Rezension Tamsin Calidas – Vor mir nichts als das Meer

Rezension Tamsin Calidas – Vor mir nichts als das Meer

Autor: Tamsin Calidas
Titel: Vor mir nichts als das Meer
Herausgeber: HarperCollins 
Datum der Erstveröffentlichung: 24. November 2020
Buchlänge: 352 Seiten
Titel der Originalausgabe: I am an Island
ISBN: 9783749900213
Preis: HC 20,00€ / eBook 12,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

»Sie sind nicht von hier. Machen Sie sich keine allzu großen Hoffnungen. Es ist eine andere Welt dort draußen, nur Schafe und Bauern, und ansonsten nichts als Wasser.«
Ganz gleich, was die Maklerin sagt: Als Tamsin die Insel zum ersten Mal betritt, fühlt sie sich sofort zu Hause. Gemeinsam mit ihrem Mann lässt sie das hektische Londoner Leben hinter sich und zieht auf die Äußeren Hebriden. Eine Weile leben sie das erhoffte Idyll, doch schließlich bleibt Tamsin allein und mittellos zurück. Völlig auf sich gestellt und auf die raue Natur und die Feindseligkeit der Inselbewohner zurückgeworfen, kämpft sie umso mehr dafür, zu bleiben und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Quelle: HarperCollins

 

 

 

Ein Haus am Meer, der erste Blick nach dem Aufstehen auf eben jenes gerichtet und sonst nichts als die wilde Natur um einen herum.
Für mich klingt das nach einem Traum, den mein Mann und ich uns hoffentlich irgendwann einmal erfüllen werden, doch dass solch ein Leben durchaus auch seine Schattenseiten hat, gerade wenn man zudem noch ein Leben auf einer Insel gewählt hat, dürfte fast jeden klar sein.
Inselbewohner sind ein Fall für sich, eine geschlossene Gemeinschaft, die sich über Generationen hinweg gefestigt hat und von ihnen akzeptiert zu werden, dauert manchmal länger als ein Leben. Und genau von solch einem Leben erzählt uns die Autorin Tamsin Calidas, die gemeinsam mit ihrem Mann Rab von London auf eine kleine, abgeschiedene Insel der Äußeren Hebriden gezogen ist.

Ich muss gleich zu Beginn meiner Rezension erwähnen, dass Vor mir nichts als das Meer nicht unbedingt ein Wohlfühlbuch ist. Zwar bekommt man wunderschöne Landschaftsbeschreibungen die einem die Schönheit der Insel vor Augen führen, aber gerade die erste Hälfte des Buches könnte für viele schwer zu verdauen sein.
Tamsin und Rab sind gerade erst in ihrem erworbenen Croft angekommen und beginnen mit den Renovierungsarbeiten des baufälligen Hauses, als sie die ersten Kontakte mit den Inselbewohnern knüpfen. Nicht alle sind ihnen sofort freundlich gesinnt, viele wissen zunächst nichts mit den Stadtmenschen anzufangen und so entwickeln sich Stück für Stück die ersten Probleme. Das Ehepaar fühlt sich ausgegrenzt und lebt fast vollkommen isoliert in einem Wohnwagen, da das Hauptgebäude noch nicht bewohnbar ist. Es vergehen Monate, bis eine Internetverbindung steht und ihre Möbel geliefert werden und in dieser Zeit stoßen die beiden oft an ihre Grenzen.
Themen wie häusliche Gewalt, Fehlgeburten und Diskriminierung belastet das Leben von Tamsin und Stück für Stück verliert sie dabei auch die Beziehung und das Vertrauen zu ihrem Mann.
Es dauert lange, bis die ersten hellen Funken am Horizont erscheinen und Tamsin wenigstens zwischendurch einmal durchatmen kann, doch wie gesagt, der Weg dorthin ist hart. Es läuft nicht so, wie das Ehepaar es sich vorgestellt hat, und als dann auch noch das Geld knapp wird, wächst die Unzufriedenheit und die Aggression von Rab bis eines Tages alles eskaliert.

Vor mir nichts als das Meer zehrt an den Kräften der Leser wie das einsame Leben an Tasmin, denn es fordert die volle Aufmerksamkeit und verschont uns nicht mit traurigen, erschreckenden oder verstörenden Geschehnissen. Zwischendurch musste ich das Buch sogar kurz zuklappen, weil ich es einfach nicht mehr ertragen konnte.
Man fühlt sich kalt, traurig und völlig erschöpft, aber das ist auch genau das, was diese Lektüre ausmacht: Man fühlt alles. Jede Gefühlsregung von Tasmin ist dadurch unglaublich nachvollziehbar und real und man muss durchaus eine ähnliche Zähheit wie die Autorin an den Tag leben, um überhaupt bis zum Ende durchzuhalten.

Nicht jedes Handeln versteht man, es gibt kein typisches Happy End, das einen völlig glückselig zurücklässt und trotzdem hat mich dieses Buch berührt, wie kaum ein anderes.
Man könnte fast sagen: Ich habe es nicht gelesen, sondern gefühlt.

 

 

 

Vor mir nichts als das Meer ist der Lebensbericht einer Frau, die zusammen mit ihrem Mann London verlässt, um auf die schottischen Hebriden zu ziehen.

Das Buch verlang einem vieles ab, löst nicht nur positive Gefühle aus, aber trotzdem habe ich es sehr genossen – nur der Wunsch auf einer Insel zu leben ist etwas abgeflaut.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

 

 

♥ Vielen Dank an den HarperCollins Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Tamsin Calidas ist eine britische Autorin und Fotografin. Sie hat in der Werbung, im Verlagswesen und für die BBC in London gearbeitet, bevor sie 2004 alles aufgab, um auf eine kleine abgeschiedene Insel der Äußeren Hebriden zu ziehen. Dort lebt sie in einem brachliegenden Bauernhaus und betreibt eine Pferde- und Schafzucht.

Quelle: HarperCollins

 

 

 

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