Rezension John von Düffel – Der brennende See

Rezension John von Düffel – Der brennende See

Autor: John von Düffel
Titel: Der brennende See
Herausgeber: Dumont Verlag 
Datum der Erstveröffentlichung: 18. Februar 2020
Buchlänge: 320 Seiten
ISBN: 978-3-8321-8122-2
Preis: HC 22,00€ / eBook 17,99€
Erwerben   

 

Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Hannah, Tochter eines Schriftstellers, kehrt nach dem Tod ihres Vaters in die Stadt ihrer Kindheit zurück. An seinem Erbe ist sie wenig interessiert. Doch als Hannah erste Schritte unternimmt, die Wohnung des Verstorbenen aufzulösen, findet sie an seinem Totenbett das Foto einer Unbekannten. In der flimmernden Hitze eines erneut rekordverdächtig trockenen Aprils begibt Hannah sich mit diesem Bild auf Spurensuche. Bald muss sie erkennen, dass nicht nur die vertraute Landschaft ihrer Kindheit sich in Staub und Rauch auflöst. Alle Bilder der Vergangenheit entgleiten ihr, das ihres Vaters nicht zuletzt. Als sie dann auf die Fridays-for-Future-Aktivistin Julia stößt, die sich in ihrem Kampf um Klimagerechtigkeit auf fragwürdige Weise radikalisiert hat, muss sie feststellen, dass ihr Vater dieser jungen Frau am Ende näher stand als ihr. Womöglich ist sie sogar die wahre Tochter des Schriftstellers…

Quelle: Dumont Verlag

 

 

Themen wie der Klimawandel oder die aktuellen Fridays for Future-Bewegungen sind momentan in aller Munde und selbst wenn man, wie ich, kein versierter Zeitungsleser oder Tageschauverfolger ist, fällt einem dennoch auf, dass mit unserer Welt etwas nicht stimmt.
Gerade jetzt, Ende Februar, sitze ich bei 15 Grad am Laptop und sehe in unserem Nachbargarten den Kirschbaum blühen. Auch der Schnee ist selbst bei mir in Bayern zu einem seltenen Gast geworden, dafür häufen sich jedoch die extremen Wetterbedingungen was Überschwemmungen oder monatelange Trockenheit betrifft.
Und auch John von Düffel beschäftigt sich in seinem neuen Roman Der brennende See stellenweise sehr intensiv mit diesen Angelegenheiten, auch wenn seine Geschichte scheinbar eher als Generationenroman ausgelegt ist. 

Hannah kehrt in die Stadt ihrer Kindheit zurück, da ihr Vater, ein Schriftsteller, vor kurzem verstorben ist. Die Wohnungsauflösung steht an, doch wirklich mitnehmen tut sie die Sache anfangs nicht, da beide sich schon seit längerem fremd geworden sind. Als sie jedoch im seinem Nachttisch ein Foto einer unbekannten jungen Frau findet, die sich als die Tochter ihrer ehemals besten Freundin herausstellt, wird sie neugierig. Was hat ihr Vater mit ihr zu tun gehabt und wer genau ist sie? Bei einem Ausflug zum See, in dem ihr Vater regelmäßig schwamm, sieht sie Julia dann zum ersten Mal und erfährt später, dass sie sich als Klimaaktivistin bei Fridays for Future engagiert und gerade dabei ist, sich zu radikalisieren – und dabei stand der Verstorbene ihr offenbar sehr nahe. 

Trauerbewältigung, Generationenroman, Gesellschaftskritik – über die knapp 320 Seiten ändert Der brennende See immer mehr sein Format, ohne dass ich es als Leser richtig bemerkt habe. Dabei zieht sich die Handlung über einen ungewöhnlich heißen April und die Nachrichten der zunehmenden Schwüle und Trockenheit, wobei ich die Trockenheit leider auch auf die Geschichte selbst beziehen muss. Anfangs noch recht unterhaltsam, kam ich zusammen mit der Hauptprotagonisten Hannah in der Stadt ihrer Kindheit an, doch schon nach wenigen Seiten wurde mir diese immer unsympathischer. An was das genau gelegen hat, kann ich gar nicht mal sagen, aber ihre gesamte Art und der Umgang mit gewissen Situationen (eigentlich löst sie alles mit Alkoholzufuhr und Nahrungsentzug) ließen sie stetig unrealistischer und flacher wirken. Auch der Geschichte selbst fehlte es meiner Meinung nach an Tiefe und eindrücklichen Momenten, denn die verschiedenen Themen hatten durchaus das Potential mir zu gefallen. Damit meine ich explizit Julia, die genau für unsere Generation steht und somit als topaktuelles Sprachrohr hätte dienen können, denn ich verstehe ihren aufgestauten Hass auf jene, die lieber leere Reden schwingen, statt endlich zu handeln. Dabei verfällt der Autor nicht in apokalyptischen Furor, sondern bringt die Klimaangst und die sich daraus ergebenden Verwerfungen zwischen den Generationen sachlich und unaufgeregt auf den Punkt – nur leider für meinen Geschmack etwas zu sachlich. Mir fehlten schlussendlich einfach das Gefühl, der letzte Schliff und die Nahbarkeit zu den Protagonisten. 

 

 

Wenn Jung und Alt gemeinsame Sache machen, die Generation dazwischen aber keine Zeit für die Klimakrise hat. 

Ein gut durchdachtes Buch, das für mich allgemein aber etwas zu fade rüberkam.
Die stellenweise unmotiviert erscheinenden Charaktere haben diese Stimmung leider oft auf mich selbst übertragen, jedoch gefiel mir die Grundidee zu Der brennende See sehr gut. 

Reinlesen und selbst entscheiden würde ich sagen!

 

 

♥ Vielen Dank an den Dumont Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor
John von Düffel wurde 1966 in Göttingen geboren, er arbeitet als Dramaturg am Deutschen Theater Berlin und ist Professor für Szenisches Schreiben an der Berliner Universität der Künste. Seit 1998 veröffentlicht er Romane und Erzählungsbände bei DuMont, u. a. ›Vom Wasser‹ (1998), ›Houwelandt‹ (2004), ›Wassererzählungen‹ (2014) und zuletzt ›Das Klassenbuch‹ (2017). Seine Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem aspekte-Literaturpreis und dem Nicolas-Born-Preis.

Quelle: Dumont Verlag  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.