Rezension Neil Gaiman – Anansi Boys

Rezension Neil Gaiman – Anansi Boys

Autor: Neil Gaiman
Titel: Anansi Boys
Herausgeber: Eichborn Verlag / Bastei Lübbe   
Datum der Erstveröffentlichung: 28. September 2018
Buchlänge: 416 Seiten
Titel der Originalausgabe: Anansi Boys
ISBN: 9783847906506
Preis: Broschiert 14,00€ / eBook 10,99€
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 Dieser Beitrag enthält Werbung, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt 

 

 

Fat Charlie Nancy lebt in London, arbeitet als Buchhalter, ist nicht besonders beliebt, nicht besonders gutaussehend, nicht besonders witzig.
Sein überschaubar spannendes Leben nimmt eine rasante Wendung als Charlies Bruder auftaucht. Spider ist das krasse Gegenteil zu Fat Charlie. Gutaussehend, witzig, überheblich, selbstverliebt, und er hat die göttlichen Fähigkeiten ihres gemeinsamen Vaters Anansi geerbt.

Eine Brüdergeschichte, eine Göttergeschichte, eine Geschichte über Träume und Märchen, voller schräger Wendungen und ungeheuerlichen Begebenheiten. Und eine Geschichte über Familienbande, Freundschaft und Liebe.

Quelle: Bastei Lübbe 

 

 

Neil Gaiman wird allgemeinhin als Fantasy Autor bezeichnet, an dem sich gewissermaßen die Geister scheiden. Er ist ein Autor, dessen Werke man entweder liebt, oder komplett ablehnt.
Aber eines muss man ihm lassen: Bei wem der Begriff Fantasy nur Assoziationen zu Elfen, Zauberern oder Drachen erweckt, der wird überrascht sein, mit welch einzigartigem Geschick Gaiman diesem Genre immer wieder neues Leben einhaucht.

Seinen bislang größten Erfolg im deutschsprachigem Raum hatte er wohl mit dem Roman American Gods, in dem nicht nur Immigranten, sondern auch allerlei Götter nach Amerika eingewandert sind. Dort schlagen sie sich, genau wie alle anderen Normalsterblichen durch, wobei sie ihre alten, göttlichen Eigenschaften nie ganz abgelegt haben. Einer dieser Allmächtigen, der trickreiche Spinnengott Anansi, hatte in dieser Geschichte bereits als „Mr. Nancy“ einen kurzen Auftritt, aus dem Neil Gaiman nun eine weitere Story spinnt.
Doch man muss American Gods nicht zwingend vorher gelesen haben, um in dieser Geschichte zu versinken. 

“Es beginnt, wie es ja meistens der Fall ist, mit einem Lied… Lieder sind dauerhaft, sie währen ewig.“ Mit diesen Worten startet die Reise für Protagonist Fat Charlie, der feststellen muss, dass Lieder auch Abschied bedeuten können. Sein Vater, zu Lebzeiten nicht nur dem Gesang, sondern auch Weib und Wein sehr zugetan, ist jüngst in einer Karaokebar tot zusammengebrochen, als er für Gruppe weiblicher Touristinnen ein Lied zum Besten geben wollte. Und so fliegt Charlie nun von London über den Atlantik, um dem Begräbnis seines alten Herren beizuwohnen. 
Was er jedoch nach seiner Ankunft in Florida erfährt, bringt sein komplettes Leben durcheinander. Nicht nur, dass ein Vater der westafrikanische Spinnengott Anansi gewesen sein soll, hat er auch noch einen Bruder namens Spider, der die kompletten göttlichen Eigenschaften der Familie geerbt hat. Und um ihn kennenzulernen, muss er nichts weiter tun, als einer Spinne diesen Wunsch mitzuteilen. Schon klar, denkt er sich, und fliegt zurück nach London, um dort mit seiner Verlobten seine Hochzeit vorzubereiten. Als der Alkohol jedoch eines Abends seine Zunge lockert, flüstert er einer Spinne zu, seinen Bruder um ein Treffen mit ihm zu bitten und prompt steht am nächsten Tag der elegant gekleidete Mr. Spider vor seiner Tür – und nicht nur Charlie, sondern auch dessen Verlobte gehen ihm ins Netz.
Was folgt, ist die irrwitzige Achterbahnfahrt einer ungewöhnlichen Familie, die so perfekt erzählt ist, dass mir das erste Mal seit langem wieder Lachtränen aus den Augen geschossen sind. 

Meiner Meinung nach hat Neil Gaiman mit diesem Buch ein regelrechtes Ideenfeuerwerk entfacht, dessen Inhalt vor Witz und Spannung nur so strotzt. Mit Anansi hat er sich aus American Gods den wohl durchtriebensten Gott überhaupt ausgesucht und erzählt mit seinem magischen Schreibstil eine Familiengeschichte der besonders absonderlichen Art.
Dabei greift er sowohl auf Krimi- als auch auf Fantasyelemente zurück, die in Kombination anfangs etwas befremdlich erscheinen, aber im Laufe der Geschichte zu einer Handlung beitragen, die trotz aller Magie einem normalen Alltag gleicht (ok vielleicht keinem völlig normalen Alltag, sondern ehr einem, wie ihn Loriot aus seinen Sketchen gewohnt ist).

Doch auch für emotionale Tiefe ist gesorgt. Denn das Wichtigste, der rote Faden, der sich hier durch die knapp 420 Seiten zieht, trägt den Namen Familie.
Egal wie verrückt, verquer oder peinlich einem seine Familie auch erscheinen mag, sie wird immer ein Teil des eigenen Lebens bleiben – Uns so arrangiert sich auch Charlie letztendlich mit seiner. 

 

 

Anansi Boys“ ist eine wunderbar skurrile Geschichte voller toller Ideen, schräger Blickwinkel und herrlich schrulliger Charaktere.
Faszinieren, märchenhaft, spannend, lustig und nachdenklich – unbedingt lesen!

 

 

♥ Vielen Dank an den Eichborn Verlag der Verlagsgruppe Bastei Lübbe für die Zusendung des Rezensionsexemplars! ♥

 

 

Über den Autor 

Neil Gaiman hat über 20 Bücher geschrieben und ist mit jedem namhaften Preis ausgezeichnet worden, der in der englischen und amerikanischen Literatur- und Comicszene existiert. Geboren und aufgewachsen ist er in England. Inzwischen lebt er in Cambridge, Massachusetts, und träumt von einer unendlichen Bibliothek.

Quelle: Bastei Lübbe 

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