Rezension Fredrik Backmann – Wir gegen euch

Rezension Fredrik Backmann – Wir gegen euch

Autor: Fredrik Backmann
Titel: Wir gegen euch
Herausgeber: Fischer Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 28. August 2019
Buchlänge: 544 Seiten
Titel der Originalausgabe: Björnstad 2
ISBN: 978-3810530448
Preis: HC 19,99€ / eBook 16,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Die Menschen von Björnstadt haben erlebt, was es heißt, wenn ein ganzer Ort auseinanderbricht. Und sie wollen nur eines: wieder zusammenfinden. Um eine Zukunft zu schaffen für alle. Dafür braucht es etwas, an das sie glauben können. Etwas, das sie zusammenbringt. Doch der Kampf darum wird einer auf Leben und Tod.

» Dies ist die Geschichte unserer Stadt. Einige von uns werden sich verlieben, und andere werden verzweifeln. Wir werden unsere schönsten Tage erleben und zugleich unsere allerschlechtesten. Diese Stadt wird jubeln, aber sie wird auch brennen. «

Quelle: Fischer Verlag

 

 

Dass Fredrik Backmann einer der erfolgreichsten Schriftsteller Schwedens ist, wusste ich nicht. Auch nicht, dass er 2014 eins meiner liebsten Bücher schrieb (Ein Mann namens Ove) und schon gar nicht, dass es sich bei Wir gegen euch eigentlich um eine Fortsetzung handelt. So viel Unwissenheit in Bezug auf einen Autor hab ich mir eigentlich gar nicht zugetraut, aber manchmal ist das auch gar nicht verkehrt, denn so kommt es erst gar nicht dazu, dass sich meine Erwartungshaltung auf das nun vorliegende Buch gen Himmel schraubt. 

 

Habt ihr je eine Stadt untergehen sehen?
Unsere ist untergegangen. Irgendwann werden wir behaupten, diesen Sommer habe die Gewalt in Björnstadt Einzug gehalten, aber das ist eine Lüge, denn die Gewalt war bereits da. Manchmal ist es so einfach Menschen dazu zu bringen, einander zu hassen, dass es uns unbegreiflich erscheint, je etwas anderes zu tun. 
(Seite 7)

 

Nach der Vergewaltigung der Tochter des Sportdirektors durch den Top-Spieler des Eishockeyclubs in Björnstadt ist die kleine fiktive schwedische Stadt tief gespalten. Hat sich bisher ihr komplettes Leben nur um Eishockey gedreht, nimmt nun jeder Stellung zu dieser Tat – entweder für die Familie des Opfers oder eben für den vermeintlichen Täter. Die sozialen Netzwerke sind voll von Thesen und Unterstellungen, in der Schule und an jedem Arbeitsplatz gibt es nur ein Thema und selbst dem Eishockeyclub droht wegen dieser ungeklärten Sache das Aus. Da viele Spieler aus Björnstadt zum Nachbarverein nach Hed gewechselt sind, hängt die Zukunft des Vereins nun am seidenen Faden, bis der Trainer ein Angebot erhält, das er nicht ausschlagen kann. 

Sowohl in diesem, als auch im Vorgängerroman Kleine Stadt der großen Träume, soll Autor Fredrik Backman wohl seine eigene Zeit im Eishockeyclub verarbeitet haben und das merkt man der Geschichte auch an. Denn dieser Sport ist definitiv die eigentliche Hauptperson, in dem ein „Wir-Erzähler“ aus einer rückblickenden Perspektive von dem Schicksal des Vereins, aber auch von dem der Einwohner von Björnstadt berichtet.
Und leider ist auch das genau der Grund, warum ich nicht wirklich mit der Story und seinen Protagonisten warm geworden bin, denn trotz der vielen Einzelschicksale, die hier geschildert wurden, blieb das menschliche Miteinander irgendwie auf der Strecke.
Man bekommt als Leser zwar sehr deutlich mit, wie der Sport einerseits die Identität und auch eine Gemeinschaft für die Jugendlichen schafft und er diesen zudem noch Halt und Perspektiven bietet, aber auf emotionaler Ebene hat mich das ziemlich kalt gelassen.
Wie der Zuhörer einer Berichterstattung habe ich mich teilweise gefühlt und das ist wirklich schade, denn so kam das schwerwiegende Thema einer Vergewaltigung und der anschließenden Verarbeitung nur sehr schlecht und teilnahmslos herüber. 

 

Wenn man ein Kind, das im Dunkeln Angst hat, 
allein in einen dunklen Raum sperrt.
Wenn man es dort seiner Angst überlässt, nur weil das Leben gemein ist. 
Wenn du das Kind in diesem Raum wärest und ein einziges Streichholz in der Tasche hättest, 
dann würdest du es anzünden, auch wenn es im Raum schon nach Benzin stinkt. 
(Seite 127)

 

Trotz aller Kritik ist Fredrik Backmann einfach ein grandioser Erzähler und das war auch der einzige Grund für mich, warum ich bis zum Ende durchgehalten habe – und hier wurde ich dann doch noch für mein Durchhaltevermögen belohnt.
Denn hier waren sie versteckt, die Emotionen, auf die ich so lange gewartet habe und auch wenn ich selbst nicht sagen kann warum: Zum Schluss habe ich endlich verstanden, was so ein Sport mit einer Stadt machen kann. 

 

 

Wir gegen euch ist ein Roman über Gewalt, Ausgrenzung, Leid und Erfolg, bei dem am Ende zwar die Hoffnung überwiegt, mich aber dennoch nicht komplett packen konnte.
Reinlesen und selbst entscheiden würde ich sagen, aber macht euch bewusst, dass diese Geschichte so ganz anders ist als Ein Mann namens Ove oder Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid.

 

 

♥ Vielen Dank an den Fischer Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor
Fredrik Backman ist mit über 10 Millionen verkauften Büchern einer der erfolgreichsten Schriftsteller Schwedens. Sein erster Roman ›Ein Mann namens Ove‹ wurde zu einem internationalen Phänomen; die Verfilmung mit Rolf Lassgård war für zwei Oscars nominiert, ein Remake mit Tom Hanks ist in Planung. Auch Fredrik Backmans folgende Romane eroberten die obersten Ränge der Bestsellerlisten in Deutschland, Schweden, den USA und vielen anderen Ländern; sein Werk wird in 40 Sprachen übersetzt. Backmans Roman ›Britt-Marie war hier‹ wurde ebenfalls fürs Kino verfilmt. Der Autor lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Solna bei Stockholm.

Quelle: Fischer Verlag  

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