Rezension Christelle Dabos – Die Spiegelreisende: Das Gedächtnis von Babel

Rezension  Christelle Dabos – Die Spiegelreisende: Das Gedächtnis von Babel

Autor: Christelle Dabos
Titel: Die Spiegelreisende: Das Gedächtnis von Babel
Herausgeber: Suhrkamp/Insel Verlag 
Datum der Erstveröffentlichung: 18. November 2019
Buchlänge: 520 Seiten
Titel der Originalausgabe: La memoria di Babel. L’Attraversaspecchi
ISBN: 978-3-458-17827-9
Preis: HC 18,00€ / eBook 15,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Fast drei Jahre hat Ophelia Thorn nicht mehr gesehen. Nach seinem plötzlichen Verschwinden musste sie den Pol verlassen und nach Anima zurückkehren. Doch eines Tages macht sie sich heimlich auf den Weg zur Arche Babel, um mehr über Gott herauszufinden und sich auf die Suche nach Thorn zu begeben. In Babel angekommen, einer Arche mit strikten Vorschriften und argwöhnischen Bewohnern, die Robotern mehr gleichen als Menschen, muss Ophelia sich als »Lehrling« am Konservatorium der Guten Familie beweisen. Als in dem Secretarium der Arche eine Zensorin tot aufgefunden wird, die kurz vor ihrem Tod die Werke eines Kinderbuchautors verbrannt hat, erkennt Ophelia fassungslos, wie sehr sie selbst in diese tödliche Geschichte verstrickt ist.

Quelle: Suhrkamp/Insel Verlag

 

 

Da es sich hier um den dritten Teil der Spiegelreisenden Tetralogie handelt, sind SPOILER nicht ausgeschlossen.
Meine Rezension von Teil 1 findet ihr hier *klick* 
Meine Rezension von Teil 2 findet ihr hier *
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Wenn ich einer Autorin die Schuld daran geben müsste, warum ich meine Messlatte für Fantasy Romane mittlerweile extrem hoch gelegt habe, dann wäre es wohl Christelle Dabos. Seit Anfang des Jahres verzaubert sie mich nun schon mit ihrer Spiegelreisenden Tetralogie, ihrem Schreibstil, den Charakteren und ihrer nicht enden wollenden und beeindruckenden Fantasie.
Nun ist endlich der dritte und vorletzte Teil um Ophelia und Thorn erschienen und ich kann euch jetzt schon sagen, dass mir der Abschied jedes Mal schwerer fällt. 

Fast drei Jahre sind mittlerweile vergangen, seit Ophelia mit ihrer Familie vom Pol auf ihre Heimatarche Anima zurückgekehrt ist. Ihre damalige Begegnung mit Gott erwähnt sie mit keiner Silbe und auch von ihrem Ehemann Thorn hat sie seitdem nichts mehr gehört. Die Tage auf Anima verbringt sie meist antriebslos in ihrem Zimmer, nur ein einziges Mal hat sie ihr geliebtes Museum betreten um festzustellen, dass dort die meisten Exponate aufgrund einer neuen Zensur entfernt wurden. Ihre Familie ist zwar bemüht, sie nicht in ihrer Einsamkeit versinken zu lassen, aber egal was sie anstellen, Ophelia zeigt kein Interesse an irgendwelchen Vorschlägen – bis ihr Großonkel ihr eine alte Postkarte zuspielt, die sie mit ungelösten Fragen auf Babel aufmerksam macht. Von da an hat sie nur ein Ziel: Sie muss dieser Arche unbedingt einen Besuch abstatten. Nur leider sitzt sie fest, denn die Doyennen behalten Ophelia sehr gut im Auge und werden sie unter keinen Umständen unbeaufsichtigt reisen lassen.
Und genau da taucht plötzlich Archibald auf und ermöglicht ihr die Flucht.
Aber Babel und sein Archiv, so muss Ophelia auf sich allein gestellt feststellen, bergen eigene Regeln, Gesetzte und Gefahren. 

 

Ich war Berenildes Page, Faruks Spielzeug und Baron Melchior Beute. Ich werde mich bestimmt nicht von ein paar schlechten Schwerzen einschüchtern lassen.
(Seite 125)

 

Wo soll ich anfangen? Wo soll ich hin mit meinem aufgestauten Lob und meiner überschwänglichen Freude, Teil dieser Reihe zu sein?
Ich muss zugeben, dass ich wirklich sehr viel über das Jahr verteilt lese. Bis dato sind 2019 schon weit über 100 Bücher zusammengekommen, wovon mir aber höchstens 20 länger im Gedächtnis geblieben sind. Es wird immer seltener, dass Autoren mich noch überraschen können, sei es nun inhaltlich, sprachlich oder durch irgendwelche noch nie dagewesenen Charaktere – aber in all diesen Punkten hat Christelle Dabos bei mir genau ins Schwarze getroffen. Jedes Mal, wenn ich die neue Fortsetzung von ihr in die Hand nehme, kann ich nur staunen, welches Talent ihrem Kopf und ihren Händen innewohnt. Sie weiß, wie man Charaktere interessant gestaltet, weiß, wie Welten im Kopf Wirklichkeit werden und für all das und noch viel mehr, kann man einfach nur den imaginären Hut von ihr ziehen. 

Durch den doch eher erstaunlich langen Zeitsprung zwischen Band 2 und Band 3, hat die Autorin ihren Charakteren die Möglichkeit gegeben zu reifen. Archibald hat nach seiner Trennung von Gespinst eine neue Familienkraft entwickelt, die Ophelia nun hilft, unbemerkt von ihrer Arche zu entkommen. Ophelia selbst wirkt selbstbewusster und sortierter, auch wenn ihr alte Wesenszüge bis kurz vor Schluss noch oft dazwischenfunken. Selbst Berenildes Tochter Viktoria hat Fähigkeiten entwickelt, die immer wieder kurz eingeblendet werden, nur Thorn scheint irgendwie der Alte geblieben zu sein, auch wenn man natürlich merkt, dass es auch unter seiner Oberfläche heftig knackt und knistert.
Sie alle Wiederzutreffen hat mich einfach nur wohlig aufseufzen lassen. Längst sind diese Personen keine platten schwarz-weiß Protagonisten mehr, sondern so etwas wie alte Freunde geworden.
Und auch wenn diesmal leider ein paar von ihnen zu kurz gekommen sind, hoffe ich, dass der abschließende Band mindestens 700 Seiten haben wird, um alle in eine letzte Umarmung zu ziehen, um sich gebührend von diesen verabschieden zu können – wobei ich dieses Farewell schon jetzt ungemein fürchte. 

 

 

Diese Reihe hat mein Herz erobert.
Ich kenne kaum eine Geschichte, die an Detailreichtum, Spannung und Heimeligkeit mehr zu bieten hat, als die Spiegelreisende – und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich das in nächster Zeit ändern wird.
Oscarreifes Kinofeeling in Buchformat!

Lest diese Reihe, denn sie hat so viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

 

 

♥ Vielen Dank an den Suhrkamp/Insel Verlag Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Christelle Dabos wurde 1980 an der Côte d’Azur geboren. Nach ihrem Studium zog sie nach Belgien und arbeitete als Bibliothekarin. Als sie 2007 an Krebs erkrankte, begann sie zu schreiben. Zunächst veröffentlichte sie Auszüge aus Die Spiegelreisende im Internet. Nachdem sie den Jugendbuchwettbewerb von Gallimard Jeunesse gewonnen hatte, wurde der erste Band der Serie, Die Verlobten des Winters, publiziert und entwickelte sich rasch zu einem Bestseller. Die auf das Debüt folgenden Bände der Saga, Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast und Das Gedächtnis von Babel, erscheinen 2019 auf Deutsch im Insel Verlag. Gerade hat Christelle Dabos den vierten Band der Tetralogie fertiggeschrieben.

Quelle: Suhrkamp/Insel Verlag  

 

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