Rezension Agatha Christie – Mord im Orientexpress

Rezension Agatha Christie – Mord im Orientexpress

Autor: Agatha Christie
Titel: Mord im Orientexpress
Herausgeber: Atlantik Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 08. September 2014
Buchlänge: 256 Seiten
Titel der Originalausgabe: Murder on the Orient Express
ISBN: 978-3-455-65001-3
Preis: HC 14,00€ / eBook 8,99€
Erwerben

 

♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Nach einigen Mühen hat Hercule Poirot ein Abteil im Kurswagen Istanbul – Calais des Luxuszugs ergattert. Doch auch jetzt ist ihm keine Ruhe vergönnt: Ein amerikanischer Tycoon ist ermordet worden, der ganze Zug voller Verdächtiger. Und der Mörder könnte jederzeit wieder zuschlagen. Eine Aufgabe, wie gemacht für den Meisterdetektiv.

Quelle: Atlantik Verlag

 

 

 

Ich denke der Titel Mord im Orientexpress ist vielen ein Begriff. Selbst wenn man vorher noch nie etwas von Agatha Christie gelesen haben sollte, weiß man einfach, dass dieses Buch und einige Verfilmungen davon existieren.
Und in meinen Augen ist das auch vollkommen gerechtfertigt, denn es ist bestimmt nicht nur für mich ein berühmt-berüchtigter Klassiker unter den zahlreichen Krimis der Autorin, der trotz seines Alters einfach keinen Staubschicht ansetzen will, sondern bislang auch eines der besten Bücher, die ich je von der Queen of Crime lesen durfte.

 

Der Privatdetektiv Hercule Poirot steigt an einem Wintermorgen in Aleppo in den Taurus-Express nach Istanbul, wo er sich vor seiner Weiterreise nach Europa ein paar Tage lang erholen und umsehen möchte. Mit ihm reisen nur zwei Engländer, die junge Gouvernante Mary Debenham und Colonel Arbuthnot, ein Oberst aus Indien. Zu Poirots Glück nehmen die beiden den kleinen Belgier mit seinem ulkigen Schnurrbart nicht ganz für voll, denn so entgeht diesem nicht das kleinste Detail: Offenbar kennen die beiden einander besser, als sie sich nach außen hin anmerken lassen wollen, und im Lauf der Reise wird die junge Dame zusehends immer nervöser. Als der Zug wegen einer Panne kurzzeitig zum Stehen kommt reagiert sie panisch, als hinge ihr Leben davon ab, den Anschlusszug in Istanbul nicht zu verpassen.
Nach seiner Ankunft in einem Istanbuler Hotel verliert Poirot die beiden vorerst aus den Augen, jedoch erwartet ihn ein Telegramm, das ihn unverzüglich nach London zurückbeordert. Er bittet den Portier, ihm einen Schlafwagen im Orientexpress von Istanbul nach Calais zu reservieren, aber kurz vor Poirots Abfahrt stellt sich heraus, dass der Zug an diesem Abend fast völlig ausgebucht ist. Glücklicherweise kann Monsieur Bouc, Direktor der Internationalen Schlafwagengesellschaft, seinem Freund mit Mühe einen Schlafplatz in der zweiten Klasse besorgen, doch Poirots Abteilgenosse, der der junge Amerikaner MacQueen, scheint wenig begeistert, dass er das Abteil nun nicht mehr für sich allein hat.
Am Tag darauf isst der Detektiv mit seinem Freund im Speisewagen zu Mittag und lernt dort, wenn auch größtenteils nur von Weitem, die übrigen Fahrgäste kennen. Bis sich überraschend ein unsympathisch wirkender Mann namens Ratchett an Poirot wendet und versucht, ihn für mehrere tausend Dollar zu seinem Schutz zu engagieren, da er um sein Leben fürchtet. Poirot lehnt unter Protest ab.
In der Nacht kommt es abermals zu einem ungeplanten Stopp, denn durch eine Schneewehe steckt der Zug auf den Gleisen in Jugoslawien fest und auch in den Abteilen der anderen Passagiere herrscht kaum Ruhe, weshalb Poirot kaum schlaf findet. Und diese Unruhe führt sich am nächsten Morgen fort, als Monsieur Bouc dem Detektiv mitteilt, dass Ratchett erstochen in seinem Bett vorgefunden wurde – und der Mörder muss sich noch im Zug befinden.
Poirot übernimmt den Fall, muss jedoch bald feststellen, dass nicht nur der Tatort und die Leiche selbst einige Fragen aufwerfen. Und so lässt er einen Fahrgast nach dem anderen zum Verhör im Speisewagen antreten und dabei fällt ein Kartenhaus aus Lügen und vorgetäuschten Identitäten nach und nach in sich zusammen.

 

“Das ist ein richtig schöner Satz“, meinte Poirot.
“Das Unmögliche kann nicht geschehen sein, folglich muss das Unmögliche, allem Anschein zum Trotz, eben doch möglich sein.“

(Seite 156)

 

Was mir zu Beginn von Mord im Orientexpress besonders gut gefallen hat ist die Tatsache, dass sich Agatha Christie diesmal ungewöhnlich viel Zeit gelassen hat, bis sie ihren Meisterdetektiv an den Ort des Geschehens bugsiert. Auch bis zum eigentlichen Mord vergehen einige Seiten, auf denen der Leser mit den Umständen von Poirots Reise vertraut wird und er einmal mehr seine exzellente Beobachtungsgabe zur Schau stellen darf, als er endlich den titelgebenden Orientexpress besteigt. Noch ahnt er nicht, wie nah er seinem nächsten Fall bereits ist, aber schließlich dauert es nicht mehr lange und die Leiche des unsympathischen Ratchett wird gefunden.
Umgeben von einer Schar aus Verdächtigen, die allesamt unschuldig wirken, muss Poirot nun jede seine grauen Zellen nutzen, um dem Täter auf die Spur zu kommen und wie nicht anders zu erwarten, hätte ich nie mit diesem Ausgang gerechnet.

Wie gewohnt, lässt Christie ihren Ermittler auch dieses mal wieder sehr systematisch vorgehen und teilt jeden seiner Schritte in kurze und spannende Kapitel ein. So bekommen zudem auch die 12 Verdächtigen ihre eigene Überschrift, was bei der großen Anzahl durchaus von Vorteil ist, da man sich perfekt orientieren kann.
Die schillernden Fahrgäste des Orientexpresses versprühen ihren ganz eigenen, für mich sehr angenehmen Charme und trotz der Kürze der Erzählung schafft es Christie, ihnen ein passendes und glaubwürdiges Gesicht zu verleihen. Man spürt die Gruppendynamik im Zug, die aufgebrachten Gemüter und nicht zuletzt auch die beflissene Beherrschung und das vorsichtige Abtasten ihres Gegenübers.
Poirot bleibt dabei ganz Poirot und lässt sich von nichts so leicht aus seiner stoischen Ruhe bringen. Ganz Meisterdetektiv breitet er alle Indizien vor sich aus, schließt Unmögliches aus, um an das Unmögliche zu glauben und kommt der Lösung Kapitel für Kapitel näher.
Und obwohl der Tathergang im Nachhinein betrachtet deutlich auf der Hand lag, habe ich mich wieder einmal wie Poirots unwissender Freund Hastings gefühlt, der zwar diesmal nicht mit von der Partie war, mir aber ausnahmsweise auch nicht gefehlt hat.

Eine kleine Bemerkung am Rande:
Nach dieser Lektüre habe ich mir endlich auch die Neuverfilmung mit Johnny Depp und Judi Dench zu Gemüte geführt und war leider maßlos enttäuscht. Weder die Darstellung von Poirot, noch der Geschichtenverlauf konnten mich auch nur ansatzweise überzeugen und ich werde es wohl in den nächsten Tagen nochmal mit der Verfilmung aus dem Jahr 1974 versuchen – die soll wohl deutlich besser sein.

 

 

Mord im Orientexpress hat meine eh schon sehr hohen Erwartungen um Längen übertroffen. Ein absoluter Krimiklassiker mit hohem Unterhaltungswert, der sich unheimlich interessant, spannend und amüsant lesen lässt.

Absolute Leseempfehlung!

 

 

♥ Vielen Dank an den Atlantik Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind – auch durch die Verfilmungen – einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.

Quelle: Atlantik Verlag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.