Rezension John Lewis-Stempel – Im Wald: Mein Jahr im Cockshutt Wood

Rezension John Lewis-Stempel – Im Wald: Mein Jahr im Cockshutt Wood

Autor: John Lewis-Stempel
Titel: Im Wald: Mein Jahr im Cockshutt Wood
Herausgeber: Dumont Verlag 
Datum der Erstveröffentlichung: 18. Februar 2020
Buchlänge: 284 Seiten
Titel der Originalausgabe: The Wood. The Life and Times of Cockshutt Wood 
ISBN: 978-3-8321-8124-6
Preis: HC 22,00€ / eBook 17,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

John Lewis-Stempel kennt den Cockshutt Wood von den Wurzeln der Buchen bis zu den Kronen der Eichen und auch sämtliche Tiere, die dort leben: die Füchsin, die Fasane, die Waldmäuse und Käuze. Für viele der Tier- und Pflanzenarten sind Wälder wie der Cockshutt Wood die letzte Zuflucht. Und auch der Autor findet hier seine Heimat. ›Im Wald‹ zu lesen bedeutet, ein Jahr inmitten seiner Bewohner und umringt von seinen Bäumen zu verbringen. Sei es Herbst, Frühling, Sommer oder Winter: Cockshutt Wood ist ein Stück Wald, das man nicht mehr verlassen möchte.

Quelle: Dumont Verlag

 

 

Der Wald war für mich schon immer ein faszinierender Ort. Seit meiner frühesten Kindheit kann ich mich an Ausflüge und Selbsterkundungstouren erinnern, die mir fast alle positiv im Gedächtnis geblieben sind und auch heute noch führen mich meine Wanderungen immer wieder Wälder, die es zu erkunden gibt. Ob nun um Pilze zu suchen, zur Ruhe zu kommen oder in Verbindung mit einem Familienurlaub – ein Wald ist immer etwas besonders und neues mit seinen einzigartigen Lebewesen und seiner beeindruckenden Flora und Fauna. 

Auch für John Lewis-Stempel ist es ein besonderer Lebensraum, nur nutzt er diesen nicht als Ausflugsziel sondern als Arbeitsplatz und über das Leben und die Zeiten des Cockshutt Wood  gibt er uns mit Im Wald einen vertraulichen Einblick in sein letztes Jahr, in dem er diesen dreieinhalb Hektar großen Mischwald in Herefordshire in England bewirtschaftet hat. 

Sein neues Buch schrieb er in Tagebuchform und führt uns damit durch die vier Jahreszeiten und das sich wandelnde Gesicht des Cockshutt Wood. Zugegeben, persönliche oder gar emotionale Eindrücke über sein Privatleben erhält man hier nicht wirklich, aber mit seiner oft poetischen Wortwahl zeigt er die hiesige Flora und Fauna von seiner besten Seite. Und so lernen wir nicht nur die einzelnen Baumsorten, sondern auch einen Waldkauz, Schweine, Schafe und Pferde kennen, die das Tagesgeschäft und den Autor mächtig auf Trab halten. 

 

Der Dezember, wenn die Bäume in ihrer nackten Wahrheit herumstehen, ist die richtige Zeit, um einen Wald zu besichtigen und zu bewerten.
(Seite 19)

 

Unsere Expedition startet im Dezember, als die Tage am kürzesten sind, aber selbst hier, zu dieser Zeit in der die Bäume ruhen, gibt es noch Leben in Johns Wald. Zum Beispiel wenn er seinen Schweinen das Fressen bringt. Zwar sind diese oft tief im Forst versteckt, aber sobald der Farmer mit einem Ziegelstein gegen den Blechtrog schlägt, sammeln sie sich nach dem Antwortquiecken im Schweinsgalopp am Pferch auf der angrenzenden Wiese. Wie ich gelernt habe, nennt man diese Art der Nutztierhaltung Waldhutung und war einst ein wichtiger Brauch, denn so fraß das Vieh beispielsweise Eicheln, junge Zweige und Blätter und verschaffte damit den großen Bäumen mehr Raum.
Gemächlich führt uns der Autor so durch seine Gefilde, beschreibt den Baumbestand, erläutert die Geschichte des Waldes, führt uns zum im Inneren liegenden See und stellt auf diesem Streifzug weitere Tiere vor. Doch auch Rezepte und Gedichte kreuzen dabei immer wieder unseren Leseweg, wovon ich definitiv einige im Laufe des Jahres ausprobieren möchte. 

 

Wenn wir Bäume verletzten, verletzten wir uns selbst.
(Seite 103)

 

Von Monat zu Monat, von Jahreszeit zu Jahreszeit lernt man alles besser kennen und schnell wird deutlich, warum der Autor zu den großen Namen des Nature Writing gehört, denn er selbst stammt aus einer Bauernfamilie des 13. Jahrhunderts und weiß somit genau zu beobachten und zu formulieren. Doch geht es ihm nicht vorranging nur um Naturromanik, denn John Lewis-Stempel muss auch richtig schuften, kämpfen, schwitzen und frieren wenn er sich durch den Nutzwald sägt und er betont zudem immer wieder den Wert seines Refugiums, insbesondere in Zeiten der industriellen Forst- und Bodenwirtschaft.
Beeindruckend sind zudem auch seine weitreichenden Kenntnisse. Er weiß viel über die Heilkraft und den Nutzen der Pflanzen, weiß, dass Käuze in B-Dur rufen und wie man das Alter der Bäume bestimmt, ohne einen Blick auf seine Jahresringe zu werfen.
Für manche ist das ganz klar große Kunst und ein Buch, um darin zu versinken, aber man muss sich definitiv darüber im Klaren sein, dass es kein gewöhnlicher Roman mit allerhand Gefühlsduseleien ist. Es ist ein Bericht, ohne Spannungsbogen und Schnörkel – dafür aber ein authentischer.

 

 

Wunderschöne Einblicke in einen Wald, geschildert von einem Autor, den wir 365 Tage darin begleiten dürfen. Leider war es mir persönlich etwas zu trocken, zu abgehackt und zu emotionslos, was wahrscheinlich daran lag, dass ich hier einen Roman zu lesen bekomme.
Wem das aber von vorneherein klar ist, kann sich auf ein Buch freuen, in dem sich Natur und Worte wunderbar nah kommen. 

 

 

♥ Vielen Dank an den Dumont Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor
John Lewis-Stempel ist Farmer und Autor zahlreicher hochgelobter Bücher. Er ist zweifacher Preisträger des renommierten Wainwright Prize for Nature Writing. Bei DuMont sind bisher ›Ein Stück Land‹ (2017) und ›Mein Jahr als Jäger und Sammler‹ (2019) erschienen. Mit seiner Frau und seinen zwei Kindern lebt er in England und Frankreich.

Quelle: Dumont Verlag  

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