Rezension Tahereh Mafi – Wie du mich siehst

Rezension Tahereh Mafi – Wie du mich siehst

Autor: Tahereh Mafi
Titel: Wie du mich siehst
Herausgeber: Fischer Verlag  
Datum der Erstveröffentlichung: 27. November 2019
Buchlänge: 352 Seiten
Titel der Originalausgabe:  A very large expanse of sea
ISBN: 978-3737356961
Preis: HC 16,00€ / eBook 14,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Eine Kleinstadt in den USA: Shirins Alltag ist zum Albtraum geworden. Sie hat genug von den unverschämten Blicken, den erniedrigenden Kommentaren und den physischen Attacken, die sie ertragen muss, weil sie Muslima ist. Sie flüchtet sich ins Musikhören und in das Breakdance-Training mit ihrem Bruder und dessen Freunden. Shirin hat beschlossen, niemandem mehr zu trauen. Bis sie an ihrer neuen High School den Jungen Ocean trifft. Er ist der erste Mensch seit langem, der Shirin wirklich kennenlernen möchte. Erschrocken weist Shirin ihn harsch zurück. Ocean ist für sie aus einer Welt, aus der ihr bisher nur Hass und Ablehnung entgegenschlugen. Aber dann kommt alles anders…

Quelle: Fischer Verlag  

 

 

Ich denke vielen von euch ist der Name Tahereh Mafi aufgrund ihrer Shatter Me Reihe ein Begriff. Viele lieben sie für diese Debütreihe und viele haben sich sicherlich auch ein neues Buch in diesem Genre von ihr gewünscht.
Doch nun veröffentlicht die Autorin mit iranischer Abstammung ein Jugendbuch fernab von spannungsgeladenen Fantasywelten, dass so real erscheint, als wäre es ein autobiografischer Roman aus ihrer eigenen Vergangenheit (was zu gewissen Teilen laut ihrer Aussage auch stimmt).
Parallelen gibt es zumindest genug, denn wie Tahereh Mafi auf Instagram erwähnt, liebt sie, wie ihre Hauptprotagonisten auch, Breakdance und die Hidschab ist ebenfalls ihr ständiger Begleiter. 

Und somit sind wir auch schon mitten in der Geschichte von Shirin und ihrem Leben, das sich nach den Anschlägen am 11. September 2001 drastisch verändert hat. Zwar wurde sie schon vorher aufgrund ihres Kopftuches schief angesehen, aber die Fremden- und vor allem die Islamfeindlichkeit nahmen ab diesen Zeitpunkt so extrem zu, sodass Angst und Wut Shirins ständiger Begleiter wurde. Beschimpfungen waren an der Tagesordnung, der Hass auf ihr Äußeres schlug sich in Beschimpfungen nieder und Freunde zu finden stellte sich plötzlich als unüberwindbares Hindernis dar. Da half es auch nicht, dass ihre Eltern fast jedes Jahr umzogen, um bessere Arbeitsplätze oder bessere Schulviertel für die Familie zu suchen. Aus Selbstschutz haftete Shirins Blick in der Öffentlichkeit nur noch am Boden, sie zog sich immer mehr in sich zurück und ließ keinen Fremden mehr in ihr Leben bis ihr Bruder an einer neuen, gemeinsamen Schule eine Breakdance-Gruppe gründet. Hier lernt sie nicht nur die Crew kennen, die mit ihrem Bruder diese Leidenschaft teilt, sondern auch Ocean, den Basketball-Star unter den Schülern, der ihr Leben von nun an komplett durcheinander bringt.  

Das alles mag jetzt nach einer typischen High-School Lovestory klingen, ist aber aufgrund der ernsten Thematik viel viel mehr. Dadurch, dass Tahereh Mafi ihre eigene Erfahrung in diesen Roman mit einfließen lässt, erhält dieser nicht nur eine gewisse Aufrichtigkeit, die einem die Armhärchen aufstellt, sondern auch Emotionen, die vor allem durch die Charaktere bis ins Herz strahlen.
Shirins Einsamkeit tat mir innerlich weh und auch wenn ich nur ein stummer Leser war, hat mich ihre Geschichte extrem mitgenommen. Außenseiter haben es nie leicht, an keiner Schule, in keinem Leben, aber in diesem Ausmaß war das eine ganz neue, intensive Erfahrung für mich. 

Es war total egal, wie akzentfrei mein Englisch war. Es war egal, wie oft ich den Leuten sagte, das ich hier geboren war, dass mein Englisch meine erste Sprache war, dass sich meine Cousins und Cousinen im Iran über mich lustig machten, weil ich holpriges Farsi mit amerikanischem Akzent sprach – alles egal. Sie nahmen trotzdem automatisch an, ich wäre frisch per Boot aus irgendeinem fernen Land gekommen.
(Seite 8)

Die Liebesgeschichte zwischen Ocean und Shirin war zart, zwar dominant aber doch federleicht und die Kluft zwischen den beiden perfekt dargestellt. Anfangs verstand Ocean nicht, welches Problem Shirin hat, warum sie nicht will, dass aus ihrer unverfänglichen Bekanntschaft mehr wird. Doch recht schnell wird ihm klar, welche Privilegien er als weißer Schüler genießt, welche Möglichkeiten ihm offen stehen und Shirin eben verwehrt bleiben – aber damit will er sich nicht abfinden. Er will für ihre Beziehung kämpfen und aus diesem Grund heißt es jetzt für ihn: Er gegen den Rest der Welt. Je mehr er sich jedoch anstrengt, je größere Wellen er schlagen will, desto schlimmer wird es für die beiden. 

Wenn ich ein Resümee aus Wie du mich siehst ziehen müsste, wäre das folgendes:
Egal wie schlecht die Leute dich aufgrund von Äußerlichkeiten behandeln, lass nicht zu, dass der Sog aus Wut, Trauer und Verzweiflung dein Leben bestimmt. Wehre dich – nicht mit Gewalt, aber mach dir klar, dass du einzigartiges bist. Auf der Welt gibt es viele Menschen, die ungerecht, oberflächlich oder von Medien negativ beeinflusst sind und Vorurteile haben, aber zwischen all der Grausamkeit gibt es auch Güte und Wärme. Erinnere dich und gib die Hoffnung nicht auf. 

Das einzige Problem hatte ich tatsächlich mit dem Breakdance-Thema. Auch wenn es für die Autorin vielleicht wichtig war, diese Sportart mit einzufügen, war es für mich eine Art Lückenfüller. Ich konnte die Vibes nicht spüren, die hier vielleicht zum Leser transportiert werden sollten und auch die Besuche diverser Auftritte waren in meinen Augen eher störend als stimmig. 

Dennoch kann ich dieses Buch uneingeschränkt weiterempfehlen. Manche wird es bereichern, manche aufklären. Manche werden sich mit Shirin identifizieren können, andere werden vielleicht einen Aha-Moment erleben, der ihnen bewusst macht, warum Menschen in bestimmten Momenten so reagieren, wie sie es eben tun. 

 

 

Wie du mich siehst von Tahereh Mafi ist eine realistische Geschichte, die nicht leicht zu verdauen ist, aber umso mehr Bedeutung im Alltag hat.
Eine Geschichte über Glaube, dessen Hürden, Selbstverwirklichung und Hoffnung.
Eine klare Leseempfehlung. 

 

 

♥ Vielen Dank an den Fischer Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Tahereh Mafi wurde 1988 in einer Kleinstadt in Connecticut, USA, geboren. Sie ist iranischer Abstammung und die Jüngste von fünf Geschwistern neben vier älteren Brüdern. Ihr Debütroman ›Shatter Me‹ (dt.: ›Ich fürchte mich nicht‹), der erste Band einer Trilogie, ist 2011 in den USA erschienen, wurde in über 30 Sprachen übersetzt und stand auf den Bestsellerlisten der New York Times und der USA Today. Mafi ist mit dem Filmemacher und Schriftsteller Ransom Riggs verheiratet und lebt mit ihrer Familie in Santa Monica, Kalifornien.

Quelle: Fischer Verlag https://www.fischerverlage.de/autor/tahereh_mafi/a4541853

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