Rezension Ta-Nehisi Coates – Der Wassertänzer

Rezension Ta-Nehisi Coates – Der Wassertänzer

Autor: Ta-Nehisi Coates
Titel: Der Wassertänzer
Herausgeber: Karl Blessing Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 02. März 2020
Buchlänge: 544 Seiten
Titel der Originalausgabe: The Water Dancer
ISBN: 978-3-89667-658-0
Preis: HC 24,00€ / eBook 18,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Bisher kannte Hiram Walker nichts als ein Leben in Ketten. Aufgewachsen in der Sklaverei, musste er als kleiner Junge miterleben, wie seine Mutter verkauft wurde und für immer verschwand. Doch sie hat ihm eine seltene Gabe vererbt. Als diese ihn vor dem Ertrinken rettet, beschließt er aus der Gefangenschaft zu fliehen.
So beginnt für Hiram eine abenteuerliche Reise von den Tabakplantagen West Virginias über geheime Guerillazellen in der Wildnis des amerikanischen Südens nach Philadelphia, wo ihn ein völlig neues Leben in Freiheit zu erwarten scheint.
Doch zuvor muss er noch eine alte Rechnung begleichen und die Frau, die er liebt, und die, die ihn aufzog, in die Freiheit führen.

Quelle: Karl Blessing Verlag 

 

 

 

Es gibt nicht viele Bücher, die mich wirklich nachhaltig beeindrucken. Sei es durch ihre Sprache, den Inhalt oder ihre Protagonisten und die Reise, die sie mit der letzten Seite hinter sich gebracht haben. Oftmals vergesse ich schon die Hälfte, sobald ich das Buch zuklappe und beginne meine Rezension zu schreiben, weil sie zwar gut waren, aber eben nicht so überzeugend, sodass ich sie noch Jahre später Freunden empfehlen würde.
Der Wassertänzer allerdings, von Ta-Nehisi Coates, ist so ein Roman, der all diese Kriterien mehr als erfüllt und ich hoffe, dass ich all meine Gefühle, die ich während des Lesens empfand, auch hier in diese Rezension mit einfließen lassen kann.

Wir befinden in Virginia im Jahr 1865, kurz vor Ausbruch des Bürgerkrieges, auf einer Tabakplantage, mit der es langsam bergab geht. Die Böden sind ausgelaugt, viele Herren ziehen bereits gen Westen, andere verkaufen aus Not ihre Sklaven.
Dieser Umstand zerreißt auch die Familie des damals neunjährigen Hiram Walker, dessen Mutter vom Besitzer der Lockless Plantage fortgebracht wird. Zwar ist dieser auch gleichzeitig Hirmas leiblicher Vater und beide wissen um ihre Abstammung, trotzdem wird der Junge aufgrund seiner Hautfarbe als Hausbediensteter angestellt.
Aufgewachsen in stetiger Repression, sucht er nun, als fast erwachsener Mann, nach einem Weg zu entkommen. Hiram tritt einer geheimen, im Untergrund operierenden Organisation bei, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Sklaverei von innen heraus zu vernichten. Und er erkennt, dass er im Besitz einer geheimnisvollen Kraft ist, die er nicht versteht, die ihm aber vielleicht helfen kann, sich selbst und die, die er liebt zu befreien.

 

Es würde einmal eine Zeit kommen, da Gold schwerer wog als Herkunft, noch aber war dies das alte Virginia, in dem ein fragwürdiger Gott beschied, dass jene, die einen Menschen zum Verkauf anboten, irgendwie ehrenhafter waren als jene, die den Verkauf durchführten
(Seite 174)

 

Der Wassertänzer ist ein komplexes Buch, das durch sein wichtiges Grundthema sehr zum Nachdenken anregt. Es ist bewegend geschrieben, besitzt gut ausgearbeitete Charaktere, eine Tiefe, die man selten findet und beschreibt den harten und realistisch anmutenden Alltag von Menschen, die entweder in die Sklaverei hineingeboren wurden, oder schon sehr lange Zeit darunter leiden mussten.
Gerade in den Anfangskapiteln liest es wie ein klassischer Roman, wenn der Autor über das weite Land, die Obstgärten und die zahlreichen Herrenhäuser erzählt, und dabei hätte es Ta-Nehisi Coates durchaus auch belassen können. Doch irgendwann biegt er ab und verleiht seinem Protagonisten Superkräfte. Ich muss zugeben, dass mir das am Anfang etwas befremdlich war, denn das Thema Sklaverei alleine, hätte genug Recht gehabt, ohne Magie erzählt zu werden.
Aber manchmal täuscht der erste Eindruck und auch ich musste meine Meinung revidieren, denn durch diesen Kniff verhilft er seinem Protagonisten nicht nur zu mehr Komplexität, sondern erhöht zudem auch sein Empowerment.
Was ich danach erst herausgefunden habe: Ta-Nehisi Coates schreibt neben gesellschaftspolitischen Essays und historischen Fantasy-Romanen auch Comics für Marvel und ist dort zuständig für den schwarzen Superhelden Black Panther.
Und so ist es definitiv nicht länger verwunderlich, dass auch Hiram Walker eine Origin Story erhielt, in der an sich selbst ungewöhnliche Kräfte feststellt und von da an lernen will und muss, wie sie sich beherrschen lassen.

Ich persönlich finde, dass es eine große Kunst ist, all diese Faktoren sinnvoll und realistisch zu vereinen, ohne dabei Längen entstehen zu lassen und das ist Ta-Nehisi Coates auf jeden Fall gelungen.
Liebevoll, sorgsam, lebensfroh, sehnsüchtig, wütend, traurig, verletzt, getroffen, misshandelt: All das sind Adjektive, mit denen sich Hiram Walter beschreiben lässt und großartig ist eines, das ich diesem Roman gerne verleihen würde.

 

 

 

Ein fantastisches Buch, das nicht nur wegen des ungewöhnlichen Fantasy-Elements zu einem meiner Jahreshighlights zählt.
Der Wassertänzer ist ein beeindruckender Roman, der vor Authentizität nur so strotzt und deswegen auch von mir eine klare Leseempfehlung bekommt.

 

 

♥ Vielen Dank an den Karl Blessing Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor

Ta-Nehisi Coates, geboren 1975 in Baltimore, ist einer der angesehensten Intellektuellen der USA. Mit seinem Essay Plädoyer für Reparationen stieß er eine landesweite Diskussion zur Aufarbeitung der Sklaverei an. Zwischen mir und der Welt, für das er 2015 den National Book Award erhielt, ist in den USA eines der meistverkauften Bücher der vergangenen Jahre. In seinem Essay We Were Eight Years In Power. Eine amerikanische Tragödie (2017) stellte Coates die These auf, dass es sich bei Donald Trump um den ersten weißen Präsidenten der USA handele, da seine ganze Politik in klarer Abgrenzung zu Obama stehe. Coates schreibt regelmäßig für The Atlantic, größtenteils zum Thema struktureller Rassismus und »White Supremacy«. Der Wassertänzer ist sein erster Roman. Er lebt mit seiner Familie in New York.

Quelle: Karl Blessing Verlag 

 

 

 

 

 

 

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