Rezension Elizabeth Strout – Die langen Abende

Rezension Elizabeth Strout – Die langen Abende

Autor: Elizabeth Strout
Titel: Die langen Abende
Herausgeber: Luchterhand Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 16. März 2020
Buchlänge: 352 Seiten
Titel der Originalausgabe: Olive, Again
ISBN: 978-3-630-87529-3
Preis: HC 20,00€ / eBook 12,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

In Crosby, einer kleinen Stadt an der Küste von Maine, ist nicht viel los. Und doch enthalten die Geschichten über das Leben der Menschen dort die ganze Welt. Da ist Olive Kitteridge, pensionierte Lehrerin, die sich auch mit siebzig noch in alles einmischt, so barsch wie eh und je. Da ist Jack Kennison, einst Harvardprofessor, der ihre Nähe sucht. Beide vermissen ihre Kinder, die ihnen fremd geworden sind, woran Olive und Jack selbst nicht gerade unschuldig sind … Ein bewegender Roman, der von Liebe und Verlust erzählt, vom Altern und der Einsamkeit, von Momenten des Glücks und des Staunens.

Quelle: Luchterhand Verlag

 

 

 

Irgendwo auf Instagram habe ich mal gelesen, dass Elizabeth Strout eine sehr feinfühlige Autorin sein soll, wenn es um die Beobachtung der Spezies Mensch geht und dass sich das wunderbar auf die Protagonisten ihrer Bücher auswirkt. Und kurze Zeit darauf wurde mir Die langen Abende von ihr empfohlen und da ich momentan eh sehr gerne genau solche Geschichten lese, dachte ich mir, warum nicht?
Kurz zusammengefasst erzählt sie hier von der Liebe im Alter und von Menschen, die jahrelang unausgesprochene Gefühle mit sich herumtragen, was sie in meinen Augen irgendwie ratlos und hilfsbedürftig erscheinen lässt.
Was ich vorher nicht wusste: Diese Gefühle übertragen sich auch extrem auf den Leser oder zumindest auf mich.

Olives Mann ist gestorben, doch das Leben geht weiter und so schreitet sie in eine neue Beziehung mit Jack, einem dickbäuchigen Witwer, der einst ein Professor in Harvard gewesen war und ebenso einsam ist wie sie. Die beiden fangen von vorne an und obwohl sie schon Mitte 70 sind ziehen sie zusammen und heiraten, zanken sich war ab und an auch und denken dann an ihre verstorbenen Partner, aber meist sind sie glücklich. Sie haben Geld, Reisen viel und auch wenn die Beziehung zu Olives Sohn und dessen Familie nicht die Beste ist, will sie ihn trotzdem einladen, und ein paar Tage mit ihm verbringen. Auch Jack hat gewisse Probleme mit seiner Tochter, denn er kommt nicht damit klar, dass sie mit einer Frau zusammen ist, möchte sich aber dennoch mit ihr versöhnen.

Doch Olive und Jack sind nur zwei, wenn auch die zentralen Protagonisten der verschiedenen, miteinander verwobenen Geschichten und besonders Olive taucht in fast jeder Episode auf.
Manchmal steht sie im Zentrum, manchmal läuft sie auch nur am Rande durchs Bild, wenn sie beispielsweise eine ihrer ehemaligen Schülerinnen oder Bekannte trifft. Dadurch werden die verschiedenen Innen- und Außenwahrnehmung der Personen immer wieder gegeneinandergesetzt und man schaut auf sie aus immer wieder anderen Blickwinkeln.
Manche der Figuren erscheinen nur ein einziges Mal, andere sind in einer Geschichte der Mittelpunkt und nur Randfiguren in anderen.
Und genau das war auch der Knackpunkt bei mir: Ich konnte mich nicht wirklich auf die Charaktere einlassen, da Elizabeth Strout mehreres zugleich erzählt. Es geht um Streit, Fremdgehen, Krankheit, sexuelle Belästigung, Depressionen und Alkoholismus. Nichts wird ausgelassen, oft suchte ich den Funken Freude und Helligkeit in ihren Geschichten, aber der kam einfach nicht.

Normalerweise habe ich damit so gar keine Probleme, denn ich liebe diese Vielfalt und die Vielzahl an unterschiedlichen Typen sehr, aber wenn keiner von ihnen richtig in meinem Herzen ankommt, wirken sie schnell austauschbar und in gewisser Weise auch nervig.
Mir fehlte es schlicht und ergreifend an Tiefe und an Mitgefühl, zumal keiner von ihnen wirklich sympathisch rüberkam und oftmals haben mich ihre Geschichten einfach nur runtergezogen. Allen voran die von Olive.
Ja, sie ist hilfsbereit und in gewisser Weise auch liebenswürdig, aber auch sehr nervig, ruppig und barsch. Und vielleicht soll mir das ja verdeutlichen, dass man nicht Everybody’s Darling sein muss, um sich selbst zu verwirklichen, gerade im Alter, aber so wirklich darauf einlassen konnte ich mich trotzdem nicht.
Kurzum, der Funke ist nicht übergesprungen und da half auch der einnehmende Schreibstil nichts.

 

 

 

Mit Die langen Abende von Elizabeth Strout hatte ich auch wirklich lange Abende – leider nicht im positiven Sinn.
Wortkarge Dialoge, wenig sympathische und blutleere Figuren, bedrückende Hoffnungslosigkeit – so etwas wie Lebensfreude ist kaum zu erkennen.
Das Buch ist voll von Menschen, die ich als Leser nicht wirklich kennen möchte und so kann ich dem Roman nicht wirklich eine positive Note abgewinnen.

Schade, denn viele lieben dieses Buch, ich jedoch, gehöre nicht dazu.

 

 

♥ Vielen Dank an den Luchterhand Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Elizabeth Strout wurde 1956 in Portland, Maine, geboren. Für ihren Roman »Mit Blick aufs Meer« bekam sie 2009 den Pulitzerpreis. »Die Unvollkommenheit der Liebe« wurde für den Man Booker Prize 2016 nominiert. »Alles ist möglich« wurde 2018 mit dem Story Prize ausgezeichnet, erhielt ein überwältigendes Presseecho in den USA und stand in allen großen Medien auf den Empfehlungslisten. Die Übersetzungsrechte ihres neuen Romans wurden in bisher 17 Länder verkauft. Elizabeth Strout lebt in Maine und in New York City.

Quelle: Luchterhand Verlag

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