Rezension Grégoire Delacourt – Die Frau, die nicht alterte

Rezension Grégoire Delacourt – Die Frau, die nicht alterte

Autor: Grégoire Delacourt
Titel: Die Frau, die nicht alterte
Herausgeber: Atlantik Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 07. August 2019
Buchlänge: 176 Seiten
Titel der Originalausgabe: La femme gui ne vieillissait pas
ISBN: 978-3-455-00651-3
Preis: HC 20,00€ / eBook 9,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Martine führt mit Ende zwanzig ein glückliches Leben. Sie hat studiert, mit André den Richtigen gefunden, ihn geheiratet und einen Sohn zur Welt gebracht. Die Zukunft ist für sie ein großes Versprechen. Doch als sie mit dreißig plötzlich aufhört zu altern, gerät alles ins Wanken. Was nach dem unerreichbaren Traum so vieler Frauen klingt, wird für Martine Wirklichkeit – und zu einer ungeahnten Zerreißprobe, auch für ihre Familie. Denn wer will für immer jung sein, wenn die Liebsten, die Freunde, die Verwandten, wenn alle anderen altern? Der neue Roman des Bestsellerautors Grégoire Delacourt ist eine mitreißende Parabel auf unser bizarres Streben nach ewiger Jugend, auf die Schönheit des Alters und die alles überwindende Kraft der Liebe.

Quelle: Atlantik Verlag 

 

 

 

Habt ihr Probleme mit eurem Alter? Sind bei euch vielleicht sogar schon erste Fältchen und vereinzelt graue Haare sichtbar?
Ich persönlich stehe gerade kurz vor meinem 37. Geburtstag und muss sagen, dass ich mich, zumindest innerlich, seit knapp 10 Jahren kaum verändert habe. Manchmal muss ich sogar überlegen, wie alt ich eigentlich bin, wenn ich spontan diese Frage gestellt bekomme, weil mein Alter keinen so hohen Stellenwert für mich hat. Glücklicherweise sieht man mir mein Alter aber auch kaum an, wenn ich den Meinungen von Außenstehenden Glauben schenken darf, denn letztens wurde ich sogar beim Besuch eines Arztes zusammen mit meiner Tochter gefragt, ob ich ihre ältere Schwester bin.
Klar ist das ein Kompliment, das runter geht wie Öl, aber selbst wenn solche Sachen ausbleiben würden, kann ich doch behaupten, dass ich mich aufs älter werden freue. Mein gesamter Körper arbeitet schließlich schon mehr als ein viertel Jahrhundert für mich und das darf man ihm auch gerne ansehen.
Wie aber fühlt es sich an, für immer jung zu sein? Nichts dagegen tun zu können, wenn sogar das eigene Kind bald älter aussieht als man selbst? Nun, diesen Fragen geht Autor Grégoire Delacourt nach, denn seine Protagonistin Martine muss sich genau diese in seinem Roman Die Frau, die nicht alterte stellen.

Martines Leben verläuft genauso, wie sie es sich immer vorgestellt hat: Ihr Studium ist abgeschlossen, mit André hat sie den Mann fürs Leben gefunden und zusammen mit dem gemeinsamen Sohn führt die Familie ein erfülltes Leben – bis Martine an ihrem 30. Geburtstag aufhört zu altern. Dokumentiert wird das Ganze durch Fabrice, einem Freund der Familie, der für sein Fotoprojekt „Die Zeit“ jedes Jahr ein Foto von ihr aufnimmt und in diesem Vergleich lässt sich die Wahrheit nicht leugnen: Martines Gesicht verharrt in ewiger Jugend. Anfangs nimmt sie das Ganze noch gelassen, doch als an ihrem Mann die Jahre nicht einfach spurlos vorbei gehen und er sie fragt: Wollten wir nicht gemeinsam altern, offenbaren sich immer mehr Probleme.

 

Wir saßen an diesem Abend noch Stunden beisammen, waren glücklich.
Aber das Glück, das weiß jedes Kind, ist ein wunderlicher Gast. Manchmal verlässt es den Tisch ohne Vorwarnung, ohne Grund.

(Seite 59)

 

Welchen Wert hat das Älterwerden und wie verändert sich eine Beziehung, wenn dieser Prozess nur von einem Partner durchlebt wird?
Der Franzose Grégoire Delacourt hat darüber ein teilweise vergnügliches, teilweise aber auch sehr wehmütiges Buch geschrieben, das mich von der ersten bis zur letzten Seite sehr nachdenklich gestimmt hat.
Ich glaube, es ist spätestens seit meiner Rezension zu Das Leuchten in mir kein Geheimnis mehr, dass ich dem Schreibstil dieses genialen Autors verfallen bin. Seine Worte und Sätze, die er aufs Papier bringt, ergeben schlicht und ergreifend jedes Mals aufs Neue eine wunderschöne Melodie, zu der ich mich nur allzu gerne im Takt wiege und seine Geschichten selbst lassen mich oft innehalten, weil sie wie aus dem Leben gegriffen scheinen.
Seine Klappentexte klingen oberflächlich betrachtet oft einfach, doch wenn man erst einmal hinter die Kulissen schaut, erhält der Leser immer ein Positiv und Negativ, wie bei einer Fotografie. Man wird quasi gezwungen beide Seiten zu betrachten, um ein vollständiges Bild vom Leben seiner Charaktere zu erhalten und in diesem Fall von der ewigen Jugend von Martine. Dabei redet er aber nicht von der Unsterblichkeit eben jener, denn auch wenn sie äußerlich in einem attraktiven Zustand verharrt, unterliegt doch der Rest ihres Körpers, zumindest innerlich, dem normalen Alterungsprozess.

Delacourt beabsichtigt nicht, dass wir uns an Martines Phänomen ein Beispiel nehmen, sondern nimmt uns eher die Angst vor Falten und Winkearmen. Er schreibt gegen Jugendwahn und Schönheitschirurgie und verdeutlicht, dass man sich zu seinem Alter bekennen sollte. Zwar hilft das seiner Protagonistin relativ wenig, die zusehends vereinsamt und droht, in Schönheit zu versinken, aber es ist dennoch befreiend diese Massage von einem Mann zu hören.

 

 

Die Frau, die nicht alterte von Grégoire Delacourt ist ein gewohnt feinfühlig erzählter, sprachlich leiser Roman, in dem sich Mann oder Frau gleichermaßen wiederfinden.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung, selbstverständlich auch für seine andren Werke!

 

 

♥ Vielen Dank an den Atlantik Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor
Grégoire Delacourt wurde 1960 im nordfranzösischen Valenciennes geboren und lebt mit seiner Familie in Paris. Sein Bestseller Alle meine Wünsche wurde in fünfunddreißig Ländern veröffentlicht. Im Atlantik Verlag erschienen von ihm zuletzt der Spiegel-Bestseller Die vier Jahreszeiten des Sommers (2016), Der Dichter der Familie (2017), Das Leuchten in mir (2018) und Die Frau, die nicht alterte (2019).

Quelle: Atlantik Verlag  

 

 

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