Rezension Holly Ringland – Die verlorenen Blumen der Alice Hart

Rezension Holly Ringland – Die verlorenen Blumen der Alice Hart

Autor: Holly Ringland
Titel: Die verlorenen Blumen der Alice Hart
Herausgeber: Limes Verlag / Verlagsgruppe Randomhouse 
Datum der Erstveröffentlichung: 22. Juli 2019
Buchlänge: 512 Seiten
Titel der Originalausgabe:  The Lost Flowers of Alice Heart
ISBN: 978-3-8090-2694-5
Preis: HC 20,00€ / eBook 15,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Die neunjährige Alice Hart lebt mit ihren Eltern in einem abgelegenen Haus an der Nordostküste Australiens, wo sie im bezaubernden Blumengarten ihrer Mutter Schutz vor den düsteren Stimmungen ihres Vaters findet. Als ein Feuer ihr das Zuhause raubt, wird Alice von ihrer ihr bis dahin unbekannten Großmutter June aufgenommen. June leitet eine Blumenfarm, auf der sie Frauen, die einen schweren Schicksalsschlag verkraften mussten, Zuflucht bietet. Hier lernt Alice, die Sprache der Blumen zu nutzen, um die Dinge zu sagen, die sie nicht in Worte fassen kann. Doch June verbirgt etwas vor ihrer Enkeltochter, und bald schon erkennt Alice, dass es Wahrheiten gibt, die man nicht allein mithilfe der Blumen aussprechen kann. Wenn sie sich von der Vergangenheit befreien will, muss sie zuerst lernen, ihren eigenen Weg zu gehen …

Quelle: Randomhouse     

 

 

Jedes Buch bestehen aus Seiten und Worten, die den Leser mal mehr, mal weniger fesseln. Sie erzählen Geschichten voller Fantasie, unbarmherziger Realitäten oder lustigen Ereignissen und egal, wie verschieden sie doch sind, ein jedes löst etwas in uns aus.
Langeweile, Hass, Zustimmung, Gänsehaut, Liebe – was es auch ist, ein Stückchen bleibt immer an uns haften. Manche verändern das Leben, manche würde man am liebsten schnell wieder vergessen, aber Die verlorenen Blumen der Alice Hart ist definitiv kein Schubladenbuch, das zu letzter Kategorie zählt – denn es ist eine Schönheit. Von innen, wie auch von außen. Und genau mit dieser schleicht es sich leise in dein Herz um, einmal dort angekommen, seine ganze Kraft zu entfalten, um dort zu bleiben.

 

Man lebt das Leben vorwärts, aber verstehen kann man es nur rückwärts. 
(Seite 23)

 

Alice ist neun, als wir ihr zum ersten Mal begegnen. Zu diesem Zeitpunkt lebt sie, abgeschnitten von der Gesellschaft, mit ihrem gewalttätigen Vater und der unterdrückten Mutter an der Küste Australiens. Ihre Tage verbringt sie entweder unbeschwert im Blumengarten oder voller Sorge in ihrem Zimmer, bis eine Tragödie die Familie für immer auseinanderreißt. Von da an lebt Alice in der Obhut ihrer Großmutter June, von der sie bis dato überhaupt nicht wusste, dass sie überhaupt existiert. Doch auch June liebt die Blumen, hat sich als Leiterin sogar eine florierende Blumenfarm aufgebaut, und lebt dort mit einer Gruppe von traumatisierten Frauen zusammen. Nach einer schwierigen Eingewöhnung findet schließlich auch Alice eine Verbindung zu dieser Farm und ihren Bewohnerinnen, die ihr ein ungewohntes Gefühl des Trostes vermitteln. Im Laufe der Jahre entwickelt sie sogar selbst eine einzigartige Begabung bei der Aufzucht der heimischen Pflanzen und lernt von ihrer Großmutter die Fähigkeit, die Sprache der Blumen zu sprechen.
Doch je mehr Alice zu sich selbst findet, desto schneller holen sie auch die Lügen und Geheimnisse der Vergangenheit ein, bis sie von einem geliebten Menschen verraten wird und die Flucht von der Farm für sie unausweichlich wird. 

Holly Ringland hat mit Die verlorenen Blumen der Alice Hart eine einzigarte, metamorphe Geschichte geschrieben, die mir buchstäblich den Atem geraubt hat. Angefangen bei den wunderschönen schwarz-weiß Drucken der einheimischen australischen Pflanzen und deren Bedeutung, mit denen jedes Kapitel eröffnet wurde, bis hin zum inneren Kampf der Hauptfigur Alice, die mit diesen Pflanzen eng verwoben ist.
Der Schreibstil ist leb- und bildhaft und sie bemüht sich, ihren Charakteren so viel Herz und Seele zu verleihen, wie nur irgend möglich. Ich fühlte, was sie fühlten – all das Gute, aber auch all das Schmerzhafte und Schlechte und gerade Alice, mit ihrem faszinierenden Lebensweg, hat sich oft direkt von den Seiten gelöst und stand genau neben mir.
Als Leser verfolgt man sie über einen Zeitraum von ungefähr 20 Jahren und so entwickelte ich auch ein ziemlich gutes Gespür für ihre Figur.  Ich trauerte mit ihr, teilte ihre Ängste, fühlte ihre Fortschritte, verliebte mich in sie und schrie sie an, als die Fehler machte.

Auch die Umgebung und die wechselnden Landschaften sind detailreich beschrieben und bilden für mich das Herzstück der Geschichte. Von der Küste, zur ehr ländlichen Gegend der Blumenfarm, bis hin zur trocken Wüste erlebt man alles, als ob man selbst schon einmal dort gewesen ist.
Und nur so wird das teilweise doch sehr erdrückende Thema von Verlust, häuslicher Gewalt und verlorener Liebe überhaupt erträglich, selbst wenn es natürlich auch um Akzeptanz, Selbstverwirklichung und Hoffnung geht. 

Und so möchte ich möglichst viele Leser bitte, ihre Herzen für Alice zu öffnen. Lest ihre Geschichte. Weint mit ihr, aber erfreut euch ebenso am Leben, wie sie es  tut.
Dieses Buch lässt vieles zu, wenn ihr es zulasst.

 

 

Die verlorenen Blumen der Alice Hart ist eine kraftvolle, intensive, zarte und emotionale Geschichte, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Absolute Leseempfehlung!

 

♥ Vielen Dank an den Limes Verlag der Verlagsgruppe Randomhouse für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin 

Holly Ringland wuchs wild und barfuß im tropischen Garten ihrer Mutter im Norden Australiens auf. Als sie neun Jahre alt war, bereiste ihre Familie zwei Jahre lang in einem Wohnmobil die Nationalparks Nordamerikas – eine Erfahrung, die den Grundstein legte für Holly Ringlands großes Interesse an Kulturen und Geschichten. In ihren Zwanzigern arbeitete sie vier Jahre lang in einer abgeschiedenen indigenen Gemeinschaft im australischen Outback. Später zog sie nach England, um an der Universität von Manchester Kreatives Schreiben zu studieren. Die Autorin lebt heute abwechselnd in Großbritannien und Australien.

Quelle: Randomhouse   

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