Rezension Grégoire Delacourt – Das Leuchten in mir

Rezension Grégoire Delacourt – Das Leuchten in mir

Autor: Grégoire Delacourt
Titel: Das Leuchten in mir
Herausgeber: Atlantik Verlag / Verlagsgruppe Hoffmann und Campe 
Datum der Erstveröffentlichung: 04. Oktober 2018
Buchlänge: 272 Seiten
Titel der Originalausgabe: Danser au bord de làbîme
ISBN: 978-3-455-00273-7
Preis: HC 14,00€ / eBook 9,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Emma ist vierzig und seit achtzehn Jahren mit Olivier verheiratet. Sie haben drei wohlgeratene Kinder, es könnte nicht besser sein. Dass etwas Entscheidendes in ihrem Leben fehlt, merkt Emma erst, als in einer Brasserie ihr Blick auf den von Alexandre trifft. Sie weiß sofort Bescheid. Für ihn wird sie alles riskieren, alles aufgeben – koste es, was es wolle. Der Bestsellerautor Grégoire Delacourt erzählt in seinem neuen Roman über eine große Leidenschaft, die Zerbrechlichkeit unserer Existenz und die Stärke der Familienbande, die mehr auszuhalten vermögen, als es den Anschein hat.

Quelle: Atlantik Verlag / Verlagsgruppe Hoffmann und Campe     

 

 

Französische Romane sind für mich immer etwas ganz besonderes. Ich kann mich beispielsweise nicht daran erinnern, jemals einen davon nicht gemocht zu haben. Ich liebe deren Flair, die Leidenschaft, die damit verbundene Sinnlichkeit und ganz speziell das Setting, welches zwar stetig wechselt, mich aber immer wieder mit Begeisterung erfüllt.
Nicht anders erging es mir auch mit dem vorliegenden Roman von Grégoire Delacourt, wobei ich deutlich erwähnen muss, dass es das sprachlich schönste und intensivste Buch war, das ich bisher gelesen habe. 

 

Auf der Suche nach den Ursprüngen meiner Schwächen stelle ich mit Bitterkeit fest, dass unsere Leiden niemals tief genug versenkt, unsere Körper niemals groß genug sind, um all unsere Schmerzen in ihnen zu begraben. 
(Seite 35)

 

Lille in Frankreich. 
Emma ist vierzig Jahre alt und schon sehr lange und durchaus glücklich mit ihrem Mann Olivier verheiratet. Sie haben drei Kinder, genug Geld und leben auf der Sonnenseite – bis Emma in ihrer Mittagspause in einem Bistro sitzt und einen Mann am Nebentisch beobachtet, der sich mit einer Serviette den Mund abwischt. Er hebt den Blick, ihre Augen treffen sich.
Von da an geht Emma drei Wochen lang, Tag für Tag, zur Mittagszeit in dieses Bistro, genau wie er, wie Alexandre. Sie wechseln nur wenige Sätze, berühren sich nur einmal mit den Fingerspitzen, aber das genügt den beiden für den Entschluss, alles aufzugeben, was sie haben. Sie ihre Kinder und ihren Mann, genau wie ehr seine Ehe.
Sie wollen sich am Bahnhof treffen, verreisen, gemeinsam etwas Neues beginnen und Emma ist zuerst dort und wartet.

 

Weggehen ist nicht nur Feigheit, es ist auch die Hoffnung anzukommen. 
(Seite 126)

 

Das Leuchten in mir ist ein Buch, das ich all jenen ans Herz legen möchte, die Sehnsucht haben oder vielleicht sogar traurig sind. Denjenigen, die eine Wende in ihrem Leben herbeisehen und auf etwas warten, aber nicht wissen, worauf. Menschen, die das Verlangen verspüren begehrt zu werden oder sich selbst suchen – eben all jeden, die fühlen und genau das in einer literarischen Sprache suchen, die mich wahnsinnig beeindruckt und zwischenzeitlich vollkommen aus der Bahn geworfen hat.
Intensiv, emotional, schwermütig, poetisch und sinnlich, das sind die Worte, die mir zuerst in den Sinn kommen, wenn ich über den Schreibstil des Autors und die Geschichte an sich nachdenke. Man muss so etwas mögen, ganz klar, aber wenn man es tut, reißt dich das Buch mit und zieht dich in einen unglaublichen Sog, bei dem man die Emotionen fast körperlich spürt.
Dadurch, dass Emma aus der Ich-Perspektive von ihrem Tanz am Rande des Abgrundes erzählt, gelingt es Grégoire Delacourt unvergleichlich die Emotion seiner Protagonistin einzufangen und zum Leser zu transportieren. Man ist ganz dicht mit dabei wenn Entscheidungen fallen und Leben zu Trümmerhaufen werden und auch wenn das Ende haarscharf am Kitsch vorbeischrammt, war Das Leuchten in mir ein klares Jahreshighlight für mich.

 

Die Worte, die man nie ausspricht, sind die, die am meisten wehtun.
(Seite 217)

Und wenn man sich die Danksagung an seine Kinder ganz am Ende des Buches durchliest, wird man den Eindruck nicht los, dass Grégoire Delacourt diese Geschichte nicht einfach nur erfunden hat. Das sie womöglich sogar einmal mitten in seinem Leben spielte.

 

 

Das Leuchten in mir von Grégoire Delacourt ist fast schon ein Klassiker und doch anders, überraschend und abgrundtief emotional. 

Ich will 2020 unbedingt mehr von diesem Autor lesen und was ich so gesehen habe, gibt es da auch eine großartige Auswahl!

Volle Punktzahl, Highlight und klare Leseempfehlung – auf mehr kann man gar nicht hoffen. 

 

 

♥ Vielen Dank an den Atlantik Verlag der Verlagsgruppe Hoffmann und Campe für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor
Grégoire Delacourt wurde 1960 im nordfranzösischen Valenciennes geboren und lebt mit seiner Familie in Paris. Sein Bestseller Alle meine Wünsche wurde in fünfunddreißig Ländern veröffentlicht. Im Atlantik Verlag erschienen von ihm zuletzt der Spiegel-Bestseller Die vier Jahreszeiten des Sommers (2016) und Der Dichter der Familie (2017).

Quelle: Atlantik Verlag / Verlagsgruppe Hoffmann und Campe     

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