Rezension Fabio Geda – Ein Sonntag mit Elena

Rezension Fabio Geda – Ein Sonntag mit Elena

Autor: Fabio Geda
Titel: Ein Sonntag mit Elena
Herausgeber: Hanser Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 17. August 2020
Buchlänge: 240 Seiten
Titel der Originalausgabe:  Una Domenica
ISBN: 978-3-446-26795-4
Preis: HC 20,00€ / eBook 15,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Einst reiste er als Ingenieur um die Welt und baute riesige Brücken. Nach dem Tod seiner Frau aber ist es still geworden in der Turiner Wohnung am Fluss. Sein Sohn lebt in Finnland, mit der jüngeren Tochter hat er keinen Kontakt, nur die älteste sieht er ab und zu mit ihrer Familie. An einem Sonntag kocht der ältere Mann ein traditionelles Mittagessen für sie. Doch sie sagt kurzfristig ab. Im Park lernt er Elena und ihren Sohn kennen und lädt sie spontan zum Essen zu sich ein. Diese zufällige Begegnung wird alle drei für immer verändern.
Eine Geschichte voller Zuversicht und Wärme, die ein stilles Glück in den Herzen zurücklässt.

Quelle: Hanser Verlag 

 

 

 

Hat sich bei euch aus einer zufälligen Begegnung mit einem völligen Fremden schon mal eine unerwartet tolle Unterhaltung entwickelt? Vielleicht ist daraus sogar eine Freundschaft entstanden, die bis heute anhält?
Da ich ziemlich schüchtern bin, kam ich bis dato noch nicht wirklich in eine solche Situation – außer Smalltalk über das Wetter hat sich also nicht wirklich etwas erwähnenswertes ergeben.
Anders hingegen ergeht es allerdings den Charakteren in Ein Sonntag mit Elena von Fabio Geda, das im August im Hanser Verlag erschienen ist und so überraschend, wie interessante Gespräche manchmal entstehen, hat mich das Buch einfach nur in seinen Bann gezogen.

 

An einem Sonntag in Turin bricht in der Wohnung des verwitterten Mannes, der einst als Ingenieur Brücken in er ganzen Welt baute, das Chaos aus, denn er hat sich vorgenommen, für seine älteste Tochter und deren kleine Familie zu kochen. An so einem besonderen Tag darf es natürlich auch nur Leibspeisen geben, uns so kocht er, nach den Rezepten seiner verstorbenen Frau, alles auf, was ihm in den Sinn kommt. Und dann kommt ein Anruf: Es ist ein Unfall passiert, nichts lebensbedrohliches, aber seine Tochter kann nicht kommen. Besorgt und doch enttäuscht macht er sich, der übertriebenen Menge an zubereiteten Speisen überdrüssig, auf den Weg in einen Park, in dem er auf Elena und ihren Sohn Gaston trifft. Sie unterhalten sich, tauschen sich aus und da ihm plötzlich das Essen wieder in den Sinn kommt, lädt er die beiden einfach spontan zu einem Mittagessen zu sich nach Hause ein. Doch das diese Begegnung Spruen im Leben aller Beteiligten hinterlassen wird, ahnen sie in diesem Moment noch nicht.

 

Wer hinter dieser Geschichte nun eine kitschige Lovestory erwartet, liegt meines Erachtens zum Glück komplett daneben, denn wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt von Liebe sprechen kann, dann von der innerhalb einer Familie.
Die komplette Handlung wird aus der Sicht der jüngsten Tochter Giulia erzählt, die anders als ihre ältere Schwester Sonja und ihr Bruder Alessandro überhaupt keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater pflegt. Zwar hat er einst die kompliziertesten Brücken erschaffen, aber die zu seiner Tochter scheint zerbrochen.

 

Eine neue Eintracht verband uns, die die alten Unstimmigkeiten zwar nicht kleiner, aber handhabbarer machte. Es ging nicht darum, zu begraben und zu vergessen: sondern zu verzeihen.
(Seite 219)

 

Obwohl das Buch nur 240 Seiten lang ist, umfasst es durch die immer wiederkehrenden Rückblenden doch das ganze Leben der Familie und so erfährt man nicht nur von den schönen Momenten, sondern auch von den tragischen und denen, in der ihr Vater häufig Abwesend war. Immer wieder springt man von Erinnerung zu Erinnerung und wieder zurück zu dem zentralen Sonntag, was mich aber keinesfalls verwirrt hat, denn so lernt man das Beziehungsgeflecht eben jener erst zu verstehen.

Man sieht einen Vater, der sein bisheriges Leben mehr weg als da war und die Liebe zu seiner Familie nie so recht zum Ausdruck bringen konnte. Man erfährt, welche Wege die mittlerweile erwachsenen Geschwister eingeschlagen haben, von denen nur eins ihren Vater gelegentlich besucht. Und so steht genau dieser an jenem Sonntag als trauriger Mann da, dessen erstmaliger Versuch, ein Mittagessen zuzubereiten, vergeblich gewesen zu sein scheint.
Doch die zufällige Begegnung mit Elena und Gaston gibt diesem tristen Tag eine erfreuliche Wendung und es war einfach wunderschön mitzuerleben, wie sehr es jeden einzelnen geprägt hat.
Die Geschichte strahlt eine wohlige Wärme voller Glück und Erinnerungen aus und beinhaltet dabei mehr als nur einen Sonntag oder ein einfaches Mittagessen. Es geht weit darüber hinaus und ich war von Anfang bis Ende einfach nur gerührt und ergriffen.
Jetzt muss ich mir definitiv auch die anderen Bücher von Fabio Geda etwas genauer anschauen.

 

 

Ein Sonntag mit Elena ist ein Buch über die Leere im Leben und die, die sie hinterlassen haben. Über Familie, das Altern, dem Loslassen und dem Verzeihen. Wunderschön und einfühlsam geschrieben, schnell zu lesen, aber bestimmt noch lange in meinem Gedächtnis.
Von mir gibt es darum auch eine klare Leseempfehlung.

 

 

♥ Vielen Dank an den Hanser Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor
Fabio Geda, 1972 geboren, arbeitete viele Jahre mit Jugendlichen und schrieb für Zeitungen. Bereits sein erster Roman Emils wundersame Reise war in Italien ein Überraschungserfolg; das Buch Im Meer schwimmen Krokodile brachte ihm international den Durchbruch und stand auch in Deutschland auf der Bestsellerliste. Fabio Geda lebt in Turin.

Quelle: Hanser Verlag

 

 

 

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