Rezension Susan Fletcher – Das Geheimnis von Shadowbrook

Rezension Susan Fletcher – Das Geheimnis von Shadowbrook

Autor: Susan Fletcher
Titel: Das Geheimnis von Shadowbrook
Herausgeber: Suhrkamp/Insel Verlag 
Datum der Erstveröffentlichung: 28. Oktober 2019
Buchlänge: 445 Seiten
Titel der Originalausgabe: House of Glass
ISBN: 978-3-458-17816-3
Preis: HC 22,00€ / eBook 18,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Im Sommer 1914 wird die junge Botanikerin Clara Waterfield von London nach Gloucestershire gerufen: Sie soll auf einem Landsitz namens Shadowbrook den Aufbau eines Gewächshauses mit exotischen Pflanzen aus den Kew Gardens betreuen. Der Garten, in dem das Gewächshaus stehen soll, ist überwältigend, üppige Hortensien, Fingerhut und Rosen drängen sich um gepflegte Rasenflächen, auf den Teichen schwimmen Seerosen, alles scheint vor Leben geradezu zu sprühen. Doch das alte, mit Glyzinien bewachsene Wohnhaus wirkt seltsam abweisend, die meisten Räume stehen leer oder sind verschlossen, der Eigentümer Mr. Fox ist viel auf Reisen. Haushälterin und Dienstmädchen wirken verängstigt – denn nachts scheint es im Haus zu spuken. Doch Clara ist unerschrocken und glaubt nicht an Geister, und so macht sie sich daran, die Geheimnisse des Hauses zu ergründen. Und während sie sich immer tiefer in die Geschichte Shadowbrooks verstrickt, muss sie feststellen, dass dort nichts so ist, wie es scheint…

Quelle: Suhrkamp/Insel Verlag

 

 

Ich kann hundert Seiten eines Buches am Stück lesen, ohne wirklich eine Verbindung zu den Protagonisten aufzubauen oder der Handlung verfallen zu sein. Solche Bücher sind nicht unbedingt schlecht, aber irgendwie fehlt ihnen das gewisse Etwas, um mich komplett zu überzeugen und so bekommen diese meistens um die drei Sterne von mir.
Und dann gibt es Bücher wie Das Geheimnis von Shadowbrook, denen man ab der ersten Seite sofort verfallen ist und die einen nicht mehr loslassen. Man liebt die Atmosphäre, die Erzählkunst des Autors und die Geschichte. Es ist vergleichbar mit einer Begegnung zwischen zwei fremden Menschen: entweder findet man den Gegenüber auf Anhieb sympathisch, oder eben nicht. Und genau solchen Büchern möchte ich gerne mehr als fünf Sterne geben, einfach weil sie so sind wie sie sind und die Lesestunden nicht sinnlos füllen sondern diese Zeit bereichern. 

London 1914: Clara Waterfield hat ihn ihrem jungen Leben schon einiges mitmachen müssen. Durch ihre, im Kleinkindalter diagnostizierte Glasknochenkrankheit war sie über Jahre ans Haus gefesselt und kannte das Leben nur aus Büchern. Diverse Knochenbrüche haben ihr Aussehen verändert und ihre einzigen Bezugspersonen in dieser Zeit waren die Haushältern, ihr Stiefvater und ihre Mutter, die sie über alles geliebt hat. Doch nach ihrem viel zu frühen Tod hält sie nichts mehr in den von Erinnerungen gespickten Mauern und sie beginnt allein die Stadt zu erkunden. Und bei einem dieser Ausflüge stößt sie auf die exotischen Gärten der Kew Gardens und bleibt. Tag für Tag besucht sie hiesigen Pflanzen, lernt ihre Namen und Bedürfnisse und freundet sich kurz darauf auch mit dem zuständigen Gärtner an, der ihr ein überraschendes Angebot unterbreitet: Sie soll für den Eigentümer des Shadowbrook Landsitzes in Gloucestershire ein neu erbautes Gewächshaus mit exotischen Pflanzen bestücken. Clara sieht ihre Chance gekommen, endlich aus ihrem tristen Leben in London auszubrechen und stimmt zu. Auf Shadowbrook angekommen merkt sie jedoch schnell, das die Atmosphäre angespannt ist: Viele Räume des Hauses stehen leer oder sind verschlossen, den zweiten Stock, in dem der Eigentümer ab und an wohnt, darf sie nur nach Aufforderung betreten und die Haushälterinnen scheinen seltsam verängstigt – es spuckt hier – erfährt sie auf Nachfrage. Clara aber glaubt nicht an Geister und macht sich, neben ihrer botanischen Arbeit, auch daran, Das Geheimnis von Shadowbrook zu ergründen.

Das Geheimnis von Shadowbrook ist zu gewissen Teilen ein historischer Roman, der kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges spielt und über ein weitläufiges Herrenhaus erzählt, um das sich dunkle Gerüchte ranken. Die Vorbesitzer, eine Familie namens Pettigrew, war verhasst im nahegelegenen Dorf und die letzte Verbliebene, Veronique, soll bis zu ihrem Ableben dekadente Feste mit reichlich Männerbesuch auf Shadowbrook abgehalten haben – bis ihr lebloser und vom Irrsinn gezeichneter Körper schließlich im Garten auf dem Grundstück aufgefunden wurde. Seitdem soll ihr Geist noch immer durch die Korridore spucken und Angst und Schrecken verbreiten. 

Aber eine Tür hat ja buchstäblich zwei Seiten, verbindet zwei Welten miteinander, und wenn sie verriegelt ist, dann hält sie ungebetene Gäste zwar draußen – aber auch drinnen. Für einen Augenblick blitzte diese Erkenntnis in mir auf. 
(Seite 221)

Haunted House Geschichten gibt es sicherlich reichlich auf dem Buchmarkt: Ein Schatten in der Nacht hier, ein unheimliches Geräusch dort, knarzende Dielen, wo eigentlich niemand sein sollte.
So weit, so vertraut.
Auch ich habe schon meine Erfahrungen in diesem Genre sammeln dürfen, aber nie habe ich so intensiv dabei mitgefühlt, wie es bei diesem Buch der Fall war.
Besonders originell ist hier definitiv die Ich-Erzählerin und Hauptprotagonistin Clara. Wie schon erwähnt leidet sie an Osteogenesis imperfecta, einer Knochenkrankheit, die bei minimalem Druck Brüche verursacht. Infolgedessen lebt sie seit ihrer Kindheit sehr abgeschieden von der Außenwelt und hat nur selten Kontakt zu Menschen. Doch trotz ihres Syndroms, dem andersartigen Aussehen und dem unbeholfenen Gang wagt sie den Sprung ins kalte Wasser und verändert ihr Leben durch den Umzug drastisch. 
Ich mochte ihre direkte, manchmal auch ungelenke Art auf Menschen zuzugehen und mit ihnen zu kommunizieren. Sie hat sich nie mit einfachen Antworten abspeisen lassen und war auf natürliche Weise neugierig. Ihre Entwicklung war immer glaubhaft und dem Alter entsprechend und ich habe sie für ihren kleinen Kampf um die Gleichberechtigung von Frauen bewundert, ja jeden ihrer Schritte einfach unglaublich gerne verfolgt. 

Aber reden wir über das große Ganze, anstatt nur von der wundervoll konzipierten Clara zu schwärmen, denn auch hier hat Susan Fletcher wirklich alles richtig gemacht!
Die Handlung lebt von der eher düsteren und oft trüben Atmosphäre. Die Schauplätze, sowie die weiteren Charaktere strotzen vor Liebe zum Detail und all diese Bausteine zusammen ergeben dieses perfekt arrangierte Buch mit der unterschwelligen Geister-Story, in der jede Menge Leidenschaft und Raffinesse steckt.
Auch das Ende hat mich durch die unvorhersehbare Wendung begeistern können und so bleibt mir nur zu sagen: Ein wirklich großartiges Buch – durch und durch!

 

 

Absolute Leseempfehlung!
Das Geheimnis von Shadowbrook beinhaltet schlicht und ergreifend alles, was ein gutes Buch braucht und auch Leser, die sonst den Grusel auf Papier meiden, sollten hier zugreifen!

 

 

♥ Vielen Dank an den Suhrkamp/Insel Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Susan Fletcher wurde 1979 in Birmingham geboren und lebt in Stratford-upon-Avon. Sie hat mehrere Romane geschrieben, gleich für ihren ersten, Eve Green, erhielt sie 2004 den Whitbread First Novel Award. Auf Deutsch erschien neben Eve Green 2007 ihr Roman Austernfischer.

Quelle: Suhrkamp/Insel Verlag 

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