Rezension Tamsyn Muir – Ich bin Gideon

Rezension Tamsyn Muir – Ich bin Gideon

Autor: Tamsyn Muir
Titel: Ich bin Gideon
Herausgeber: Heyne Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 13. April 2020
Buchlänge: 608 Seiten
Titel der Originalausgabe: Gideon the Ninth
ISBN: 978-3-453-42373-2
Preis: TB 14,99€ / eBook 11,99€
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♥ Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Gideon Nav reicht es. Sie hat genug von dem düsteren Planeten voller verknöcherter Nonnen, starrer Regeln und schwarzer Klamotten, auf dem sie aufgewachsen ist. Genug von einem Leben als Dienerin des Neunten Hauses. Vor allem aber hat sie genug von Harrowhark Nonagesimus, der Erbin eben jenes Hauses, die Gideon mit ihrer herrischen Art das Leben schwer macht. Also packt Gideon ihr Schwert und ihre Pornohefte ein, um endlich von diesem gottverlassenen Planeten zu verschwinden. Doch sie wird erwischt. Die Strafe für ihren Fluchtversuch ist unangenehm: Sie soll Harrowhark als Schwertmeisterin an den kaiserlichen Hof begleiten, wo diese, gemeinsam mit den Erben der anderen royalen Häuser, an einem Wettkampf auf Leben und Tod teilnimmt. Wenn sie den Untergang des Neunten Hauses und ihres Planeten verhindern wollen, müssen die beiden wohl oder übel zusammenarbeiten. Und das, obwohl sie einander auf den Tod nicht ausstehen können – oder?

Quelle: Heyne Verlag

 

 

 

Seit das Buch auf dem englischen Buchmarkt erschienen ist, wollte ich es lesen. Zum einen, weil mich das Cover einfach total angesprochen hat, zum anderen, weil der Klappentext so außergewöhnlich klingt. Zugegeben, ein Wettkampf royaler Häuser auf Leben und Tod klingt jetzt nicht gerade nach der Neuerfindung des Rades, aber was man zwischen den Zeilen herauslesen kann, hat mich schließlich dazu bewogen es einfach mal zu probieren. Denn alles klingt nach einer schlagfertigen Protagonistin von einem fernen Planeten, die sicherlich nicht nur mit Worten gut austeilen kann.

Der Imperator und oberste Nekrolord ruft die Vertreter aller neun Häuser der umliegenden Planeten zu sich, denn der letzte seiner Paladine, Lyctoren genannt, ist gestorben und deshalb wird eine neue Generation gebraucht. Dieser Ruf ereilt auch das Neunte Haus auf der Welt Drearburh, das selbst in diesem morbiden Universum einen schlechten Ruf hat. Zum einen, weil seine Aufgabe das Bewachen einer ominösen Gruft ist, zum anderen, weil es sich in stark fortgeschrittenem Niedergang befindet – kurzum: es fehlt an allen Ecken und Enden an Ressourcen. Lord und Lady von Drearburh sind nämlich längst tot, ihre Leichen werden aber von ihrer ehrgeizigen Tochter Harrowhark Nonagesimus wie Marionetten in Bewegung gehalten, um den Schein zu wahren.
Davon ist Gideon Nav allerdings alles andere als begeistert, und da ihr der aufgezwungene Heimatplanet schon länger zuwider geworden ist, bietet Harrowhark ihr einen Handel an: wenn sie die junge Nekromantin als Kavalierin zum Imperator begleitet und ihr zum Aufstieg zur Lyctorin verhilft, schenkt Harrowhark ihr im Gegenzug die Freiheit. Doch dabei lernt Gideon, dass es schlimmeres gibt, als ein Leben auf Drearburh.

 

Jeder kann lernen zu kämpfen. Aber kaum jemand lernt zu denken.
(Seite 85)

 

So weit, so Geschmackssache.
Dass die Hauptprotagonistin Gideon ein äußerst sarkastischer Charakter mit einer Leckt-mich-doch-alle-am-Arsch Attitüde ist, sollten die Leser schon auf den ersten paar Seiten zu spüren bekommen und normalerweise mag ich solche Personen, die einen feuchten Kehricht darauf geben, was andere von ihnen halten. Aber hier erinnern Ihre Aussagen und ihr Auftreten leider oft an eine bockige 14-jährige, wenn Sätze wie Es war alles so völlig schräg und total scheiße gewesen fallen. Auch kam mir gerade am Anfang ihr auferlegtes Dirty Image zu oft zu gewollt und gestellt vor, als wolle die Autorin auf den ersten 100 Seiten mit aller Gewalt dieses Bild in den Köpfen ihrer Leser einhämmern. Etwa wenn Muir gleich mehrfach mit einfließen lassen muss, dass die junge Kavalierin Pornohefte im Gepäck hat – uhhhh wie verwegen. Trotzdem hat Gideon einen gewissen Charme und gerade im Umgang mit Harrowhark musste ich einige Male laut auflachen.

Die Welt und das Ambiente überzeugen viele sicherlich auf den ersten Blick und auch der Plot wird unterwegs immer spannender und straffer. Wo man am Anfang noch viele Fragezeichen im Gesicht hatte, lichtet sich langsam der Schleier um die Welten, die wir besuchen und selbst die Vielzahl an Namen der dazugehörigen Nebencharaktere werden mit jeder Seite geläufiger.
Dennoch kam mir das Große und Ganze ziemlich aufgeblasen vor: Viel Ausstattung, viele Dialoge, aber leider wenig Dynamik. So manch ein Gespräch oder eine Beschreibungen der Umgebung hätte meiner Meinung nach auch einfach wegfallen können, weil sie nichts zu der Geschichte beigetragen haben. Blättert man unbewusst durch das Buch, landet man fast immer mitten in einer Konversation in einem opulenten Raum und oft hab ich mich gefragt: Ist das jetzt noch Science Fiction oder schon Jugendfantasy?

Ich bin wirklich selbst erstaunt, wie wenig mich Ich bin Gideon wirklich fesseln konnte, zumal das Buch durchaus wie für mich gemacht schien. Aber letzten Endes konnte es mich einfach an keiner Stelle konsequent begeistern und hat im Detail immer wieder gekränkelt und geschwächelt.
Das klingt jetzt alles furchtbar negativ, doch ich weiß das Buch auch durchaus zu schätzen und ich bin mir sicher, vielen wird es auch so gehen!
Reinlesen und selbst entscheiden würde ich sagen.

 

 

 

Tamsyn Muir hat mit Ich bin Gideon eine durchaus spannende Welt voller Skelette und Nekromanten erschaffen, bei der das Worldbuilding und die Charaktere im allgemeinen leider etwas auf der Strecke blieben. Jugendfantasy-Fans, die auf rotzig-rebellische Role Models stehen, sollten aber definitiv mal reinlesen.

 

 

♥ Vielen Dank an den Heyne Verlag der Verlagsgruppe Ramdomhouse für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über die Autorin
Tamsyn Muir ist in Howick, Neuseeland aufgewachsen und wohnte lange Zeit in Wellington. Inzwischen lebt und arbeitet sie in Oxford, England. Für ihre Science-Fiction-, Fantasy- und Horror-Kurzgeschichten war sie bereits für den Nebula Award und den World Fantasy Award nominiert. »Ich bin Gideon« ist ihr erster Roman.

Quelle: Heyne Verlag

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