Rezension Dirk Kummer – Alles nur aus Zuckersand

Rezension Dirk Kummer – Alles nur aus Zuckersand

Autor: Dirk Kummer
Titel: Alles nur aus Zuckersand
Herausgeber: Carlsen Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 30. August 2019
Buchlänge: 144 Seiten
ISBN: 978-3-551-55390-4
Preis: HC 12,00€ / eBook 7,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Für Fred und seinen besten Freund Jonas ist jeder Tag ein Abenteuer. Am liebsten spielen sie in der verlassenen Fabrik, ganz in der Nähe der Grenze zu West-Berlin. Doch als bekannt wird, dass Jonas‘ Mutter einen Ausreiseantrag gestellt hat, werden die beiden aus ihrem unbeschwerten Alltag gerissen. Ab sofort dürfen sie sich nicht mehr treffen. Aber die Freunde haben einen Plan: Heimlich fangen sie an, einen Tunnel in den Brandenburger Sand zu graben. Auch wenn Jonas die DDR verlässt, werden sie sich wiedersehen. Ganz sicher.

Quelle: Carlsen Verlag 

 

 

Ich weiß nicht inwiefern ihr euch noch an die Spaltung von Deutschland in DDR und BRD erinnern könnt, aber in meinem Kopf ist sie fest verankert. Zwar bin ich im Westen aufgewachsen und habe von drüben nicht wirklich viel mitbekommen (dazu war ich auch zu jung), aber an die Grenzöffnung und dem danach erinnere ich mich noch deutlich.
Ich weiß, dass ich ungern in den ehemaligen Osten gefahren bin. Alles hat komisch gerochen, alles war schmutziger und merkwürdiger als bei uns zu Hause und den Drang, den meine Eltern damals verspürt haben dort einzukaufen, war mir fremd.
Aber ich konnte durchaus nachvollziehen, warum es für viele zu dieser Zeit ein Wunsch war die DDR hinter sich zu lassen und in die BRD zu ziehen, auch wenn das für die Menschen dort vor der Wiedervereinigung ungeheuerlich gefährlich war – denn wer es wagte, einen Ausreiseantrag zu stellen, musste mit extrem negativen Folgen rechnen.
Zum einen war es mehr als ungewiss, ob und wann dieser Antrag überhaupt genehmigt wurde, zum anderen verloren diese Menschen, wenn auch “freiwillig“, mehr als nur ihr Zuhause. Der Job, oftmals auch ihr Ansehen und Freundschaften standen auf dem Spiel und selbst ihre Kinder wurden von den Lehrern und anderen Parteiltreuen gemobbt oder gar gemieden.
Und von dieser Zeit und einer ganz besonderen Freundschaft erzählt uns Dirk Kummer in seinem Buch Alles nur aus Zuckersand.
Hierbei greift der Autor auf viele Szenen seines preisgekrönten Film zurück, lässt das Ende aber wesentlich positiver ausfallen, als es ursprünglich der Fall war. 

Fred, der aus einem staatstreuen Elternhaus kommt und Jonas, dessen alleinerziehende Mutter Tischgebete spricht, sind seit jeher beste Freunde. Und auch wenn die beiden unterschiedlicher nicht sein könnten, halten sie doch zusammen wie Pech und Schwefel. Nichts kann sie trennen, bis Jonas Mutter einen Ausreiseantrag stellt, um zu ihrer Verwandtschaft in die BRD auszuwandern. Fred ist geschockt und will sich auf keinen Fall so einfach damit abfinden, aber wie sein Nachbar Kaczmareck immer so schön sagt, kann man im Kopf überall hinreisen.
Also beschießen die beiden Freunde einen Tunnel zu graben, der sie bis nach Australien führt und dort wollen sie sich wieder sehen. Bis dahin bleiben sie im Kopf verbunden, genau wie die Aborigines.

Ich empfand die Geschichte als sehr ergreifend und berührend und kann diese auch uneingeschränkt für ein jüngeres Publikum empfehlen. Ob Schul- oder interessiertes Kleinkind, Teenager oder Erwachsener, ein jeder kann mit diesem Buch etwas anfangen – nicht zuletzt weil es unsere Vergangenheit betrifft, die nicht vergessen werden soll und darf.
Schnell wird man von dem Buch gefangen genommen und verliert sich in den Ereignissen und Schilderungen rund um Fred und Jonas und ist tief traurig, als die Stunde des Abschieds für beide immer näher rückt.
Trotz der kindlichen Erzählweise fühlt sich diese ganze Dramatik auch für Erwachsene sehr bedrückend an, beraubt der real existierende Sozialismus der DDR ja damals diesen Kindern in Gewisser Weise auch ein Stück ihrer Freiheiten. Doch auch wenn die Schwere dieser Zeitgeschichte einen das Herz schwer macht, baut Dirk Kummer in Alles nur aus Zuckersand keine Botschaften oder gar Belehrungen ein. Er setzt kein Mahnmal, um zu zeigen wie schlecht es den Leuten damals ging, sondern schenkt uns eine wunderschöne Momentaufnahme zweier Freunde, die auch keine Mauer trennen kann. 

 

 

Wenn allein die Fantasie schier unüberwindbare Grenzen bezwingt, dann spreche ich von einem gelungenen Buch und in diesem besonderen Fall natürlich von Alles nur aus Zuckersand.
Eine klare Leseempfehlung für eine wunderbare und bewegende Geschichte voller Freundschaft und Hoffnung!

 

 

♥ Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor

Dirk Kummer, geboren 1966, verlebte seine Kindheit in Falkensee und Ost-Berlin. Er ist ein bekannter Regisseur und Drehbuchautor. Sein Film »Zuckersand« wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Grimme-Preis 2018. Dirk Kummer lebt heute in Brandenburg.

Quelle: Carlsen Verlag   

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