Rezension Tina Harf – Der Kuss

Rezension Tina Harf – Der Kuss

Autor: Tina Harf
Titel: Der Kuss
Herausgeber: Atlantic Verlag / Hoffmann und Campe
Datum der Erstveröffentlichung: 01. April 2020
Buchlänge: 192 Seiten
ISBN: 978-3-455-00859-3
Preis: TB 11,00€ / eBook 9,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Sie alle hatten einen Plan gefasst. Pauline wollte die Vorstadt hinter sich lassen, Amelie nicht als prüde Spießerin verkümmern. Marlene hatte ein Leben, bis sie ihre große Liebe verlor. Für Josephine und Marie war Romantik ein Luxus aus der Zeit vor Ehe und Familie. Doch dann tut sich ein Fenster auf und hinein kommt nicht immer das, was man sich insgeheim gewünscht hat. Mal gibt es nicht den ersehnten Kuss, mal stirbt ein geliebter Mensch, mal ändert eine leidenschaftliche Begegnung die eigene Perspektive. All diesen Frauen ist jedoch eines gemeinsam: Sie mögen auf starke Männer oder schwierige Situationen treffen, am Ende ist in ihnen selbst, was sie und ihr Leben zum Leuchten bringt. Tina Harf hat mit ihren Erzählungen fünf Lieben und fünf Leben eingefangen, die von den Träumen junger Mädchen und reifer Frauen handeln, von den miesen Momenten des Lebens oder von Glück. Sie schreibt mit Gefühl und dem, was man Lebensweisheit nennt – und hält immer eine überraschende Antwort parat.

Quelle: Hoffmann und Campe

 

 

 

Kurzgeschichten lese ich persönlich relativ selten. Irgendwie greife ich lieber zu dicken Romanen und zusammenhängenden Geschichten, als zu eben erwähnten, weil ich oft die Erfahrung gemacht habe, dass die bunte Mischung zwar eine gewisse Vielfalt bietet und ein abwechslungsreiches lesen innerhalb eines Buches ermöglicht, aber häufig in der Qualität schwankt. Liebe ich beispielsweise die ersten beiden Storys, langweile ich mich bereits bei der dritten und auch wenn die nachfolgenden wieder an Fahrt aufnehmen, hält sich meine Begeisterung trotzdem in Grenzen. Komischerweise geht mir das bei dicken Wälzern nie so, denn selbst wenn sich der Mittelteil etwas zieht, fällt bei mir nicht gleich das komplette Buch in Ungnade.
Kennt ihr das, oder denkt ihr euch gerade nur: I don’t know what she`s talking about?!
Wie dem auch sei, ich war wirklich gespannt, ob es mit Der Kuss von Tina Harf diesmal anders sein wird und ob mich die fünf Erzählungen allesamt begeistern können – also fangen wir an.

 

Pauline küsste ihren Raben, sog sich an seinen Lippen fest, Küssen war wie Essen, lebensnotwenig, und seine Küsse sprachen eine ganz besondere Sprache. Es war die Sprache der Liebe, davon war Pauline überzeugt, wer nicht liebte, konnte nicht so küssen, und so küsste sie, denn sie liebte ihn und wollte nie wieder aufhören damit.
(Seite 20)

 

Der Kuss von Tina Harf ist das erste Buch der Autorin, in dem es um fünf sehr authentisch wirkende, weibliche Protagonisten geht, die zwar unterschiedlicher nicht sein könnten, im Kern aber eine Sache eint: Die Liebe.
So erzählt die erste Geschichte von Pauline, die sich einen jahrelang gehegten Wunsch erfüllen will, im letzten Moment aber auf ihr Bauchgefühl hört, oder von Amelie, die ihr bisheriges Leben für Black Magic und einen neuen Mann ändert, bis sie sich selbst Stück für Stück vergisst. Von Marlene, die ihr Leben genoss, bis sie ihre große Liebe verlor und von Josephine und Marie, die mit Ehe und Familie hadern.

Gefühle, Lebensweisheiten, Träume, Glücksmomente oder tiefe Trauer – die Autorin transportiert all die Emotionen, die sie ihren Frauen auf den Leib schreibt sehr gut zum Leser und lässt diesen Anteil haben, an den kurzen Einblicken, die sie uns schenkt. Dabei ging mir die eine Geschichte sehr nahe, wohingegen die andere meinen Unmut weckte. Gerade die letzte vermittelte in meinen Augen ganz falsche Werte, denn seinen Ehemann zu betrügen, nur um wieder glücklich in der Beziehung zu sein, konnte ich leider so gar nicht nachvollziehen. Aber ich denke gleichzeitig auch, dass es hier genau darum geht – um die Vielfalt der Gefühle und Empfindungen. Um die unterschiedlichen Möglichkeiten sein Leben selbst zu bestimmen und am Ende glücklich zu sein. Sich selbst im Spiegel anschauen und akzeptieren zu können. Hier hat eben jeder Mensch seine eigene Methode und ob ich damit einverstanden bin oder nicht, sollte keinen Einfluss auf ihre selbstbestimmte Entscheidung haben. Denn das ist eben ihr Leben, mit dem sie am Ende zufrieden sein muss.
Davon abgesehen konnten mich die Sprache und der Schreibstil der Autorin komplett fesseln. Mit wenigen Worten schafft sie es, die innersten Bedürfnisse ihrer Protagonisten zu offenbaren und glaubwürdig zu vermitteln. Fast jedes Mal musste ich nach einer Geschichte kurz inne halten und  über das eben gelesene nachdenken und definitiv keine davon ist spurlos an mir vorbei gegangen.
Das schaffen nicht viele Bücher bei mir und schon gar keine Kurzgeschichten.

 

 

Der Kuss von Tina Harf ist eine kurzweilige Geschichtensammlung, das man perfekt an einem Nachmittag lesen kann.
Es ist ein Buch, das für die Liebe geschrieben wurde und eins, dass absolut lesenswert ist!

 

 

♥ Vielen Dank an den Hoffmann und Campe Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Tina Harf ist ursprünglich Berlinerin und seit ihrer Jugend geprägt von dem Treiben in einer lebendigen, vielfältigen Metropole. Inzwischen lebt sie in Mailand, London und New York. Zuerst arbeitete sie lange in der Werbung, bis sie schließlich das Schreiben begann.

Quelle: Hoffmann und Campe http://www.hoffmann-und-campe.de/autoren-info/tina-harf/

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