugt und zwar so sehr, dass ich als Leser selbst am Ende auf der moralisch falschen Seite stand.
Definitiv empfehlenswert! 

 

 

♥ Vielen Dank an den Diogenes Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin 
Patricia Highsmith, geboren 1921 in Fort Worth/Texas, wuchs in Texas und New York auf und studierte Literatur und Zoologie. Erste Kurzgeschichten schrieb sie an der Highschool, den ersten Lebensunterhalt verdiente sie als Comictexterin, und den ersten Welterfolg erlangte sie 1950 mit ihrem Romanerstling ›Zwei Fremde im Zug‹, dessen Verfilmung von Alfred Hitchcock sie über Nacht weltberühmt machte. Patricia Highsmith starb 1995 in Locarno.

Quelle: Diogenes Verlag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.