Rezension Andreas Izquierdo – Schatten der Welt

Rezension Andreas Izquierdo – Schatten der Welt

Autor: Andreas Izquierdo
Titel: Schatten der Welt
Herausgeber: Dumont Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 21. Juli 2020
Buchlänge: 544 Seiten
Titel der Originalausgabe:
ISBN: 978-3-8321-6498-0
Preis: Broschiert 16,00€ / eBook 12,99€
Erwerben

 

♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Thorn in Westpreußen, 1910. Der schüchterne Carl, der draufgängerische Artur und die freche Isi sind frohen Mutes, dass der Ernst des Lebens noch ein wenig auf sich warten lässt. Nicht einmal die Nachricht, dass ein Komet namens »Halley« die Menschheit zu vernichten droht, kann die drei Jugendlichen schockieren. Im Gegenteil – ungerührt verkaufen sie Pillen gegen den Weltuntergang, während Halley still vorbeizieht.
Doch das Erwachsenwerden lässt sich nicht aufhalten: Carl beginnt eine Ausbildung zum Fotografen, Artur und Isi werden ein Paar. Als 1914 die große Weltpolitik über sie hineinbricht, reißt es die Freunde auseinander. Artur und Carl werden eingezogen, fernab der Heimat werden die beiden Teil eines Kriegs, der jede Vorstellungskraft sprengt. Derweil hat Isi zuhause in Thorn ganz andere Kämpfe auszufechten.
1918 ist der Krieg endlich vorbei. Nichts ist geblieben, wie es einmal war – und doch scheint ein Neuanfang möglich …
Mitreißend und mit viel Gefühl für seine Figuren erzählt Andreas Izquierdo die Geschichte dreier Jugendlicher, die in den Wirren des frühen 20. Jahrhunderts ihren Weg suchen. ›Schatten der Welt‹ ist Abenteuerroman, Coming-of-Age-Geschichte und spannender historischer Roman zugleich.

Quelle: Dumont Verlag

 

 

 

Normalerweise habe ich zu historischen Romanen ein Verhältnis wie zu Kümmel – ich akzeptiere seine Existenz, würde das Gewürz aber selbst nie in die Hand nehmen.
Aber vielleicht sollte ich diesen Körnern doch irgendwann nochmal eine Chance geben, denn möglicherweise ist eines dabei, dass mich komplett umstimmt, so wie es Schatten der Welt von Andreas Izquierdo getan hat.

 

Im Jahr 1910 wohnt der 13-jährige Carl Friedländer als einziger Sohn seines jüdischen Vaters in Thorn in Westpreußen. Dem baldigen Ende seiner Schulzeit sieht er mit großen Bedauern entgegen – ganz im Gegensatz zu seinem besten Freund Artur, der bereits große Geschäftspläne für die Zukunft schmiedet. Krumme Dinger drehen, das kann er, doch für seinen neuesten Einfall braucht er die Unterstützung von Carl. Denn als der Halleysche Komet der Erde in diesem Jahr so bedrohlich nahekommt, verkaufen die beiden, zusammen mit der furchtlosen Isi, der Thorner Bevölkerung Schutzmasken gegen allerhand mögliche Nachwirkungen. Der Umsatz spricht für sich und demnach haben die drei auch weiterhin großen Pläne für die Zukunft, die sie unbedingt zusammen verwirklichen wollen. Doch durch den Krieg kommt alles anders.

 

Um nochmal auf meine Kümmel-Theorie zurückzukommen: Ich habe beschlossen, dass der Roman Schatten der Welt so etwas, wie der Schwarzkümmel auf meinem Fladenbrot geworden ist, denn den liebe ich!

Andreas Izquierdo hat es geschafft seine Protagonisten von den Seiten zu haben und sie real werden zu lassen, so großartig war der Schreibstil und das Feingefühl, mit dem er seinen Figuren Leben eingehaucht hat.
Er lässt einem zwischen den Geschehnissen kaum eine Pause zum Durchatmen oder entspannen und obwohl das Buch knappe 540 Seiten fasst, habe ich diese innerhalb von zwei Tagen inhaliert.
Arthur, Luise, Carl und vor allem dessen Vater sind mir dabei unfassbar sehr ans Herz gewachsen und meine Sorge, einen der vier zu verlieren war immens.
Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr mich ihre Geschichte emotional mitgenommen hat und wie dankbar ich dem Autor bin, dass er sie mit uns geteilt hat.

Ich mochte die Dynamik, habe es geliebt, wie Carl seine ersten Erfahrungen mit der Fotografie sammeln durfte und es fast vor mir gesehen, als er die Gesichter beschrieb, die er dabei eingefangen hatte. Ich war zu Tränen gerührt, mit welcher Hinhabe er sich seiner Leidenschaft gewidmet hat und wollte am liebsten sofort meine eigene Dunkelkammer im Keller unseres Hauses errichten. Sein Enthusiasmus war ansteckend und so plastisch beschrieben, als stünde ich in jeder einzelnen Sekunde neben ihm.

 

Ich sah ihn wütend an: “Gott? Ich dachte, seit Mutters Tod glaubst du nicht mehr an Gott!“
Er schüttelte leicht den Kopf: “Das ist nicht richtig mein Junge. Ich bin nur wütend auf ihn.“
“Es reicht nicht, wütend zu sein!“
Sein Lächeln war gequält: “Aber wir haben nur das.“

(Seite 94)

 

Jedoch wurde mir von Seite zu Seite auch eines ganz deutlich, nämlich, dass ich hier nicht nur einen historischen Roman in den Händen halte, sondern auch eine Abenteuergeschichte, ein Drama, ja eine vielschichtige Perle, wie man sie nur selten findet.
Vom dummen Jugendstreich, über die krummen Geschäfte und einiger Jugendsünden bis hin zum ersten Weltkrieg und den Kämpfen im Schützengraben, stolpern die Figuren von einer Gefahr in die nächste und man fiebert mit jedem einzelnen Schicksal der drei Freunde mit. Man hofft auf Rettung und ein glückliches Ende, aber ob man das auch bekommt, lasse ich jetzt einfach einmal außen vor – schließlich will ich ja, dass ihr Buch selbst lest.
Auf einem anderen Blog habe ich aber bereits erfahren, dass eine Fortsetzung in Planung sein soll und insbesondere für Carl, dessen jüdische Herkunft mehr als einmal erwähnt wurde, erahne ich nichts Gutes.
Aber ich bin bereit. Andreas Izquierdo: Hau in die Tasten!

 

 

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man so eine Geschichte besser hätte erzählen können als es Andreas Izquierdo getan hat.
Das Buch schreit sowohl nach einer Verfilmung als auch nach einer Fortsetzung und selbst jetzt, Wochen nach dem Beenden, bin ich immer noch gedanklich bei den drei Freunden, denen ich von Herzen alles gute für die Vergangenheit wünsche.

 

 

♥ Vielen Dank an den Dumont Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor
Andreas Izquierdo ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Er veröffentlichte u.a. den Roman ›König von Albanien‹ (2007), der mit dem Sir-Walter-Scott-Preis für den besten historischen Roman des Jahres ausgezeichnet wurde, sowie ›Apocalypsia‹ (2010). Bei DuMont erschienen ›Das Glücksbüro‹ (2013) und der SPIEGEL-Bestseller ›Der Club der Traumtänzer‹ (2014). Zuletzt veröffentlichte er die Romane ›Romeo & Romy‹ (2017) und ›Fräulein Hedy träumt vom Fliegen‹ (2018). Andreas Izquierdo lebt in Köln.

Quelle: Dumont Verlag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.